Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am 6. Juni die Leitzinsen wie erwartet gesenkt. Der EZB-Zinsentscheid ist mit minus 0,25 Prozentpunkten aber moderat ausgefallen. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik erwarten Beobachter erst bei den kommenden EZB-Sitzungen im Juli und September. Sparerinnen und Sparer mit einem Tagesgeldkonto haben Glück gehabt, dass die Zinssenkung nicht deutlicher ausfiel.

EZB hat Leitzinsen gesenkt: Ein Tagesgeld kann sich trotzdem lohnen

Aufgrund der gesunkenen Inflation in Deutschland kann mit einem Tagesgeld aber immer noch ein realer Gewinn erzielt werden – Stichwort Realzins. „Zu viele Menschen haben nach wie vor zu viel Geld auf dem unverzinsten Girokonto“, erklärte Katharina Lüth von Weltsparen gegenüber unserer Redaktion. Der Vorteil vom Tagesgeld ist, dass Verbraucher nicht ihre Hausbank zu wechseln brauchen. Ein Tagesgeldkonto kann separat eröffnet und das Geld per Überweisung ein- und ausgezahlt werden.

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Vor einer Kontoeröffnung lohnt sich für ein Tagesgeld immer ein Vergleich der Zinsen. „Auch zum Ende der historischen Hochzins-Phase gibt es noch immer Dutzende Banken und Sparkassen, die ihren Tagesgeldanlegern überhaupt keine Zinsen zahlen“, warnt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. Die Vergleichsexperten hatten nach der EZB-Verkündung die Zinsen von über 800 Banken und Sparkassen ausgewertet, deren Zinssätze öffentlich einsehbar sind.

Verivox-Daten eindeutig: Zahlt Ihre Bank auch keine Tagesgeldzinsen?

Das Ergebnis erstaunt: Nach wie vor zahlen etliche Banken ihren Kundinnen und Kunden keine Zinsen für das Tagesgeld. Und das, obwohl der Einlagensatz der EZB mit 3,75 Prozent immer noch hoch ist. Diesen Zinssatz bekommen die Kreditinstitute, sobald sie Geld bei der Zentralbank einlagern. Diese Zinsen können die Banken an ihre Kunden weitergeben – oder sich in die eigene Tasche stecken. Zählt Ihre Bank zu den Zweitgenannten? Eine Übersicht:

Der Blick in die Tabelle zeigt: Es sind vor allem die Sparkasse und die Genossenschaftsbanken, die weiter gar keine Zinsen für das Tagesgeld zahlen. Die Regionalbanken dominieren das Nullzinsen-Ranking:

  • 32 regionale Genossenschaftsbanken bieten ihren Kunden auf dem Tagesgeldkonto keine Verzinsung. Bei insgesamt 369 ausgewerteten Banken entspricht das einem Anteil von neun Prozent.
  • 22 Sparkassen tauchen in der Nullzins-Liste auf, bei insgesamt 317 ausgewerteten Sparkassen entspricht einem Anteil von sieben Prozent.
  • Nur eine von insgesamt 88 bundesweit aktiven Bank zahlt ihren Tagesgeldanlegern keine Zinsen.

Quelle: Verivox

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Tagesgeld von Sparkasse, ING und Co. – wo gibt es die meisten Zinsen?

Anleger bei einer regionalen Sparkasse oder Genossenschaftsbank können daher aktuell besonders von einem Tagesgeldkonto bei einer bundesweit aktiven Direktbank profitieren. Hier ist das Geld dank der EU-weiten einheitlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro je Kunde und Bank ebenso sicher wie bei der Hausbank. Die besten Konditionen am Markt bietet aktuell das Guthabenkonto (Cashkonto) von Trade Republic oder das Cashplus von Unitplus.

Beide Finanzdienstleister geben den EZB-Einlagenzins vollständig an ihre Kunden weiter – allerdings über Partnerbanken. Wer das nicht möchte, findet am Markt auch ganz traditionelle Tagesgeldangebote. Dazu zählen das Tagesgeld (Extra-Konto) der ING* oder das Tagesgeldkonto der Santander Bank*. Wer seine Sparkasse nicht wechseln möchte, findet auch innerhalb der Sparkassen-Gruppe ebenfalls zwei interessante Anlageoptionen:

BankZinsen für NeukundenZinsen für Bestandskunden
Trade Republic-4 %
Unitplus-3,98 %
ING Extra-Konto3,30 % (sechs Monate, bis 250.000 Euro)1,25 %
Santander3,50 % (sechs Monate)0,30 %
1822direkt3,30 % (sechs Monate, bis 250.000 Euro)0,60 %
S Broker2,30 % (sechs Monate)1,25 %

Tagesgeld im Ausland: Mehr Zinsen – Experten geben wichtigen Hinweis

Im Ausland finden sich teils noch bessere Konditionen. Das Tagesgeld der Suresse Direkt Bank* wird mit 3,80 Prozent für Neu- und mit 2,80 Prozent Zinsen für Bestandskunden verzinst. Auch die spanische Openbank oder die Banca Sistema aus Italien* haben für das Fest- und Tagesgeld vergleichbare Angebote. Der Haken ist die Kreditwürdigkeit der Staaten. Spanien und Italien sind im EU-Vergleich die Länder mit der schlechtesten Ratingbewertung.

Viele Finanzexperten und auch die Finanztester von Finanztest raten von Ländern ab, die kein Top-Rating (AAA oder Aaa) besitzen. Als sicher gelten neben Deutschland und Frankreich auch skandinavische Länder wie Schweden oder Dänemark. Ein Beispiel ist das Festgeld plus von Klarna* mit der Tagesgeldoption im Klarna-Bankkonto. Eine Besonderheit sind Tagesgeldkonten in Fremdwährung wie dem US-Dollar.

Was sind Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten, wie sicher es ist, Geld an Länder, Städte, Firmen oder für Finanzprojekte zu verleihen. Sie vergeben dafür Noten, die „Ratings“ genannt werden, damit Investoren besser entscheiden können, wo sie ihr Geld anlegen. Große Ratingagenturen sind Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch Ratings. Diese Agenturen haben einen großen Einfluss, weil sie beeinflussen, wie viel Zinsen jemand zahlen muss, wenn er sich Geld leiht.

Ein gutes Rating kann Vertrauen in die Wirtschaft eines Landes und seine Banken schaffen. Wenn Ratingagenturen einem Land oder seinen Banken ein gutes Rating geben, kann das bedeuten, dass das Risiko einer Bankpleite geringer ist. Das kann das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit ihrer Einlagen stärken.

Unsere Lesetipps zum Tagesgeld:

Alternative zum Tagesgeld kann nach EZB-Zinsentscheid lukrativer sein

In Deutschland bieten aber bloß wenige Banken ein Tagesgeldkonto in Fremdwährung an. Dazu zählen die pbb direkt, die Deutsche Industriebank (IKB) mit dem USD Tagesgeld oder der Broker Freedom24 mit der Verzinsung in US-Dollar*. In den USA ist der Leitzins mit über fünf Prozent höher als im Euroraum. Entsprechend besser werden auch Fest- und Tagesgeldanlagen verzinst. Ein Risiko ist immer das Thema Wechselkurs. Zudem kann es länger dauern, wenn das Geld ausgezahlt werden soll.

Wir empfehlen für ein Tagesgeld aktuell eine Direktbank oder einen Broker mit Sitz in Deutschland. Auch hier sind Zinsen von über drei Prozent möglich und die Einlagen sind sicher. Zudem sind Ein- und Auszahlungen einfacher und schneller, da das Geld nicht ins Ausland überwiesen werden muss. Interessant kann aktuell auch ein Festgeld sein. Für ein bis zwei Jahre können sich Sparer stabile Zinsen sichern – auch, wenn die EZB die Leitzinsen weiter senken sollte.

+++ Viele News finden Sie in unserem aktuellen Tagesgeld- und Festgeld-Blog +++

Tagesgeld als Notgroschen: Wertpapiere für Einsteiger – was gibt es?

Grundsätzlich ist ein Tagesgeld immer für die finanzielle Notreserve von drei bis vier Nettomonatsgehältern sinnvoll. Für Ersparnisse darüber bietet der Wertpapiermarkt mehr Renditechancen. Wertpapiere mit einem geringen Verlustrisiko sind Staatsanleihen oder Geldmarkt-ETFs (auch Geldmarktfonds genannt) mit einer kurzen Laufzeit. Aktien versprechen mehr Rendite – sind jedoch auch mit einem höheren Risiko verbunden.

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