Wer chronischen Bluthochdruck hat, muss Medikamente einnehmen – und das in der Regel ein Leben lang. Ansonsten steigt auf Dauer das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Viele Betroffene brauchen im Laufe der Jahre nicht nur einen, sondern gleich mehrere Blutdrucksenker, um ihre Werte stabil zu halten. Die Medikamente haben eine starke Wirkung und greifen ins Herz-Kreislauf-System ein. Geht das völlig spurlos am Körper vorbei?

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Nebenwirkungen treten bei Blutdrucksenkern selten auf, erklärt der Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité Philipp Stawowy. Doch Betablocker sind immer wieder in der Diskussion. Sie führen häufiger als andere Blutdrucksenker zum Therapieabbruch. Studien weisen darauf hin, dass sie Depressionen begünstigen können. Zudem können für Frauen bei Blutdrucksenkern Besonderheiten gelten. Unser Experte klärt auf.

Wie wirken Blutdrucksenker im Körper?
Blutdrucksenker enthalten Wirkstoffe, die im Körper an unterschiedlichen Stellen der Blutdruckregulierung eingreifen. Die folgenden Wirkstoffgruppen kommen in den Medikamenten am häufigsten zum Einsatz:
- ACE-Hemmer hemmen die Bildung von Angiotensin II. Der Botenstoff sorgt dafür, dass sich die Blutdruckgefäße verengen und der Blutdruck ansteigt. Weniger Angiotensin II im Körper kann daher zu einer Blutdrucksenkung beitragen.
- Sartane hemmen den AT1-Rezeptor, die Andockstelle des gefäßverengenden Hormons Angiotensin II. Darum werden Sartane auch AT1-Antagonisten genannt.
- Betablocker senken den Blutdruck und die Herzfrequenz, indem sie die Rezeptoren für Stresshormone blockieren.
- Kalziumantagonisten verhindern, dass zu viel Kalzium in die Muskelzellen der Blutgefäße einströmt. Dadurch erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt.
- Diuretika bewirken, dass die Nieren mehr Salz und Wasser ausscheiden. Das verringert das Flüssigkeitsvolumen im Körper und senkt den Blutdruck.
Welches blutdrucksenkende Medikament im individuellen Fall die beste und sicherste Wahl ist, hängt von vielen Faktoren ab, etwa vom Alter, von Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder einer bestehenden Schwangerschaft.
Wann sind Blutdruck-Medikamente notwendig?
Wenn beim Arztbesuch an zwei verschiedenen Zeitpunkten der Blutdruck die Grenze von 140/90 mmHg übersteigt, sind Blutdrucksenker empfohlen. Für Frauen gelten jedoch andere Normwerte. Und auch für das Blutdruckmessen zu Hause ist die Grenze niedriger angesetzt. Dann sind bereits Werte ab 135/85 mmHg behandlungsbedürftig. Allerdings ist die Heimmessung anfällig für falsche Ergebnisse, wenn etwa das Blutdruckmessgerät nicht präzise arbeitet. Welche Blutdruckmessgeräte sich im Test behaupten konnten, lesen Sie hier.
Neue Blutdrucksenker bleiben häufig ohne Nebenwirkungen
Grundsätzlich kann jedes Medikament Nebenwirkungen hervorrufen. Bei Blutdrucksenkern gilt das aber vor allem für Medikamente älterer Generationen. Diese könnten tatsächlich „zu seltenen Nebenwirkungen wie Depression, verstärktem Haarwuchs im Gesicht oder Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel führen“, wie der Kardiologe Philipp Stawowy erklärt. Allerdings kommen diese sogenannten Reservemedikamente heutzutage kaum noch zum Einsatz – etwa bei einer Therapieresistenz, wenn also kein Mittel den Blutdruck nachhaltig senken kann.
Ganz anders sieht das Nebenwirkungsprofil bei den neuen Medikamenten aus: „Moderne Blutdrucksenker sind in aller Regel sehr gut verträglich“, so der Experte. Das liege nicht nur an den Medikamenten selbst, sondern auch an modernen Behandlungsmethoden. Dazu gehöre, niedrig dosierte Blutdrucksenker zu kombinieren. „So muss man einzelne Medikamente in der Regel nicht bis zur Maximaldosis hochdosieren und geht den Bluthochdruck von mehreren Seiten an. Die Kombinationstherapie hilft damit den Blutdruck besser zu senken und Nebenwirkungen zu vermeiden“, erklärt Stawowy.
Zudem würden Ärzte die Dosis in der Regel schrittweise erhöhen, was ebenfalls Nebenwirkungen vorbeugen könne „Bei einer zu raschen Blutdrucksenkung kann Schwindel auftreten“, sagt der Experte. Ziel sei es daher, den Blutdruck über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen abzusenken. Übrigens: Der Blutdruck lässt sich auch auf natürliche Weise senken.

Unser Experte
Prof. Dr. Philipp Stawowy ist stellvertretender Klinikdirektor an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC). Er ist Hypertensiologe und Mitglied der klinischen Kommission der Deutschen Hochdruckliga sowie Leiter des Hypertoniezentrums am DHZC.
Betablocker und Depressionen: Studien weisen auf Zusammenhang hin
Auch wenn Blutdrucksenker der neuen Generation gut verträglich sind, können Nebenwirkungen auftreten: So haben Diuretika eine harntreibende Wirkung und von ACE-Hemmern ist bekannt, dass sie trockenen Reizhusten auslösen können. Bei Betablockern ist die Liste an möglichen Nebenwirkungen länger. Die aktuelle europäische Leitlinie empfiehlt sie nicht mehr als Blutdrucksenker der ersten Wahl. Das liegt Stawowy zufolge nicht nur daran, dass Betablocker im Vergleich zu anderen Blutdrucksenkern Schlaganfälle weniger effektiv verhindern könnten.
Auch würden Patienten eine Behandlung mit Betablockern aufgrund von Beschwerden häufiger abbrechen, weiß Stawowy: „Typische Nebenwirkungen die zum Therapieabbruch bei Betablockern führen sind Erschöpfung und Müdigkeit“. Die negativen Effekte können mitunter noch schwerwiegender sein: „Es wird auch das Auftreten von Depressionen genannt“, so der Mediziner.
- Auch interessant: Maskierte Hypertonie: „Betroffene wähnen sich in falscher Sicherheit“
Schwedische Forscher kamen in einer Studie von 2024 zu dem Schluss, dass Betablocker besonders bei Patienten nach erlittenem Herzinfarkt, aber mit intakter Herzfunktion das Depressionsrisiko erhöhen können. Eine groß angelegte Studie mit Daten von mehr als 100.000 Patienten ergab zudem, dass Betablocker und Kalziumantagonisten im Vergleich zu ACE-Hemmern das Risiko verdoppelten, aufgrund einer Depression eingewiesen zu werden.
Gleichzeitig gebe es jedoch auch Studien, die kein erhöhtes Depressionsrisiko durch Betablocker nachweisen können, schränkt Stawowy ein. „Nach wie vor haben Betablocker ihre Berechtigung in der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen und als Zusatzmedikamente in der Bluthochdruckbehandlung“, betont der Experte. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten vertrage die Medikamente gut.
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Wirkung von Blutrucksenkern kann bei Frauen anders ausfallen
Wie Blutdrucksenker im Einzelfall wirken, kann zwischen Männern und Frauen zudem unterschiedlich sein. Das Problem: Frauen sind in Studien zur Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten unterrepräsentiert: „Bestätigt wird dies durch eine kürzlich publizierte Analyse aus Daten von mehr als 2000 Hypertonie-Studien, die einen maximalen Anteil an Studienteilnehmerinnen von 38 Prozent fand“, berichtet Stawowy.
Die aktuelle Linie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie unterscheide bei der Wahl und Dosierung von Blutdrucksenkern mit Ausnahme von Schwangeren nicht zwischen Frauen und Männern – dabei würden sehr wohl Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, die bei der Therapie berücksichtigt werden müssten: „Nach der Menopause ist die Salzempfindlichkeit der Niere bei Frauen im Vergleich zu Männern erhöht, was bei der Wahl der Medikamente eine Rolle spielen kann“, so der Mediziner. Auch bei den Nebenwirkungen zeigen sich dem Experten zufolge Unterschiede: „Unter ACE-Hemmern kann Husten bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern“, erklärt er.
Wenn sich Nebenwirkungen zeigen, sollten Betroffene die Medikamente aber nicht einfach absetzen oder die Dosierung eigenmächtig ändern – denn das kann zu einer starken Blutdruckerhöhung führen. Treten Beschwerden auf, sollten Betroffene ihren behandelnden Arzt oder ihre Ärztin zurate ziehen. Denn dem Experte zufolge gibt es dann immer die Option, auf einen anderen, besser verträglichen Blutdrucksenker umzusteigen.
Quellen
Welche Blutdrucksenker-Kombination ist kritisch?, in: herzstiftung.de
Leissner, P. [u.a.]: Short- and long-term effects of beta-blockers on symptoms of anxiety and depression in patients with myocardial infarction and preserved left ventricular function: a pre-specified quality of life sub-study from the REDUCE-AMI trial, in: European Heart Journal. Acute Cardiovascular, Care, Nov. 2024.
Rivera, F. B. [u.a.]: Participation of Women in Cardiovascular Trials From 2017 to 2023, in: JAMA Network Open, Aug. 2025.
ONTARGET investigators: Telmisartan, ramipril, or both in patients at high risk for vascular events, in: New England Journal of Medicine, 2008, Vol. 358:1547-1559.






