- Mit dem Alter steigt das Risiko für Bluthochdruck. Aber auch junge Menschen können betroffen sein.
- Da hoher Blutdruck in der Anfangszeit keine Symptome verursacht, können über die Jahre krankhafte Gefäßveränderungen entstehen.
- Zu den möglichen Folgen von Bluthochdruck gehören nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch vielfältige Organschäden.
Unbehandelter Bluthochdruck (Hypertonie) kann nicht nur gefährlich sein, sondern auch tödlich enden. Das verdeutlicht der globale Hypertension-Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2023: Weltweit geht einer von fünf Todesfällen auf zu hohen Blutdruck zurück. Jedoch sterben Betroffene nicht an Bluthochdruck, sondern an dessen Folgen: Über die Jahre können Organschäden und lebensgefährliche Erkrankungen auftreten. Der Experte Prof. Dr. Bernhard Krämer vom Universitätsklinikum Mannheim erklärt, wie sich unbehandelter Blutdruck auf den Körper auswirkt.

Bluthochdruck resultiert häufig aus ungünstigen Lebensstilfaktoren
Noch immer wird Bluthochdruck unterschätzt – besonders von jüngeren Menschen. Zwar steigt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Bluthochdruck entwickeln. Wenn jedoch relevante Risikofaktoren vorliegen, können auch jüngere Menschen daran erkranken. Ausschlaggebend ist zum einen die familiäre Veranlagung und zum anderen der Lebensstil.
Als Risikofaktoren für Bluthochdruck gelten laut der Deutschen Hochdruckliga (DHL):
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung
- Hoher Salzkonsum
- Hoher Alkoholkonsum
- Rauchen
- Chronischer Stress
Zudem können bestimmte Erkrankungen den Blutdruck erhöhen, so etwa Nierenerkrankungen oder Schlafapnoe, bei der es nachts wiederholt zu Atemaussetzern kommt. Und auch hormonelle Ursachen kommen infrage, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt.
Langzeitfolge: Zu hoher Blutdruck erhöht Sterberisiko
Der Bluthochdruck-Report der WHO zeigt auf, wie groß die gesundheitlichen Gefahren sind, die von unbehandeltem Bluthochdruck ausgehen. Ein kurzer Blick auf die Zahlen und Fakten des Reports:
- Obwohl ein Blutdruck von 115 mmHg noch im definierten Normalbereich liegt, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits ab diesem Wert allmählich an.
- Bluthochdruck ist für mehr Todesfälle verantwortlich als jeder andere gesundheitliche Risikofaktor.
- 19 Prozent der weltweiten Todesfälle (10.8 Millionen) hätten verhindert werden können, wenn alle Erwachsenen im Jahr 2019 einen systolischen Blutdruck von unter 115 mmHg gehabt hätten.
- In Deutschland leidet jeder Dritte zwischen 30 und 79 Jahren unter Bluthochdruck.
Wichtig: Blutdruckwerte von über 115 mmHg bedeuten nicht, dass ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Krämer erklärt: „Auch zu niedrige Blutdruckziele können sich als nachteilig erweisen, weshalb die Europäische Gesellschaft für Hypertonie (ESH) hier differenziert und einen Blutdruckzielwert von unter 140/90 mmHg für die allermeisten Patienten empfiehlt.“
Gefäßablagerungen durch Bluthochdruck fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bluthochdruck belastet den Körper immens: Mit jedem Herzschlag füllen sich unsere Gefäße mit Blut. Wenn das Blut jedoch dauerhaft mit zu starkem Druck durch den Körper fließt, kommt es zu krankhaften Veränderungen, so Krämer: „Die Gefäßwände verdicken sich. Dies kann zum einen Minderdurchblutungen bewirken und zum anderen Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) verursachen. In der Folge können Gefäßverschlüsse auftreten, die zum Schlaganfall und Herzinfarkt führen können.“

Unser Experte
Prof. Dr. Bernhard Krämer ist Direktor der Medizinischen Klinik V. (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Rheumatologie, Pneumologie) und Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin/Nephrologie am Universitätsklinikum Mannheim. Er war Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga DHL.
Gefäßverkalkungen bilden sich, wenn sich Blutfette an den Gefäßwänden ansammeln. Diese Ablagerungen werden auch als Plaques bezeichnet. Wenn Plaques einreißen, können sie bis ins Gehirn wandern, wo sie schließlich ein Blutgefäß verstopfen können – so entsteht ein ischämischer Schlaganfall. Dauerhafter Bluthochdruck ist auch für sogenannte hämorrhagische Schlaganfälle verantwortlich: Der hohe Druck führt dazu, dass Gefäßwände einreißen und in der Folge eine Hirnblutung auftritt.

Hoher Blutdruck: Demenz und Augenschäden als Folge
Herzinfarkt und Schlaganfall sind die häufigsten Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks – aber nicht die einzigen. Die möglichen Folgeschäden gehen weit darüber hinaus. So kann sich auf Dauer eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln, „weil das Herz bei jedem Herzschlag deutlich mehr leisten muss“, so Krämer. „Es bestehen teilweise Blutdruckwerte wie bei maximaler körperlicher Belastung, allerdings ist das dann ein Dauerzustand und keine Ausnahmesituation.“ Mit der Zeit verdickt sich der Herzmuskel, was dazu führt, dass sich das Herz nicht mehr gut mit Blut füllen kann.
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Unbehandelter Bluthochdruck kann sich über die Jahre auch an anderen Stellen des Körpers bemerkbar machen. So könnten „Nierenschäden (hypertensive Nephropathie), koronare Herzkrankheit, die sogenannte Schaufensterkrankheit (pAVK) und Schädigungen der kleinen Blutgefäße im Auge auftreten“, so der Experte. Durch die verminderte Durchblutung und Entzündungsprozesse drohe bei Bluthochdruck sogar Demenz.
Die möglichen Folgen von Bluthochdruck erklärt:
- Koronare Herzkrankheit: Die Herzkranzgefäße sind dauerhaft verengt, sodass das Herz nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Die Durchblutungsstörung äußert sich unter anderem durch ein Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris).
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Gefäßverengungen durch Bluthochdruck können auch in den Arterien im Becken und in den Beinen auftreten. Die Durchblutungsstörungen verursachen Muskelschmerzen, die Betroffene dazu zwingen, nach wenigen Metern Gehstrecke stehenzubleiben. Daher wird die Erkrankung umgangssprachlich auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet.
- Nierenfunktionsstörungen: Sind die Gefäße in den Nieren geschädigt, funktioniert das Filtersystem nicht mehr richtig – Stoffwechselprodukte werden nicht mehr vollständig abgebaut und der Körper speichert mehr Wasser ein.
- Retinopathie: Auch die Netzhaut der Augen kann durch Gefäßveränderungen geschädigt werden. In der Folge nimmt das Sehvermögen ab.
- Vaskuläre Demenz: Bei dieser Form von Demenz werden Gedächtniseinbußen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, die wiederum durch verkalkte Gefäßwände hervorgerufen werden.
Regelmäßige Blutdruck-Kontrollen ermöglichen rechtzeitige Diagnose
Je früher Bluthochdruck erkannt und behandelt wird, desto besser liegen die Chancen, dass Folgeschäden und -erkrankungen gar nicht erst auftreten. Doch für viele Betroffene kommt die Diagnose nicht rechtzeitig, erklärt der Kardiologe Philipp Stawowy vom Deutschen Herzzentrum der Charité: „Leider wird der Bluthochdruck oft erst diagnostiziert, wenn es zu spät ist und Komplikationen oder sogar ein Notfall vorliegt, wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.“ Nach Zahlen der WHO wissen hierzulande nur etwa zwei Drittel der Betroffenen, dass sie Bluthochdruck haben. Hier erfahren Sie, welche Blutdruckmessgeräte zu besten gehören. Für die Kontrolle des Blutdrucks könnte auch eine Smartwatch mit Blutdruckmessfunktion behilflich sein.

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Die späten Diagnosen dürften nicht zuletzt daran liegen, dass sich ein zu hoher Blutdruck zu Beginn häufig nicht bemerkbar macht: „Zunächst macht die arterielle Hypertonie – von Notfällen abgesehen – keine oder nur geringe und wenig spezifische Symptome, die nicht speziell an einen Bluthochdruck denken lassen. Zu diesen Symptomen können gehören: Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nasenbluten oder Luftnot bei Belastung.“
Die einzige Möglichkeit, erhöhte Werte frühzeitig zu erkennen, ist regelmäßiges Messen: „Es ist wichtig Bluthochdruck frühzeitig durch ein Screening zu detektieren. Dies kann zum Beispiel beim Hausarzt, Betriebsarzt, oder auch in der Apotheke geschehen. Oder man misst den Blutdruck selbst“, rät Stawowy. Ein Blutdruckmessgerät für zu Hause wird vor allem älteren Menschen empfohlen. Zu jung kann man dafür aber nicht sein – wer seine Blutdruckwerte früh genug kennt und regelmäßig kontrolliert, kann sich vor den Folgen schützen.
Quellen
Global report on hypertension: the race against a silent killer, in: who.int
Bluthochdruck bei Erwachsenen, in: hochdruckliga.de








