Wenn Donald Trump an diesem Montag, acht Tage vor den Kongresswahlen, nach Mississippi reist, ist das kein Routinebesuch. Eher ein Alarmsignal. Im tiefkonservativen Süden, wo die Republikaner sonst haushoch gewinnen, muss der Präsident plötzlich um einen Senatssitz kämpfen, der als sicher galt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
In Corinth soll Trump Senatorin Cindy Hyde-Smith vor einer Blamage bewahren. Die 67-jährige Maga-Anhängerin trifft auf den schwarzen Demokraten und Bezirksstaatsanwalt Scott Colom, ausgerechnet jenen Mann, dessen Berufung zum Bundesrichter sie 2023 blockierte. Eine Umfrage unter 511 wahrscheinlichen Wählern sieht Hyde-Smith nur noch mit 52 zu 48 Prozent vorn. Die vier Punkte liegen innerhalb der Fehlermarge. Das ist keine Siegesprognose für Colom, aber für Mississippi eine kleine Sensation.
Trump in Mississippi: Die Warnlampen häufen sich
Seit 1982 hat kein Demokrat dort eine Senatswahl gewonnen; Trump lag 2024 fast 23 Punkte vorn. Der überparteiliche Cook Political Report stufte das Rennen gerade von „sicher republikanisch“ auf „wahrscheinlich republikanisch“ herab. Die Demokraten investieren jetzt 1,2 Millionen Dollar in Fernsehwerbung. Barack Obama wirbt per Video für Colom. Kamala Harris mobilisierte am Donnerstag in Columbus seine Anhänger. Für Hyde-Smith ist es ein Duell mit der eigenen Vergangenheit.
Doch Mississippi ist nur ein Teil einer roten Landkarte, auf der sich die Warnlampen häufen. In South Carolina liegt die Republikanerin Darline Graham, Schwester des verstorbenen Senators Lindsey Graham, laut jüngster Erhebung nur drei Punkte vor der demokratischen Kinderärztin Annie Andrews. Cook wertet das Rennen inzwischen als bloß noch leicht republikanisch.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Kansas und Iowa gefährden Republikaner-Bastionen
In Kansas, das seit mehr als neun Jahrzehnten keinen Demokraten in den Senat gewählt hat, liefern sich Amtsinhaber Roger Marshall und der demokratische Pastor Adam Hamilton ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Oktober-Umfrage sieht Marshall mit 48 zu 47 Prozent vorn. Auch Iowa wackelt: Der Demokrat Josh Turek lag bei Marist zuletzt mit 48 zu 45 Prozentpunkten vor der Republikanerin Ashley Hinson.

Lesen Sie auch
News aus den USA
Die Gemeinsamkeit dieser Rennen: Hohe Preise, Zölle und Trumps Krieg gegen Iran belasten die Republikaner selbst in ihren klassischen Hochburgen. Im Senat verteidigen sie eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Die Demokraten müssen netto vier Mandate gewinnen. Mississippi bleibt eine Außenseiterchance; anderswo könnte der Machtwechsel tatsächlich entschieden werden. Dass Trump jetzt in den vermeintlich sicheren Süden eilen muss, zeigt, wie brüchig die republikanische Festung geworden ist.











