435 Sitze hat das amerikanische Repräsentantenhaus. Bei den Midterms am 3. November werden sie alle neu vergeben. Aber nur in einem kleinen Teil der Wahlkreise ist der Ausgang wirklich offen. Nach der jüngsten Bewertung des überparteilichen Cook Political Report gelten 21 Rennen als „Toss-up“ – als so knapp, dass die Wahlforscher keiner Partei einen klaren Vorsprung einräumen.

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In diesen Distrikten, die sich über 15 Bundesstaaten verteilen, entscheidet sich ein wichtiger Teil der künftigen Machtverhältnisse in Washington. Derzeit werden 16 der 21 Sitze von Republikanern gehalten, fünf von Demokraten. Das schafft eine ungleiche Ausgangslage: Die Republikaner müssen in deutlich mehr dieser Wahlkreise eigene Mandate verteidigen.

Spannende Midterms: Wo die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen werden kann

Die Rechnung ist einfach. Im neuen Repräsentantenhaus braucht eine Partei mindestens 218 Sitze zur Mehrheit. Nach der Cook-Einstufung vom 16. Oktober verfügen die Demokraten über 214 Wahlkreise, die als sicher, wahrscheinlich oder leicht demokratisch gelten. Die Republikaner kommen in diesen drei Kategorien auf 200. Die übrigen 21 Sitze sind offen. 

Um die Mehrheit zu erreichen, müssten die Demokraten zusätzlich mindestens vier der 21 umkämpften Distrikte gewinnen. Die Republikaner bräuchten mindestens 18.

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Diese Zahlen sind keine bereits errungenen Mandate. Sie zeigen die Verteilung der Wahlkreise nach den Kategorien der Wahlforscher. Auch ein Sitz mit leichtem Vorteil für eine Partei kann am Wahltag anders ausgehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Besonders interessant ist Arizona. Im sechsten Wahlkreis muss der republikanische Abgeordnete Juan Ciscomani um sein Mandat kämpfen. Der Distrikt im Süden des Bundesstaates umfasst Gebiete um Tucson und an der Grenze zu Mexiko. Ein Sieg der Demokraten würde einen weiteren republikanischen Sitz in einem politischen Grenzgebiet kosten.

Republikaner treten in Kalifornien und Colorado auf schwierigem Terrain an

In Kalifornien verteidigt der Republikaner David Valadao den 22. Distrikt, eine landwirtschaftlich geprägte Gegend im Central Valley mit vielen hispanischen Einwohnern. Valadao gehört zu den Republikanern, die sich gegenüber Trump wiederholt eigenständig positioniert haben. Ob ihm das hilft, hängt auch von lokalen Themen wie Wasser, Arbeitsplätzen und Lebenshaltungskosten ab.

Colorado steuert den achten Distrikt bei. Dort kämpft der Republikaner Gabe Evans um einen Sitz in den nördlichen Vororten von Denver. Es ist ein vergleichsweise junger Wahlkreis, dessen Zusammensetzung und politische Stimmung beiden Parteien Chancen eröffnen.

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In Florida stehen gleich zwei Rennen auf der Liste. Im 14. Distrikt verteidigt die Demokratin Kathy Castor ihr Mandat unter veränderten Wahlkreisgrenzen. Im 22. Distrikt ist der bisherige Sitz offen. Hier treten keine bisherigen Mandatsinhaber gegeneinander an, was den Ausgang schwerer berechenbar macht.

Umkämpfte Wahlkreise entscheiden über Sitzverteilung im Repräsentantenhaus

Iowa hat einen offenen Wahlkreis im zweiten Distrikt. In Michigan sind es sogar drei umkämpfte Mandate: Der Republikaner Bill Huizenga verteidigt den vierten, Tom Barrett den siebten Distrikt; der zehnte ist offen. Michigan ist damit einer der Bundesstaaten, in denen schon wenige Wahlergebnisse größere Auswirkungen auf die Sitzverteilung haben können.

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Auch Montana steht auf der Liste. Im ersten Distrikt wird ein frei gewordenes republikanisches Mandat neu vergeben. In North Carolina ist die Situation besonders aufschlussreich: Im ersten Distrikt verteidigt der Demokrat Don Davis seinen Sitz, während der elfte Distrikt, bisher republikanisch, offen ist. Beide Rennen finden vor dem Hintergrund veränderter Wahlkreisgrenzen statt.

Im Bundesstaat New York richtet sich viel Aufmerksamkeit auf den Republikaner Mike Lawler. Sein 17. Distrikt nördlich von New York City gehört seit Jahren zu den besonders umkämpften Wahlkreisen. Lawler muss gleichzeitig republikanische Stammwähler und politisch gemäßigtere Vorstadtbewohner ansprechen.

Ohio liefert zwei weitere Entscheidungen. Im siebten Distrikt verteidigt der Republikaner Max Miller sein Mandat. Im neunten steht die langjährige demokratische Abgeordnete Marcy Kaptur zur Wahl. Die inzwischen 80-Jährige vertritt seit 1983 Gebiete im Nordwesten Ohios und muss sich in einem für Demokraten schwieriger gewordenen politischen Umfeld behaupten.

Knappe Mehrheiten: Republikaner und Demokraten kämpfen um Schlüssel-Distrikte

In Pennsylvania kämpft der republikanische Abgeordnete Rob Bresnahan im achten Distrikt um seine Wiederwahl. Er hatte 2024 einen zuvor demokratischen Sitz erobert. Ein Wechsel zurück zu den Demokraten wäre deshalb einer jener Mandatsgewinne, die unmittelbar in die Mehrheitsrechnung eingehen.

Texas ist mit zwei umkämpften Wahlkreisen vertreten. Im 15. Distrikt verteidigt die Republikanerin Monica De La Cruz ihren Sitz in Südtexas. Im 34. Distrikt muss der Demokrat Vicente Gonzalez antreten. Beide Rennen berühren eine für die Parteien wichtige Entwicklung: Die politische Orientierung hispanischer Wähler ist längst nicht mehr selbstverständlich. Besonders im Süden von Texas haben Republikaner in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt.

In Virginia stehen ebenfalls zwei republikanische Mandate zur Debatte. Im ersten Distrikt tritt Rob Wittman an, im zweiten Jen Kiggans. Vor allem der zweite Bezirk mit seinem militärisch geprägten Umfeld um Virginia Beach wird intensiv umworben. In Wisconsin schließlich muss der Republikaner Derrick Van Orden seinen dritten Distrikt behaupten, der weite ländliche Gebiete und kleinere Städte im Westen des Bundesstaates umfasst.

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Sollten die Demokraten sämtliche 21 Toss-up-Distrikte gewinnen und alle übrigen Sitze entsprechend der Cook-Einstufung vergeben werden, kämen sie auf 235 Mandate. Gewännen die Republikaner sämtliche 21, erhielten sie 221. Schon diese theoretischen Eckwerte zeigen, wie wichtig die umkämpften Wahlkreise sind.

Die Mehrheitsentscheidung hängt allerdings nicht ausschließlich an diesen 21 Rennen. Weitere 25 Distrikte bewertet Cook lediglich mit einem leichten Vorteil für eine Partei. Auch dort sind Überraschungen möglich. Veränderungen der Wahlkreisgrenzen in mehreren Bundesstaaten erschweren historische Vergleiche zusätzlich.

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Das Cook Political Report hat seine Bewertungen in den vergangenen Wochen mehrfach zugunsten der Demokraten geändert. Allein am 9. Oktober wurden 18 Wahlkreise neu eingestuft, durchweg in demokratische Richtung. Dahinter stehen unter anderem die nationale politische Stimmung und die Schwierigkeiten republikanischer Kandidaten, sich von der Bewertung Donald Trumps abzukoppeln.

Für die Sitzverteilung bedeutet das: Jeder verlorene republikanische Wahlkreis zählt genauso wie ein demokratischer Gewinn. Am Ende entscheidet nicht der landesweite Stimmenanteil, sondern die Summe von 435 einzelnen Ergebnissen. Die 21 Toss-up-Distrikte sind deshalb die am stärksten umkämpfte Gruppe – und eine besonders wichtige Grundlage, um die Wahlnacht vom 3. November zu verstehen.