In den vergangenen Wochen ging es in der Finanzwelt turbulent zu. Auslöser waren politische Unsicherheiten, wirtschaftliche Sorgen und wachsende geopolitische Spannungen – nicht zuletzt durch die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Auch die Bauzinsen blieben davon nicht unberührt und zeigten sich zuletzt schwankungsanfällig. Doch wie kam es dazu und was bedeutet das für alle, die eine Immobilie finanzieren möchten? Wir erklären, was es jetzt zu beachten gilt.
Donald Trump und Bauzinsen: Wie passt das zusammen?
Um zu verstehen, warum geopolitische Entwicklungen wie Trumps Handelspolitik Auswirkungen auf die Bauzinsen in Deutschland haben können, lohnt sich ein Blick auf die Zusammenhänge: Die Zinsen für Immobilienfinanzierungen orientieren sich an der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen. Das sind festverzinsliche Wertpapiere, mit denen sich der Staat Geld leiht. Wenn viele neue Anleihen auf den Markt kommen – etwa durch zusätzliche Ausgaben wie das deutsche Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur – steigt das Angebot. Um Käufer zu finden, muss der Staat dann attraktivere Zinsen bieten. Das führt dazu, dass „ältere“ Anleihen an Wert verlieren und deren Renditen steigen.
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„Durch den kurzfristigen Anstieg der Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen werden auch die Bauzinsen nach oben gehen“, erklärt Mirjam Mohr, Vertriebsvorständin bei Interhyp. Denn Baukredite orientieren sich an diesen Renditen, da sie als Maßstab für langfristige Zinsen gelten. Steigen also die Renditen der Bundesanleihen, steigen meist auch die Bauzinsen. Der Grund: Banken müssen sich Geld beschaffen, um Baukredite zu vergeben – oft über den Verkauf von Pfandbriefen, einer speziellen Form von Anleihen. Wenn Banken für Pfandbriefe nun höhere Zinsen zahlen müssen, steigen ihre Kosten – und damit auch die Zinsen für Baukredite.
Trumps Zollpolitik sorgt für starke Volatilität bei Bauzinsen
Dennoch sind die Bauzinsen nach dem vom Sondervermögen ausgelösten Anstieg im März wieder gesunken – warum? Ein Grund für die aktuelle Volatilität ist Trumps Zollpolitik. Als der US-Präsident neue Strafzölle ankündigte – später aber teilweise aussetzte – kam es zu Turbulenzen an den Börsen. Anleger verzeichneten mit Aktien Verluste und flohen in vermeintlich sichere Anlagen, etwa in deutsche Bundesanleihen. Die gestiegene Nachfrage ließ deren Kurse steigen – und die Renditen vorübergehend wieder sinken. Womit auch die Bauzinsen wieder nachgaben.
Eine Entwicklung, die auch das Immoscout-Zinsbarometer betätigt: „Die Turbulenzen an den Börsen, ausgelöst durch Trumps Politik, haben viele Anlegende dazu gebracht, ihr Geld aus Aktien abzuziehen und in vermeintlich sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen zu stecken. Diese erhöhte Nachfrage drückte die Renditen etwas nach unten. Die Folge: Auch die Bauzinsen sind wieder leicht gefallen – insbesondere bei langfristigen Krediten“, heißt es von den Immobilienprofis

Florian Pfaffinger vom Finanzierungsvermittler Dr. Klein fasst zusammen: „Aktuell nähern wir uns wieder dem Zinsniveau, das wir vor der Ankündigung des Schuldenpakets hatten.“ Die derzeitige Situation sei geprägt von außergewöhnlicher Volatilität: „Zoomt man jedoch etwas heraus, bleibt festzuhalten, dass wir uns nach wie vor in dem von uns prognostizierten Zinskorridor von drei bis 3,5 Prozent für das erste Halbjahr 2025 bewegen.“ Der aktuelle Top-Zins liegt laut Dr. Klein aktuell bei 3,30 Prozent (Stand: 13.05.2025). In unserem Kredit-Ticker erfahren Sie die neusten Entwicklungen und Konditionen.
Profi erwartet keine neuen Höchststände bei Bauzinsen
Trotz der Unsicherheiten sehen Fachleute derzeit durchaus Chancen für Immobilieninteressierte. Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi 24, beschreibt die Situation als paradox: „Während das von der künftigen Bundesregierung geschnürte Billionen-Euro-Schuldenpaket zur Modernisierung von Rüstung und Infrastruktur zuletzt die Bauzinsen nach oben getrieben hatte, sorgte der Börsenkrach für eine Gegenbewegung.“ Warum er jetzt eine gute Gelegenheit für den Immobilienkauf sieht, lesen Sie hier.
Auch Rainer Eichwede, Kapitalmarktexperte der Bausparkasse Schwäbisch Hall, zeigt sich zurückhaltend optimistisch: „Ein erneutes Erreichen der Höchststände sehen wir derzeit nicht.“ Gleichzeitig warnt Eichwede: „Aber angesichts der geopolitischen Unsicherheiten, etwa durch die Politik von US-Präsident Trump, ist es auch nicht auszuschließen.“
Jetzt Immobilienfinanzierung abschließen? Das sagen Profis
Wie es mit den Bauzinsen in den kommenden Wochen weitergeht, bleibt ungewiss. Vom Finanzierungsvermittler Interhyp heißt es: „Eine genaue Einschätzung ist in diesen volatilen Zeiten schwierig.“
Es zeigt sich: Die Mehrheit der von Interhyp befragten Experten rechnen kurzfristig mit einer Seitwärtsbewegung der Bauzinsen, mittelfristig aber mit einem Anstieg Richtung vier Prozent. Für Interessierte heißt das: nicht zögern, aber auch nicht unüberlegt handeln. „Jetzt und auch in den kommenden Wochen ist ein guter Zeitpunkt für die Finanzierung der eigenen Immobilie“, sagt Zinsexperte Pfaffinger – besonders in einem Umfeld, das von schnellen Ausschlägen und globaler Unsicherheit geprägt ist.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.



