Die wenigsten können ein Haus vollständig aus eigener Tasche bezahlen, weshalb die meisten Kaufinteressierten auf eine Baufinanzierung angewiesen sind. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Kosten zu sparen – eine davon ist die KfW-Förderung. Diese bietet finanzielle Unterstützung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Form von zinsgünstigen Krediten oder Zuschüssen.
Wir haben Jan Schulze, Spezialist für Baufinanzierung beim Kreditvermittler Dr. Klein, gefragt, welche Förderungen derzeit besonders spannend sind.
Welche KfW-Förderprogramme gibt es für Bauherren und Käufer?
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet eine Reihe von Förderprogrammen für den Bau oder Kauf von Immobilien. Interessierte können diese entweder als zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss oder als Direktzuschuss erhalten. Laut Schulze sind derzeit zwei Programme besonders gefragt: das KfW-Programm 124, auch „Wohneigentumsprogramm“ genannt und das KfW-Programm 261, bekannt als „BEG Wohngebäude“.
KfW-Programm 124: Das wird beim Wohneigentumsprogramm gefördert
Das KfW-Programm 124 unterstützt den Kauf oder Bau von selbst genutztem Wohneigentum mit einem Förderdarlehen von bis zu 100.000 Euro. „Gefördert werden bei einem Neubau beispielsweise die Kosten für den Erwerb des Grundstücks, die Kosten für Baumaterialien, Handwerker und auch die Außenanlagen wie ein Carport oder die Terrasse“, erklärt Schulze.
Bei Bestandsimmobilien fördert die KfW mit dem Programm 124 den Kaufpreis sowie die Erwerbsnebenkosten und anfallende Sanierungskosten.
Wie hoch sind die Zinsen beim KfW-124-Wohneigentumsprogramm?
Die KfW bietet einen Förderkredit ab 3,46 Prozent effektivem Jahreszins. Zudem gibt es eine tilgungsfreie Anlaufzeit von ein bis drei Jahren, in der nur Zinsen gezahlt werden, aber keine Tilgung erfolgt. Dadurch ist die monatliche Belastung zunächst geringer. Allerdings gilt: Je länger die tilgungsfreie Anlaufzeit, desto höher fällt später die monatliche Rate aus und desto größer ist die Restschuld am Ende der Zinsbindung.
Zum Vergleich: Der derzeitige Bestzins wird von Dr. Klein aktuell bei 3,47 Prozent ausgegeben (Stand: 27. März). Ein Vergleich kann sich also lohnen. In unserem Kredit-Ticker finden Sie die besten Angebote. Eine Baufinanzierung hängt von individuellen Faktoren ab. Mit unserem Baufinanzierungsrechner können Sie erste Angebote vergleichen:
Diese Voraussetzungen gibt es für das KfW-124-Wohneigentumsprogramm
Laut Schulze gibt es nur wenige konkrete Voraussetzungen für Antragstellende. „Eine davon ist allerdings, dass sich die gekaufte beziehungsweise zu bauende Immobilie in Deutschland befindet“, sagt Schulze. Ob es sich um ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung handelt, spielt keine Rolle – wichtig ist nur, dass das Wohnobjekt selbst genutzt und nicht vermietet wird. Zudem kann das KfW-Programm 124 nicht für Umschuldungen oder Nachfinanzierungen genutzt werden.
- Baufinanzierungsrechner: Beste Zinsen für Ihren Baukredit finden
- Baukredit finden: Schritt für Schritt zum Darlehen – ein Ratgeber
- Baukredit berechnen: Zinsen verstehen – wo Sie sparen können
- Baukredit: Zinsen im Vergleich – Experten geben klare Empfehlung
- Hauskredit: Sparen statt tilgen – so lohnt es sich richtig
- Jetzt ein Haus oder Wohnung kaufen? Wozu Experten raten
Welche Rolle spielt die Energieeffizienz bei der KfW-Förderung?
„Beim KfW-Förderprogramm 124 gibt es keine Anforderungen in Sachen Energieeffizienz mit Blick auf das zu finanzierende Wohnobjekt“, erklärt Schulze. Zumindest nicht von Seiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau. „Es kann jedoch sein, dass die jeweilige durchleitende Bank Anforderungen stellt – hier gilt es dann, individuell zu prüfen, was notwendig ist“, ergänzt er.

Sind KfW-Förderungen miteinander kombinierbar?
Dabei dienen KfW-Darlehen meist als Ergänzungsbausteine zur hauptsächlichen Baufinanzierung und müssen über eine Bank oder einen Finanzierungsvermittler beantragt werden. Zudem sind viele KfW-Programme miteinander kombinierbar. „Zum Beispiel kann das Wohneigentumsprogramm mit dem Programm zum klimafreundlichen Neubau (297/298) oder dem Wohneigentumsprogramm für Familien (300) verknüpft werden“, weiß Schulze. Um die optimale Kombination für das jeweilige Vorhaben zu finden, empfiehlt er eine individuelle Beratung.
- Baufinanzierung: Die vier wichtigsten Arten im Überblick
- Annuitätendarlehen: Experte erklärt größte Vor- und Nachteile
- Volltilgerdarlehen: Wichtige Vor- und Nachteile im Überblick
- Ist der Bausparvertrag sinnvoll? „Dann war das Geld schlecht angelegt“
- Sondertilgung sinnvoll? Drei wertvolle Tipps für die Baufinanzierung
Welche Nachteile hat das KfW-124-Wohneigentumsprogramm?
Staatliche Förderungen klingen zunächst verlockend, doch auch KfW-Kredite haben ihre Nachteile. Einer sei die eingeschränkte Zinsfestschreibung bei manchen KfW-Krediten. Kreditnehmende können beim 124 Wohneigentumsprogramm nur zwischen zwei Zinsbindungen wählen: fünf oder zehn Jahre. „Längere Zinsbindungen sind oft nicht möglich, was bei einer unerwarteten Zinssteigerung am Markt zur finanziellen Belastung führen kann“, so Schulze.
Was ist die Zinsbindung?
„Von einer Zinsbindung spricht man, wenn das Baufinanzierungsdarlehen zwischen Kreditgeber (Bank) und Kreditnehmer (Kunde) im Zinssatz mit einer bestimmten Zeit (Zinsbindungsfrist) für beide Seiten verbindlich vereinbart wird“, erklärt Zimmermann. „Gängige Zinsbindungen sind 5, 10, 15 oder auch 20 Jahre. Darüber hinaus gibt es sogenannte Volltilger-Darlehen mit festem Zins und Rate zur vollständigen Tilgung. Die Zinsbindung ist nicht zu verwechseln mit der angenommenen Gesamtlaufzeit eines Darlehens“.“
Nur bei einem Volltilger-Darlehen sei die Gesamtlaufzeit mit der Zinsbindung identisch. Üblicherweise seien Zinsbindungen mit einer längeren Laufzeit teurer, so der Experte. Sie bieten dafür Planungssicherheit und damit Verlässlichkeit.
Ist eine Sondertilgung im KfW-Wohneigentumsprogramm 124 möglich?
Ein weiteres Manko des KfW-Förderprogramms 124 ist zudem, dass während der Laufzeit keine Sondertilgungen vorgenommen werden können. „Eine Sondertilgung ist nur in einem Fall möglich: nämlich dann, wenn die komplette Restschuld getilgt wird – und das auch nur gegen eine Vorfälligkeitsentschädigung“, sagt Schulze.
Zur Erklärung: Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Gebühr, die Banken oder Kreditinstitute erheben, wenn ein Kredit vorzeitig zurückgezahlt wird. Sie dient als Ausgleich für die entgangenen Zinsen, die die Bank durch die vorzeitige Rückzahlung nicht mehr verdient.
„Ein weiterer Nachteil ist, dass die bereitstellungszinsfreie Zeit beim Wohneigentumsprogramm nur zwölf Monate beträgt. Danach verlangt die KfW Bereitstellungszinsen in Höhe von 0,15 Prozent der Restschuld pro Monat“, ergänzt Schulze. Der Bereitstellungszins ist ein Zinssatz, den die Bank oder Förderinstitution (wie die KfW) verlangt, wenn ein Darlehen bereits bewilligt wurde, aber noch nicht vollständig ausgezahlt oder abgerufen wurde.
Schulze rät generell zu einem genauen Vergleich der Konditionen: „Klassische Kredite können günstiger sein als KfW-Darlehen. In anderen Fällen machen Zuschüsse die Konditionen der KfW wieder attraktiver“, schließt er. Eine Orientierung kann auch unser Baufinanzierung-Vergleich geben.



