Es war die letzte Sitzung des Geburtsvorbereitungskurses, als meine Hebamme den Satz sagte, der mir im Nachhinein am meisten in Erinnerung blieb. Die Hebamme blickte uns ernst an. Vor ihr saßen lauter Frauen mit kugelrunden Bäuchen, bereit dafür, in den kommenden Wochen ihr Baby in den Armen zu halten. „Das, was ich euch jetzt sage, wollt ihr sicherlich nicht hören“, begann die Hebamme und faltete ihre Hände wie zu einem Gebet zusammen. „Im ersten Babyjahr werdet ihr euch mit eurem Partner sehr viel streiten, wahrscheinlich so oft wie nie zuvor“, sagte sie und seufzte. Wir schauten sie perplex und etwas irritiert an. Ja, die Hebamme hatte recht: Das wollten wir ganz sicher nicht hören.
Fast ein Jahr später weiß ich, dass die Hebamme mit ihrer Vorhersage zum Streiten richtig lag. Denn das erste Jahr mit Baby ist nicht nur überwältigend schön, sondern auch unfassbar kräftezehrend. So kräftezehrend, dass viele Paare daran scheitern. Etwa die Hälfte aller Paare, die sich scheiden lassen, haben laut der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamts minderjährige Kinder. Laut „Spiegel“ trennen sich 40 Prozent der betroffenen Paare sogar binnen eines Jahres nach der Geburt des ersten Kindes. Die Zahl der Trennungen bei nicht-verheirateten Paaren wird statistisch nicht erfasst. Was bedeutete das für frischgebackene Eltern?
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