Am 3. November 2026 wählen die Amerikaner einen neuen Kongress. Für Präsident Donald Trump ist es die erste große landesweite Bewährungsprobe seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus 2025. Zwar steht sein Name nicht auf dem Stimmzettel. Doch die Abstimmung entscheidet maßgeblich darüber, wie viel politischen Handlungsspielraum ihm bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit im Januar 2029 bleibt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die sogenannten Midterms finden stets in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten statt, sie werden deshalb auch Zwischenwahlen genannt. Gewählt werden alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und etwa ein Drittel des Senats. 2026 stehen insgesamt 35 der 100 Senatssitze zur Wahl. Hinzu kommen 36 Gouverneurswahlen, zahlreiche Entscheidungen über die Parlamente der Bundesstaaten sowie regionale und kommunale Ämter.

Die entscheidende Frage auf Bundesebene lautet: Können die Republikaner ihre Kontrolle über beide Kongresskammern verteidigen, oder gewinnen die Demokraten eine oder sogar beide Mehrheiten zurück?

Repräsentantenhaus nach den Zwischenwahlen: Schon wenige Sitze können entscheiden

Warum das Repräsentantenhaus so wichtig ist? Es ist die größere der beiden Kongresskammern. Seine Mitglieder werden für jeweils zwei Jahre gewählt. Jeder Abgeordnete vertritt einen Wahlkreis, dessen Zuschnitt sich an der Bevölkerungszahl orientiert. Kalifornien verfügt deshalb über erheblich mehr Mandate als kleinere Bundesstaaten wie Wyoming oder Vermont.

Für eine Mehrheit werden bei voller Besetzung 218 der 435 Sitze benötigt. Die Partei mit der Mehrheit bestimmt den Speaker, die Vorsitzenden der Ausschüsse und weitgehend die parlamentarische Tagesordnung. Sie entscheidet damit unter anderem darüber, welche Gesetzesvorhaben zur Abstimmung gelangen und welche Untersuchungen eingeleitet werden.

Die Republikaner verfügen vor der Wahl nur über einen knappen einstelligen Vorsprung. Den Demokraten würde deshalb bereits ein vergleichsweise kleiner Nettozuwachs reichen, um die Führung zu übernehmen.

US-Zwischenwahlen 2026: Wie viel Macht bleibt Donald Trump?
US-Zwischenwahlen 2026: Wie viel Macht bleibt Donald Trump?© AFP | SAUL LOEB

Ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus könnte Vorhaben der Regierung blockieren, Haushaltsverhandlungen beeinflussen und Untersuchungen gegen die Exekutive beginnen. Es könnte Minister und Regierungsbeamte zu Anhörungen laden und die Herausgabe von Dokumenten verlangen. Allerdings könnte auch eine demokratische Mehrheit nicht nach Belieben regieren. Der Präsident besitzt ein Vetorecht. Außerdem müssen Bundesgesetze grundsätzlich beide Kongresskammern passieren.

Wahl des US-Senats: Warum die zweite Kammer so wichtig ist

Im Senat sind sämtliche 50 Bundesstaaten gleichberechtigt vertreten, unabhängig von ihrer Bevölkerungszahl. Jeder Staat entsendet zwei Senatoren. Ihre Amtszeit beträgt sechs Jahre. Um Kontinuität zu gewährleisten, wird alle zwei Jahre ungefähr ein Drittel der Sitze neu besetzt. 2026 betrifft das 33 regulär auslaufende Mandate sowie zwei Sonderwahlen in Florida und Ohio. Insgesamt werden somit 35 Sitze vergeben.

Der Senat hat besondere verfassungsrechtliche Befugnisse. Er entscheidet über die Bestätigung von Ministern, Botschaftern, hohen Regierungsbeamten und Bundesrichtern, einschließlich der Mitglieder des Supreme Court. Zudem muss er internationalen Verträgen, soweit sie verfassungsrechtlich zustimmungspflichtige Verträge sind, mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen.

Für die Demokraten ist die Rückeroberung des Senats schwieriger als die des Repräsentantenhauses. Sie benötigen einen Nettozuwachs von vier Sitzen, um auch bei einer entscheidenden Stimme des republikanischen Vizepräsidenten JD Vance eine eigenständige Mehrheit zu erreichen.

Wirtschaft, Migration und Außenpolitik im Midterm-Wahlkampf

Die wichtigsten politischen Streitfragen in der Schlussphase des Wahlkampfs: An erster Stelle steht für viele Wähler die wirtschaftliche Lage. Die hohen Preise für Lebensmittel, Wohnen, Energie und die Gesundheitsversorgung sind zentrale Wahlkampfthemen. Für einen Teil der Belastungen verantwortlich machen die oppositionellen Demokraten Trumps Wirtschafts-, Zoll- und Außenpolitik. Die Republikaner verweisen dagegen auf ihre Maßnahmen zur Förderung von Investitionen, Energieproduktion und Wirtschaftswachstum.

Weitere Streitpunkte sind Einwanderung und Abschiebungen, die Kosten der Krankenversicherung, das Abtreibungsrecht, die Unabhängigkeit staatlicher Institutionen sowie die Rolle der USA in internationalen Konflikten, etwa in der Ukraine oder im Iran.

Eine Besonderheit der Midterms: Viele Wähler entscheiden nicht ausschließlich nach der Person ihres jeweiligen Kongressabgeordneten. Sie nutzen die Wahl auch dazu, Zustimmung oder Unzufriedenheit mit dem Präsidenten auszudrücken. Historisch verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen häufig Mandate. Das geschah unter republikanischen ebenso wie unter demokratischen Präsidenten. Eine feste Regel ist es nicht.

Umfragen zu den Kongresswahlen: Demokraten liegen national vorn

Was die Umfragen erkennen lassen: Gut zwei Wochen vor dem Wahltag führen die Demokraten in nationalen Befragungen zur sogenannten generischen Kongresswahl deutlich. Bei dieser Frage nennen Befragte ihre bevorzugte Partei, ohne dass konkrete Kandidaten genannt werden. Das ist ein wichtiger Stimmungstest, aber keine direkte Vorhersage der Sitzverteilung. Über die Mandate entscheiden 435 einzelne Wahlkreise mit unterschiedlichen Kandidaten, regionalen Besonderheiten und Wahlbeteiligungen.

Der überparteiliche Cook Political Report stuft gegenwärtig 21 House-Rennen und sieben Senatsrennen als völlig offen ein. In vielen anderen Wahlkreisen gilt der Ausgang nach den bisherigen politischen Kräfteverhältnissen als deutlich weniger umstritten.

Was ein Machtwechsel nach den Midterms bedeuten würde

Gewinnen die Demokraten das Repräsentantenhaus, können sie Trumps Gesetzgebung erheblich erschweren und die parlamentarische Kontrolle seiner Regierung intensivieren. Erobern sie zusätzlich den Senat, erhalten sie auch Einfluss auf zahlreiche Personalentscheidungen des Präsidenten.

Behalten die Republikaner beide Kammern, könnte Trump seine innenpolitischen Vorhaben mit den bisherigen parlamentarischen Mehrheiten weiterverfolgen. Allerdings wäre auch dann die Zusammenarbeit nicht automatisch konfliktfrei: In einer Partei mit knappen Mehrheiten können bereits wenige Abweichler entscheidend sein. Ein geteilter Kongress wäre ebenfalls möglich. Dann könnten die beiden Kammern unterschiedliche politische Prioritäten setzen und sich gegenseitig blockieren.

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Der neue Kongress beginnt seine Amtszeit regulär am 3. Januar 2027. Der Präsident bleibt unabhängig vom Wahlausgang bis Januar 2029 im Amt. Die Midterms entscheiden also nicht unmittelbar darüber, wer die USA regiert. Sie bestimmen aber, wer Gesetze ermöglichen oder verhindern kann, wer die Regierung kontrolliert und wie groß Trumps politischer Spielraum in den letzten beiden Jahren seiner Präsidentschaft sein wird.