• Neben Salz trägt auch Zucker in hohen Mengen zu Bluthochdruck bei.
  • Denn Zucker kann Gefäße verkalken lassen und Übergewicht fördern.
  • Ein Bluthochdruck-Risiko geht laut Studien vor allem von bestimmten Getränken aus.

Experten empfehlen bei Bluthochdruck die sogenannte DASH-Diät. Im Fokus des „Diätetischen Ansatz zum Stopp von Hochdruck“ steht eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Fisch. Mindestens so wichtig wie der Konsum blutdrucksenkender Lebensmittel ist für Betroffene und Risikopatienten die Vermeidung blutdrucktreibender Stoffe. Dazu zählen neben ungesunden Fette und Salz auch Zucker.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zu den typischen Folgen eines übermäßigen Zuckerkonsums gehören Übergewicht, Karies oder Typ-2-Diabetes. Langfristig kann zu viel Zucker aber auch den Blutdruck belasten. Problematisch sind dabei aber nicht nur typische Zuckerbomben.

Wie viel Zucker am Tag ist erlaubt? Experten-Meinungen gehen auseinander

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, täglich maximal 25 Gramm freien Zucker zu konsumieren. Dazu zählen sowohl zugesetzter Zucker in Lebensmitteln als auch natürlicher Zucker in Honig, Sirup und Frucht- oder Gemüsesäften. Zucker aus Obst (Fructose) und Milchprodukten (Lactose) ist davon ausgenommen. Schon ein Glas Cola oder ein Schokoriegel deckt die von der WHO empfohlene Tagesmenge ab.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) setzt den Richtwert etwas höher an. Zucker sollte demnach weniger als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergie ausmachen. Bei einem Tagesbedarf von 2000 Kilokalorien wären das höchstens 50 Gramm.

Nahaufnahme einer Frau, die eine Limonade trinkt
Neben offensichtlichen Zuckerbomben gibt es auch Lebensmittel, deren Zuckergehalt wir unterschätzen.© iStock | ArtMarie

Zucker und Blutdruck: Schädlich sind vor allem Fertigprodukte

Neben Süßigkeiten, Schokolade, Keksen und Kuchen enthalten auch einige Obstsorten überraschend viel Zucker: In 100 Gramm Kirschen stecken rund 13 Gramm Zucker, in einer Banane 17 Gramm und in einer Mango sogar 25 Gramm. Zu viel Fructose kann nicht nur das Gewicht negativ beeinflussen, sondern auch dem Darm schaden. Sie schadet dem Darmmikrobiom, fördert Entzündungen und beeinträchtigt die Darmschleimhaut.

Für den Blutdruck stellt vor allem zugesetzter und versteckter Zucker ein Risiko dar. Häufig sind es Lebensmittel, die ungesünder sind als man denkt und die man daher weniger meidet als klassische Süßspeisen wie Schokopudding oder Sahnetorte. Zu den versteckten Zuckerfallen gehören beispielsweise:

  • Smoothies
  • Fertigmüsli und Müsliriegel
  • Fruchtjoghurt
  • Fertigsoßen
  • Softdrinks
Frau gibt einen Teelöffel Zucker in ihre Tasse Kaffee
Im Übermaß kann Zucker den Gefäßen schaden und dadurch auf Dauer den Bluthochdruck erhöhen.© iStock | PeopleImages

Studien zeigen: Konsum von Softdrinks kann den Blutdruck erhöhen

Untersuchungen zeigen, dass besonders Softdrinks den Blutdruck schädigen können. Forscher der Universität Louisiana und New Orleans fanden 2010 heraus, dass sich der Blutdruck senken lässt, wenn weniger zuckerhaltige Getränke konsumiert werden. Interessanterweise war dies unabhängig vom Gewicht: Die Probanden wiesen einen niedrigeren Blutdruck auf, sobald sie auf Softdrinks verzichteten. Darum vermuteten die Forscher, dass Zucker den Blutdruck direkt beeinflusst.

Diese Annahme stützt eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019. Daten von mehr als 900.000 Probanden zeigten, dass gezuckerte Getränke den Blutdruck um zehn Prozent erhöhen können. Viele andere Lebensmittel, darunter Früchte und kleine Mengen reiner Fruchtsäfte, wirkten sich dagegen nicht negativ auf den Blutdruck aus. Ähnliches ergab eine Übersichtsarbeit von 2015: Der regelmäßige Konsum von Softdrinks steigerte das Risiko für Bluthochdruck um etwa 12 Prozent.

Übrigens: Auch Diät-Softdrinks mit Süßstoffen können das Herz-Kreislauf-System belasten. Einer Langzeitstudie aus Shanghai zufolge erhöhen Diät-Drinks in höheren Mengen das Risiko für Vorhofflimmern. Diese Herzrhythmusstörung gehört zu den häufigsten Ursachen für Schlaganfälle.

  • Lesen Sie auch: Herzinfarkt: Auf diese Warnzeichen sollte jeder achten

Übergewicht durch zu viel Zucker fördert Bluthochdruck-Risiko

Nehmen wir Zucker auf, setzt der Körper Insulin frei. Dieses Hormon transportiert Glucose aus dem Blut in die Zellen. Bei regelmäßigem Zuckerkonsum in hohen Mengen wandelt Insulin die überschüssige Glucose in Fett um. Wer zu viel Zucker isst, riskiert demnach Übergewicht, was ein wichtiger Risikofaktor für Bluthochdruck ist. Denn das Herz muss stärker pumpen, um die größere Körpermasse zu versorgen. Zudem erhöht überschüssiges Fettgewebe den Widerstand in den Gefäßen und belastet das Herz zusätzlich.

Dauerhaft zu viel Zucker im Blut fördert zudem eine Insulinresistenz, wie sie bei Typ-2-Diabetes vorkommt. Die Zellen reagieren dann nicht mehr auf das Insulin, sodass vermehrt Zucker im Blut verbleibt. Dadurch steigt das Risiko für Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), was den Blutdruck zusätzlich erhöht. Zu den langfristigen Folgen von Bluthochdruck gehören Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenschäden.

Lakritze sind für Bluthochdruck-Patienten besonders schädlich

Zuckerhaltige Lebensmittel schaden dem Herz-Kreislauf-System, wenn sie im Übermaß konsumiert werden. Eine Reduzierung des Zuckerkonsums ist daher wichtig, um die Gefäße gesund und den Blutdruck stabil zu halten. Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Bluthochdruck aber bei Lakritze sein. Der darin enthaltene Süßholzwirkstoff Glycyrrhizin kann den Blutdruck erhöhen und sogar lebensgefährlich werden.

Lakritze stört dabei den Mineral- und Wasserhaushalt des Körpers: Führt eine Lakritzvergiftung zu Kaliummangel, schlägt das Herz schneller und unregelmäßiger. Das kann Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auslösen und in schweren Fällen sogar tödlich enden. 2020 starb ein 54-jähriger US-Amerikaner im Bundesstaat Massachusetts an einem Herzstillstand, nachdem er über Wochen täglich mindestens eine Tüte Lakritze konsumiert hatte.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, die tägliche Aufnahme von Glyzyrrhizin auf maximal 100 Milligramm zu begrenzen. Diese Menge steckt in 50 Gramm Starklakritze, also Lakritze, die pro 100 Gramm mehr als 0,2 Gramm Glyzyrrhizin enthält.

Gesunde Lebensweise kann Blutdruck langfristig senken

Experten raten Blutdruckpatienten, neben Blutdrucksenkern auch natürliche Maßnahmen zur Blutdrucksenkung zu nutzen. Dazu zählen regelmäßige Bewegung, Gewichts- und Stressabbau sowie eine Ernährungsumstellung. Laut dem Ernährungsmediziner Matthias Riedl sollten Bluthochdruck-Patienten vor allem auf Gemüse setzen. Das darin enthaltene Kalium unterstützt die Blutdruckregulation.

Quellen

Empfehlung zur maximalen Zuckerzufuhr in Deutschland, in: dge.de (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)

Mit der DASH-Diät den Bluthochdruck senken, in: hochdruckliga.de

Lakritze, in: bfr.bund.de (Bundesinstitut für Risikobewertung)

Chen, L. [u.a.]: Reducing consumption of sugar-sweetened beverages is associated with reduced blood pressure: a prospective study among United States adults, in: Circulation. Jun. 2010, Vol. 121 (22): 2398-406.

Lui, Qi [u.a.]: Important Food Sources of Fructose‐Containing Sugars and Incident Hypertension: A Systematic Review and Dose‐Response Meta‐Analysis of Prospective Cohort Studies, in: Journal of the American Heart Association, Dez. 2019, Vol. 8 (24).

Edelman, E. R. [u.a.]: Case 30-2020: A 54-Year-Old Man with Sudden Cardiac Arrest, in: New England Journal, Sep. 2020, Vol. 383 (13): 1263-1275.