Die CDU hat gerade viele Sorgen. Das sind die Niederlagen bei den Landtagswahlen in zwei Ost-Ländern. Die erste Landtagssitzung in Magdeburg, bei der extrem Rechte von der AfD in wichtige Posten kommen. Und desaströse Umfragewerte. Eine Mehrheit findet, die Kanzlerschaft von Friedrich Merz sei gescheitert, hat eine aktuelle Umfrage des „Spiegel“ ergeben. 67 Prozent halten Merz für gescheitert, in Ostdeutschland sind es sogar 80 Prozent.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Zur Lage gehört auch diese Sorge: Die Partei ist alt geworden. Es gibt ein Nachwuchsproblem, besonders groß ist es im Osten des Landes. Wenn man sich in diesen Tagen zwischen Ostsee und Erzgebirge umhört, in den Jugendverbänden der Partei, bekommt man düstere Sätze zu hören. „Es kann sein, dass unsere Partei stirbt“, sagt Philipp Geib, Vize-Chef der Jungen Union in Mecklenburg-Vorpommern. „Das Risiko sehe ich.“
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Im Norden hat die CDU bei der Landtagswahl eine Katastrophe erlebt. 4,9 Prozent, die Konservativen sind aus dem Landtag geflogen. Auch für die Bundesspitze ein Schock, Kanzler Friedrich Merz sprach von einem „Desaster“ und einer „tiefen Zäsur“. Erklärungen kursieren viele: Es lag am Personal, am CDU-Wahlkampf, an Merz selbst, an den Krisen im Land.
Es gibt auch diesen miserablen Wert: Nur zwei Prozent der unter 25-Jährigen haben sich laut einer Wahlerhebung in Mecklenburg-Vorpommern für die CDU entschieden. Am beliebtesten waren AfD (36 Prozent), SPD (22 Prozent) und Linke (21 Prozent). Ist die CDU bei den Jungen nahezu abgemeldet? Passiert schon das, was viele in der AfD sich wünschen: Die Zerstörung der CDU?
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Rechte und Linke erreichen junge Wählergruppen leichter
Die CDU hat im Osten eine andere Geschichte als im Westen des Landes, die Verankerung von Parteien ist schwächer ausgeprägt. Doch daran allein liegt es nicht, andere ziehen im Osten gerade junge Wähler an. Die extrem Rechten von der AfD haben die „Generation Deutschland“, ein Netz aus radikalen Jugendverbänden, aufgebaut, die Partei ist präsent auf vielen Veranstaltungen und Social-Media-Kanälen. Auch linkere Parteien haben in der letzten Zeit wieder leichter junge Wählergruppen erreicht.
Woran liegt es also bei der CDU? Was man bei den Jugendverbänden erzählt bekommt, führt zu Problemen der ganzen Partei – und zur Jugend. „Wir haben ein strukturelles Problem, junge Leute an die Partei zu binden und ihre Stimmen präsent zu vermitteln“, sagt Philipp Geib. Der JU-Verband im Norden ist einer der kleinsten im Land, aktuell gibt es etwa 400 Mitglieder. Junge Wählerschaft erreichen? Schwierig. Das läge auch an der Social-Media-Strategie der Partei. Zu verstaubt, zu alt. „Das müssen wir anpassen und modernisieren.“

Von seiner Partei ist der JU-Vize nach wie vor überzeugt, grundsätzlich jedenfalls, er stehe hinter dem Programm, auch hinter Friedrich Merz. „Aber wir müssen uns deutlicher positionieren, damit den Menschen klarer wird, was es bedeutet, CDU zu wählen“, sagt er. „Das muss für die CDU ein Aufwachmoment sein, damit man noch etwas ändern kann.“
Sorgen der Jugend: bezahlbares Wohnen, sichere Jobs, Chancen auf Eigentum
Einer der CDU-Promis ist Philipp Amthor, Jahrgang 1992. Er hat nach der Niederlage vorübergehend die Führung in Mecklenburg-Vorpommern übernommen. Aber ist er eine frische Personale? Philipp Geib sagt dazu: „Philipp Amthor ist eine wichtige Person, um hier den Übergang zu begleiten. Seine Rolle ist, denke ich, in Berlin.“
In Sachsen, mit 900 Mitgliedern einer der größeren ostdeutschen JU-Verbände, fällt die Diagnose ähnlich aus. „Viele junge Menschen tun sich schwer damit, sich mit der CDU zu identifizieren“, sagt JU-Chefin Stefanie Franzl. Das liege nicht nur an der Kommunikation. Auch inhaltlich gebe es zu wenige Angebote für Fragen, die ihre Generation beschäftigen. Sie zählt dazu: die Zukunft der Rente, bezahlbares Wohnen, die Chance auf Eigentum, sichere Arbeitsplätze, wirtschaftliche Perspektiven. „Deutschland ist eigentlich ein reiches Land. Trotzdem fehlt vielen jungen Menschen die Zuversicht, dass es ihnen durch eigene Leistung einmal besser gehen kann“, sagt sie. „Viele zweifeln inzwischen daran, ob dieses Aufstiegsversprechen in Deutschland überhaupt noch gilt.“
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In einem Mitgliedermagazin hat Franzl die Probleme ebenfalls beschrieben. Auch den Frust, als sie beim Haustür-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt dabei war, wo sie auf Menschen traf, die nicht mehr zu erreichen waren. „Die CDU hat mehr verloren als Zustimmung zu einzelnen Positionen“, schreibt sie da. Es müsse „politische Glaubwürdigkeit“ erneuert werden. Die AfD habe derzeit „ein Momentum“, sie glaube allerdings nicht, dass Wähler damit dauerhaft zufrieden seien. Die CDU sei in der Verantwortung, „ein besseres Angebot“ zu machen. „Nicht als abgeschwächte Kopie einer populistischen Partei, sondern als ordnungspolitische Kraft, die Probleme nüchtern benennt, Entscheidungen durchhält und berechenbar bleibt, wenn es unbequem wird“, fordert Franzl.
Die Sorgen sind riesig. Gerade im Osten gebe es massive Auflösungserscheinungen und Austritte in ihrer Partei. „Bei uns an der Basis schlagen viele Alarm“, sagt die JU-Chefin. „Gleichzeitig ist für mich bisher nicht erkennbar, dass die Parteispitze einen Plan hat, wie sie dieser Entwicklung entgegenwirken will.“
Brandmauer zur AfD – Ja oder Nein?
In Sachsen-Anhalt ist die Lage nicht anders. Auch hier hat die CDU deutlich verloren, auch wenn der Absturz nicht so krass wie im Norden war, trotzdem ebenfalls ein Tiefstand: nur 17 Prozent. Bei den Jungen ist die Partei noch unbeliebter. Bei den U-18-Wahlen kurz vor der Landtagswahl kam die CDU auf circa 6 Prozent, auch hier lagen die Linken (31 Prozent) und die AfD (22 Prozent) vorn. Diese Befragung ist nicht repräsentativ, aber zumindest ein Stimmungsbild.
„Die Nachwuchsförderung ist ein Riesenthema“, sagt Nico Elsner, JU-Chef in Sachsen-Anhalt. „Junge Leute anzusprechen, das liegt der CDU gar nicht.“ In seinem Verband gibt es etwa 500 Mitglieder. Man organisiere schon vieles, auch Treffen und Konferenzen, aber fühle sich oft alleingelassen, sagt er. „Man dringt schlecht durch bei den Älteren in der Partei.“ Bei der Social-Media-Arbeit sieht er viele besser aufgestellt, die AfD sei aktiver, „inzwischen machen das hier auch Grüne und Linke gut“, nur bei seiner eigenen Partei laufe das immer noch schlecht.
Inhaltlich hält Elsner Migration und Wirtschaft für die wichtigsten Themen. Die CDU solle eigene Positionen besetzen, fordert er. Ein Fan der Brandmauer ist er nicht. „Ich glaube, es wäre gut, wenn man sich nicht dauernd darüber empört, wenn jemand von der CDU mit der AfD abstimmt“, sagt er. „Es nervt die Leute hier, wenn man sich darüber aufregt.“
Schon vor der Wahl hat sich Elsner gegen eine Koalition mit der AfD ausgesprochen, aber dafür im Parlament mit ihr zusammenzuarbeiten. „Zusammenarbeiten im Sinne von: Eine richtige Sache wird nicht falsch, nur weil die Falschen zustimmen. Das, finde ich, ist zumindest für die inhaltliche Zusammenarbeit im parlamentarischen Verfahren, wichtig.“ Er hält das für den richtigen Kurs.
Aktuell ist die Lage katastrophal. In Sachsen-Anhalt hat seine Partei schlecht abgeschnitten. Doch der Wahlabend in Mecklenburg-Vorpommern sei für ihn noch schrecklicher gewesen, sagt Nico Elsner. Dass die CDU aus einem Landtag fliegen könnte, habe er vorher nicht für möglich gehalten. Auch er glaubt, dass die CDU sterben könnte. „Diese Sorge teile ich“, sagt Elsner. „Wenn es so weitergeht, wird die Partei hier verschwinden.“











