Donald Trump hat bereits vor der US-Zwischenwahl immer wieder angedeutet, dass er eine Niederlage nicht anerkennen wird. Bei einem knappen Ausgang könnte er versuchen, diesen anzugreifen. Dabei tun die Republikaner bereits im Vorfeld viel dafür, um den Ausgang der Wahl zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Ein beliebtes Mittel: der Neu-Zuschnitt von Wahlkreisen.

Vor den US-Midterms: Warum werden die Wahlkreise in den USA neu zugeschnitten?

Es ist zunächst nichts Ungewöhnliches, dass Wahlkreise neu zugeschnitten werden. Das passiert in Deutschland genauso wie in den USA. Schließlich ist die Bevölkerung im ständigen Wandel. Menschen ziehen um, manchmal innerhalb eines Bundesstaats, manchmal in einen anderen. Orte schrumpfen, weil dort viele Menschen sterben, andernorts gibt es einen Geburtenboom.

Alle zehn Jahre erfasst das U.S. Census Bureau, wo die Amerikaner leben und wie viele sie sind. Auf dieser Grundlage werden dann Wahlkreise festgelegt. Denn in diesen müssen in etwa gleich viele Wählerinnen und Wähler leben. Die Gesamtzahl der Wahlkreise und die Zahl der Sitze im Kongress ändern sich dabei nicht. 435 Abgeordnete ziehen ins Repräsentantenhaus. Ebenso stabil: Pro Bundesstaat werden zwei Senatoren in den Senat gewählt – allerdings spielen die Wahlkreiszuschnitte für die Senatswahl keine direkte Rolle.

Wahlen in den USA: Wer entscheidet, wie die Wahlkreise zugeschnitten werden?

Wie die Wahlkreise neu zugeschnitten werden und wer über ihre Verteilung entscheidet, ist in der US-Verfassung kaum geregelt. In Artikel 1 der Verfassung heißt es lediglich, dass die Bundesstaaten Zeit, Ort und Prozess der Wahlen für Senatoren und Abgeordnete bestimmen. Der Gesetzgeber kann diese Regeln aber ändern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Diese eher vage Vorgabe hat dazu geführt, dass die Bundesstaaten sehr unterschiedlich beim Zuschneiden der Wahlkreise vorgehen. Manche ändern die Wahlkreise nur nach Veröffentlichung des neuen Zensus, andere deutlich häufiger. Und während in einigen Staaten dafür eigens eine Kommission eingesetzt wird, legt in anderen der Gesetzgeber die Wahlkreise fest. Dabei kam es historisch immer wieder zu Streit – auch vor Gericht. Insbesondere wenn der Verdacht des sogenannten „Gerrymandering“ im Raum stand.

Was ist Gerrymandering?

Unter Gerrymandering versteht man allgemein das Zuschneiden eines Wahlbezirks zugunsten einer Partei. Ein Beispiel: In einer Großstadt leben hauptsächlich Anhänger der Demokraten und in den ländlichen Gegenden die der Republikaner. Gerrymandering wäre es, kleine Stücke der Stadt herauszuschneiden und mit möglichst großen ländlichen Flächen in einen Wahlkreis zu packen. Bis zu dem Punkt, an dem die ländlichen Republikaner, den demokratischen Stadtbewohnern im Wahlkreis überlegen sind.

Auch bestimmte Regionen, in denen vor allem ethnische Minderheiten leben, lassen sich so aufteilen. Historisch ist das immer wieder passiert, etwa um den Einfluss der Stimmen von Schwarzen Wählerinnen und Wählern zu verringern. Eine andere Taktik besteht darin, möglichst viele Anhänger in einen Wahlkreis zu packen – auch wenn diese sehr verstreut über einen Bundesstaat leben. So ergeben sich etwa Wahlkreise, die sich regelrecht durch Staaten hindurchschlängeln.

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Wie beeinflusst Gerrymandering die US-Zwischenwahlen 2026?

Vor den US-Zwischenwahlen wurden in vielen Staaten die Wahlkreise neu zugeschnitten – oft zugunsten der Republikaner. Das „Center for Politics“ (CFP) an der Universität Virginia hat alle Wahlkreise ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Die Zuschnitte für 2026 sind für die Republikaner günstiger, als sie es bei der Wahl 2024 waren.

Vergleicht man die diesjährige Karte allerdings mit den Wahlzuschnitten aus 2018 – der Zwischenwahl während Trumps erster Präsidentschaft – ergibt sich keine Verbesserung für die Republikaner. 2018 gewannen die Demokraten netto 40 Sitze hinzu und erlangten erstmals nach acht Jahren wieder eine Mehrheit im Repräsentantenhaus. Zur Wahrheit gehört auch: Trotz des Siegs der Demokraten war auch diese Wahlkarte eher zugunsten der Republikaner gestaltet. Die Demografen des CFP gehen deshalb davon aus, dass die Demokraten trotz des Gerrymanderings die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern könnten.