48 Stimmen haben gereicht, um bundesdeutsche Parlamentsgeschichte zu schreiben: Am 6. Oktober wählte der Landtag von Sachsen-Anhalt Tobias Rausch zu seinem Präsidenten. Der 35-Jährige ist damit der erste AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Dass ausgerechnet Rausch dieses Amt übernimmt, kommt nicht von ungefähr. Er zählt nicht zu den Lautsprechern seiner Partei, sucht selten die große Bühne und pflegt einen vergleichsweise nüchternen Ton. Seine Stärke liegt hinter den Kulissen: Rausch organisiert, knüpft Verbindungen und kennt die parlamentarischen Abläufe seit Jahren. In der AfD gilt er als Mann für den Maschinenraum.
Wer ist Tobias Rausch – und wie wurde aus dem Immobilienunternehmer aus Staßfurt einer der einflussreichsten AfD-Politiker Sachsen-Anhalts? Die wichtigsten Infos zu seiner Herkunft, seiner Familie und den Vorwürfen der Vetternwirtschaft.
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Tobias Rausch: Die wichtigsten Infos zum AfD-Politiker im Steckbrief
| Name | Tobias Rausch |
|---|---|
| Geburtsdatum | 28. November 1990 |
| Amt | Präsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, Landtagsabgeordneter |
| Partei | AfD |
| Parteimitglied seit | Mai 2013 |
| Ausbildung/Beruf | Industriemechaniker, Immobilienkaufmann; selbstständiger Immobilienunternehmer und Geschäftsführer |
| Familienstand | verheiratet mit Lisa Lehmann seit Oktober 2025 |
| Wohnort | Staßfurt |
Tobias Rausch: Herkunft, Freundin, Wohnort – das Wichtigste zu seinem Privatleben
Geboren wurde Tobias Rausch 1990 im fränkischen Mellrichstadt, aufgewachsen ist er in Sachsen-Anhalt. Seine Schulzeit verbrachte er in Förderstedt im Salzlandkreis. Nach der Schule ließ er sich zunächst zum Industriemechaniker, später zum Immobilienkaufmann ausbilden. Seit 2014 ist Rausch selbstständig in der Immobilienbranche tätig und führt nach Angaben des Landtags zwei Unternehmen.
Seiner Heimatregion ist Rausch bis heute eng verbunden. Seit 2014 sitzt er im Stadtrat von Staßfurt, im Kreistag des Salzlandkreises führt er die AfD-Fraktion. Auch im örtlichen Fußball ist er aktiv: Rausch steht dem SV 09 Staßfurt und dem VfB Glöthe vor und läuft bei Letzterem selbst als Verteidiger auf. Politik, Beruf und Vereinsleben liegen bei ihm damit eng beieinander.
Auch familiär ist die AfD seit Jahren präsent. Sein Vater Daniel Rausch zog 2016 für die Partei in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein und war dort zeitweise Vizepräsident. Seit Oktober 2025 ist Tobias Rausch mit Lisa Lehmann verheiratet, die ebenfalls für die AfD arbeitet. Nach Recherchen von „Table.Media“ begleitete sie ihn 2022 auf eine Reise des Europaausschusses nach Armenien und Ende 2025 auf eine AfD-Delegationsreise in die USA; weil das Paar erst wenige Wochen zuvor geheiratet hatte und länger blieb als die übrige Delegation, sei parteiintern spöttisch von „Flitterwochen in den USA“ die Rede gewesen.

Tobias Rausch in der AfD: Die wichtigsten Stationen seiner Karriere
Rauschs politische Karriere begann früh. 2013 trat er der damals gerade gegründeten AfD bei, ein Jahr später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Kreisverbandes im Salzlandkreis. Ebenfalls 2014 kandidierte er für das Europäische Parlament, verpasste jedoch den Einzug. Bei der Kommunalwahl im selben Jahr gewann er einen Sitz im Stadtrat von Staßfurt. Zwei Jahre später zog er in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein und wurde stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion.
In den folgenden Jahren stieg Rausch weiter auf. Seit 2019 führt er die AfD-Fraktion im Kreistag des Salzlandkreises, 2021 wurde er Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion; inzwischen ist er zudem Generalsekretär des Landesverbandes. In der Fraktion organisierte er Abläufe, bereitete Abstimmungen vor und verhandelte mit den anderen Parteien über das parlamentarische Tagesgeschäft. Diese Arbeit brachte ihm den Ruf eines versierten Organisators ein: Hans-Thomas Tillschneider nennt ihn den „Meister der Maschinenräume“, Fraktionschef Oliver Kirchner hält ihn für die „Idealbesetzung“ an der Spitze des Landtags.
Landtagswahl Sachsen-Anhalt
Seinen bislang größten Wahlerfolg erzielte Rausch im September 2026. Im Wahlkreis Schönebeck erhielt er 48,2 Prozent der Erststimmen und gewann erstmals das Direktmandat; fünf Jahre zuvor waren es noch 25,2 Prozent gewesen. Mit seiner Wahl zum Landtagspräsidenten verändert sich seine Rolle grundlegend: Bislang organisierte er die Interessen seiner Partei, nun muss er die Sitzungen des gesamten Parlaments leiten, dessen Regeln durchsetzen und die Rechte aller Abgeordneten wahren.
Tobias Rausch: Für welche Themen setzt sich der Politiker ein?
Bevor Rausch an die Spitze des Landtags rückte, beschäftigte er sich vor allem mit Europa- und Medienpolitik. Seine Positionen folgen dabei weitgehend der Linie seiner Partei, an einzelnen Stellen setzt er jedoch eigene Akzente.
- Ukraine-Krieg: Den russischen Angriff bezeichnete Rausch im Landtag ausdrücklich als „völkerrechtswidrig“. Zugleich kritisierte er die Sanktionen gegen Russland und warnte vor wirtschaftlichen Folgen für Deutschland.
- EU-Beitritt der Ukraine: Eine Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union lehnt Rausch ab. 2023 argumentierte er im Landtag, das Land erfülle die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür nicht.
- Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Auch in der Medienpolitik fordert Rausch einen Kurswechsel. Er sprach sich für weitreichende Reformen und gegen den verpflichtenden Rundfunkbeitrag aus.
Im Auftreten wirkt Rausch meist weniger schrill als manche prominenten Parteifreunde. Der „Tagesspiegel“ beschreibt seine Wortmeldungen als überwiegend bedacht, Rausch selbst bezeichnet sich als pragmatisch und weist die Rolle des Hardliners zurück. Auch als Landtagspräsident will er dieses Bild pflegen: Er werde das Amt nicht als Vertreter einer Fraktion, sondern als Präsident des gesamten Parlaments führen; der politische Streit solle „hart in der Sache“, aber mit persönlichem Respekt ausgetragen werden.
Ob ihm das gelingt, ist umstritten. Grünen-Fraktionschefin Susan Sziborra-Seidlitz verwies gegenüber der Zeitung auf frühere Auseinandersetzungen im Plenum und warf ihm mangelnden Respekt gegenüber Kollegen vor. Auch der Grünen-Abgeordnete Olaf Meister äußerte im MDR Zweifel daran, ob Rausch „in der Lage sein wird, die Bedeutung des Amtes zu verstehen“.
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Die Zweifel an Rausch entzünden sich nicht nur an seiner politischen Rolle. Anfang 2026 geriet er wegen Beschäftigungsverhältnissen im Umfeld der AfD unter Druck. Drei seiner Geschwister arbeiteten zeitweise für die AfD-Bundestagsabgeordnete Claudia Weiss. Rausch bestritt, an deren Einstellung beteiligt gewesen zu sein. Selbst AfD-Bundeschef Tino Chrupalla sprach von einem „Geschmäckle“, hielt die Verträge aber für rechtlich nicht zu beanstanden.
Kritik gab es auch an Beschäftigten in Rauschs eigenem Abgeordnetenbüro. Nach Recherchen von „report München“ arbeiteten dort zeitweise mehrere Spieler des SV 09 Staßfurt. Rausch bestätigte die Anstellungen und erklärte, die Mitarbeiter hätten unter anderem Fraktionszeitungen verteilt und Aufgaben im Wahlkreisbüro übernommen. Einen unzulässigen Interessenkonflikt sieht er darin nicht.
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Die Debatten haben Rauschs Aufstieg bislang nicht gebremst. Seit Oktober steht er als erster AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments – und bekleidet damit ein Amt, das weit über die eigene Partei hinausreicht. Für die AfD in Sachsen-Anhalt ist damit allerdings noch nicht das Ende ihres politischen Aufstiegs erreicht. Im Dezember will sich Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen lassen.













