Schlafen Sie schlecht? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Laut einer Umfrage von Statista aus dem Jahr 2023 leidet fast die Hälfte aller Deutschen (43 Prozent) an Schlafproblemen. Viele können nicht einschlafen, andere nicht durchschlafen und manche leiden gar an Schlaflosigkeit. Warum ein Mensch eine Schlafstörung entwickelt, kann unterschiedliche Gründe haben, dazu zählen sowohl psychische als auch körperliche Ursachen.

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Ein häufiger Grund, warum vor allem Frauen schlecht schlafen, ist eine gestörte Hormonproduktion. Ernährungswissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Schilddrüsenexpertin Hannah Hauser erklärt hier, wie die Schilddrüse unseren Schlaf beeinflusst und auf welche Symptome man achten sollte.

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Frau Hauser, wie kann ein so kleines Organ wie die Schilddrüse unseren Schlaf beeinflussen?

Hannah Hauser: Die Schilddrüse mag klein sein, aber sie ist unsere Energiezentrale. Sie reguliert den gesamten Stoffwechsel des Menschen. Sie produziert Hormone, die sehr viele physiologischen Prozesse im Körper beeinflussen, einschließlich des Schlafs. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann den sogenannten Schlaf-Wach-Rhythmus stören und so zu verschiedenen Schlafstörungen führen. Melatonin zum Beispiel ist so ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Zyklus reguliert. Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann die Produktion von Melatonin aber stören, wir bekommen dann nicht mehr genug davon und können nur noch schlecht einschlafen. Auch wenn man nachts oft aufwacht, kann es an der Schilddrüse liegen.

Das müssen Sie jetzt genau erklären.

Hauser: Ein Ungleichgewicht in der Hormonproduktion der Schilddrüse beeinflusst den Wert des Blutzuckers. Es kann nachts zu Blutzuckerschwankungen kommen. Es ist nämlich so, dass unsere Leber Kohlenhydrate in Form von Glykogen speichert, dieser dient der Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels. Die Leber gibt kontinuierlich davon etwas ins Blut ab, damit es nicht zu einer Unterzuckerung kommt. Die Schilddrüse unterstützt die Leber dabei, Glykogen ins Blut abzugeben. Ist die Funktion der Schilddrüse jedoch gestört, kann die Leber nicht mehr genug Glykogen speichern. Und weil die Leber vor allem nachts sehr aktiv ist, kann es zu Blutzuckerschwankungen kommen. Das stört wiederum unseren Schlaf und wir wachen auf, oft auch mit Herzrasen.

Ernährungswissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Schilddrüsenexpertin Hannah Hauser. 
Ernährungswissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Schilddrüsenexpertin Hannah Hauser. © Hannah Hauser | Hannah Hauser

Klingt nach Teufelskreis, denn schlechter Schlaf kann wiederum die Schilddrüse negativ beeinflussen.

Hauser: Richtig. Schlechter Schlaf bedeutet Stress für unseren Körper und die Schilddrüse ist sehr stressempfindlich. Wenn wir schlecht schlafen, kommt es zu einem Anstieg von Stresshormonen wie etwa Cortisol. Hohe Cortisolspiegel können unsere Schilddrüse aber negativ beeinflussen, sie aus dem Gleichgewicht bringen. So entsteht schnell ein Teufelskreis aus Schlafstörungen und Schilddrüsenproblemen.

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Woran merkt man eine gestörte Funktion der Schilddrüse?

Hauser: Wenn die Schilddrüse aus dem Takt gerät, können ganz unterschiedliche Symptome auftreten, auch abhängig davon, ob es sich um eine Hypothyreose, also Unterfunktion, oder eine Hyperthyreose, also Überfunktion, handelt. Bei einer Unterfunktion werden zu wenig Schilddrüsenhormone produziert, bei einer Überfunktion dagegen zu viele.

Herzrasen, Schlafstörungen, hoher Blutdruck und hohe Pulsfrequenz, Rastlosigkeit oder Gewichtsverlust sind typisch für eine Überfunktion. Eine Unterfunktion der Schilddrüse ist meistens nicht so leicht zu erkennen und wird deshalb oft viel zu spät entdeckt. Zu typischen Symptomen zählen hier Probleme mit dem Stoffwechsel, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, kalte Hände und eben auch Schlafprobleme.

Eine gestörte Schilddrüsenfunktion lässt sich schnell im Blut nachweisen, deswegen lohnt es sich, seine Blutwerte kontrollieren zu lassen, wenn man merkt, dass man sich unwohl fühlt.

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Warum kann eine Schilddrüse überhaupt aus dem Takt geraten?

Hauser: Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Genetische Veranlagung spielt eine Rolle, aber auch erheblicher Stress kann die Schilddrüse aus dem Takt bringen. Schwangerschaft zählt zum Beispiel auch dazu.

Warum das?

Hauser: In der Schwangerschaft erfahren Frauen viele hormonelle Veränderungen. Denn der Körper befindet sich in einer Umstellung und muss auch noch ein Baby in seiner Entwicklung unterstützen. Auch die Schilddrüse passt sich der neuen Situation an. Schon zu Beginn der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, da das Baby mitversorgt wird. Die Schilddrüse leistet während der Schwangerschaft also enorm viel Arbeit und produziert viele Hormone. Nach der Geburt muss sich die Schilddrüse wieder umstellen. Die hormonelle Stresssituation kann anschließend zu einer Entzündung der Schilddrüse führen. Deswegen ist es wichtig, nach der Geburt seine Schilddrüse kontrollieren zu lassen.

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Wie behandelt man eine Fehlfunktion der Schilddrüse?

Hauser: Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten, die das körpereigene Hormon mit L-Thyroxin ersetzen. Die Ernährung spielt aber auch eine sehr wichtige Rolle bei der Behandlung von Symptomen. Mit der richtigen Ernährung und auch einer Stressreduktion kann man sehr viel bei der Schilddrüse erreichen.