In Brasilien hat die richtungsweisende Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Rund 159 Millionen Wahlberechtigte entscheiden darüber, ob der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva weitere vier Jahre regiert oder der rechte Senator Flávio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, erstmals Staatschef wird.

Bis 17.00 Uhr (Ortszeit) werden die Wahllokale geöffnet sein, erste vorläufige Ergebnisse werden in der deutschen Nacht auf Montag erwartet.

Das Rennen zwischen den beiden Politikern gilt als äußerst knapp. In Umfragen vor der Wahl lag Flávio Bolsonaro zuletzt leicht vorn – bei der ersten Wahlrunde hatte der 45-jährige Senator rund 47 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula kam auf 45 Prozent.

Bolsonaro will „echte Veränderung“

Der 80-jährige Lula von der linken Arbeiterpartei PT bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Er setzt auf Sozialprogramme, staatliche Investitionen und die Fortsetzung seines Regierungskurses. Flávio Bolsonaro von der rechten Liberalen Partei (PL) wirbt mit konservativen Positionen und einem härteren Vorgehen gegen Kriminalität. „Ich glaube, es ist an der Zeit für eine echte Veränderung“, sagte Flávio Bolsonaro nach seiner Stimmabgabe in Rio de Janeiro.

Zu seinen weiteren zentralen Versprechen gehört auch eine Amnestie für seinen Vater. Jair Bolsonaro war wegen eines Umsturzversuchs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden. Aus gesundheitlichen Gründen steht der frühere Präsident derzeit unter Hausarrest.

Lula, der kommende Woche 81 Jahre alt wird, steht für umfangreiche Sozialprogramme, Klimaschutz durch besseren Schutz des Amazonas-Regenwalds und Multilateralismus. Während seiner dritten Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit im Land deutlich, außerdem bekam er die Inflation in den Griff. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Lula profilierte sich außerdem damit, dass er den mit Strafzöllen untermauerten Drohungen von US-Präsident Donald Trump trotzte. Den Bolsonaros wirft Lula wegen ihrer Nähe zu Trump vor, sich „unterwürfig“ gegenüber den USA zu verhalten.

Wahl in Brasilien: Beteiligung lag auf Rekordtief

Der Wahlkampf war von gegenseitigen scharfen Angriffen geprägt. Beide Lager warfen sich unter anderem Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Die Auseinandersetzung spiegelt die tiefe politische Spaltung des größten Landes Lateinamerikas wider. Auch die Rolle des Obersten Gerichts und die Beziehungen zu den USA waren Themen im Wahlkampf.

Um mehr Wähler zu erreichen, hatte Lulas Wahlkampfteam nach seiner Niederlage in der ersten Wahlrunde seine Kampagne neu ausgerichtet und verstärkt auf Präsenz in den Online-Netzwerken gesetzt. Lula schaffte sich sogar sein erstes Handy an.

Auch wenn bei der Wahl viel auf dem Spiel steht, könnte die Wahlbeteiligung in einigen Regionen des riesigen Landes durch Regenfälle beeinträchtigt werden. Bei der ersten Wahlrunde war bei der Wahlbeteiligung ein Rekordtief verzeichnet worden.

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pcl/dpa/AFP