Wahlkampf geht manchmal bis hinunter zu den Strümpfen. Man sieht Manuela Schwesig gerade häufig in Knallrot, der Farbe ihrer Partei. An diesem Morgen kommt sie in sportlichem Outfit zum Campus einer Schweriner Schule. Sie trägt Turnschuhe, darin rote Socken, die auch deshalb auffallen: Eingestickt ist das Datum des Wahlsonntags, 20. September 2026. Dann endet die Aufholjagd, die Schwesig gestartet hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gewinnt die SPD-Spitzenfrau bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern doch noch gegen die AfD? In diesen letzten Wahlkampftagen hat sie den Vorsprung verringert. In Umfragen liegt die SPD bei etwas über 30 Prozent, die Rechten immer noch ein paar Prozent drüber. Aber Schwesig kann kämpfen.

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Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig konfrontiert AfD direkt

Ende der Woche, wieder ein langer Tag, Termine in der Stadt und auf Dörfern, sie will Jung und Alt erreichen. In der Schule findet ein Wahlforum statt, im Norden darf man erstmals ab 16 Jahren wählen. Manuela Schwesig sitzt mit den Kandidaten der anderen Parteien auf der Bühne, sie in der Mitte, noch ist sie Ministerpräsidentin. Es geht um Jugendklubs, Digitalisierung, um die Frage, wie man auf dem Land von A nach B kommt. Schwesig erzählt, dass sie selbst den Mopedführerschein gemacht hat. „Ich bin früher mit der Simson zum See gefahren.“ Sie weiß, dass solche Anekdoten hier gut ankommen. Die Schüler applaudieren.

An anderer Stelle wird es weniger empathisch. Immer wieder attackiert Schwesig die AfD-Kandidatin, die auch auf dem Podium sitzt. Die Veranstaltung wurde mitorganisiert von der Landeszentrale für politische Bildung. Solche Angebote müsse es auch weiterhin geben. „Aber Sie wollen die Landeszentrale ja abschaffen“, sagt Schwesig zu der AfD-Frau.

Schwesig setzt im Wahlkampf auf Konfrontation mit der AfD

Die Frau in Rot gegen Blau. Darauf hat sich der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern zugespitzt. Darauf hat Schwesig ihn konzentriert. Die anderen Parteien liegen bei den Prozenten und beim Ringen um Aufmerksamkeit weit dahinter. Die Strategie ist riskant. Kann man mit einer Anti-AfD-Kampagne gewinnen? Das wird Schwesig auch einige Tage zuvor im TV-Duell von ntv und Ostseewelle von der Moderatorin gefragt. Sie trifft auf Leif-Erik Holm, den AfD-Spitzenkandidaten. Sie wolle auch über ihre Inhalte sprechen, sagt Schwesig, über Kitas und Schulen, gesellschaftlichen Zusammenhalt, soziale Fragen. Und über die AfD, denn „viele Menschen haben Ängste“. Sie wolle keine Verhältnisse wie in Sachsen-Anhalt, „sondern stabile, demokratische“.

Sie geht auch hier in den Angriff, bezeichnet die AfD als „gefährliche Partei für unser Land“, „auch für uns Frauen“. Holm wiederum wirft ihr vor, falsch gehandelt zu haben, etwa bei der Rettung von Werften, ein sensibles Thema in Mecklenburg-Vorpommern, da habe ihre Regierung Steuergeld verschwendet. Schwesig streitet das ab, sie bleibt auf Konfrontationskurs.

Manuela Schwesig Socken rot 20.06.26
Das Datum des Wahlsonntags, 20. September 2026, ist auf Manuela Schwesigs Socken gestickt. © FMG | Doreen Reinhard

Manuela Schwesig trotzt bundesweitem SPD-Trend

Vielleicht verliert die SPD-Spitzenfrau gegen die Rechtsradikalen, die im Machtrausch sind – Sieg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, bundesweit führend in Umfragen, im Osten längst Volkspartei. Wenn es Gegenrezepte gibt, haben sie damit zu tun: Man sollte charismatische Persönlichkeiten aufstellen und einen professionellen Wahlkampf führen. Beides trifft zu auf Manuela Schwesig. Sie agiert gegen den Trend ihrer Partei, die bundesweit schwächelt.

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Die 52-Jährige ist längst ihre eigene Marke. Seit neun Jahren ist sie Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern. Aktuell regiert sie in einer Koalition mit der Linken. In den früheren Jahren ihrer Karriere wurde Schwesig als „Küsten-Barbie“ verspottet, doch das ist lange her. Sie hat sich hochgearbeitet. Ist nach Tiefen wieder aufgestanden, auch als sie vor einigen Jahren an Brustkrebs erkrankt ist. Mit der Behandlung und ihrer Genesung ist sie offen umgegangen. Sie hat auch damit gezeigt, sich durchbeißen zu können.

Schwesig gesteht Fehler beim Russland-Kurs ein

Immer wieder wird Schwesig als Personalie für die SPD-Bundesspitze gehandelt. Doch sie verneint beharrlich in diesem Wahlkampf: „Ich habe mich für Mecklenburg-Vorpommern entschieden.“ Schwesig stand in den vergangenen Jahren aber auch massiv in der Kritik wegen ihres Russland-Kurses. Sie hatte sich für den Bau der Pipeline Nord Stream 2 engagiert, sich mit Netzwerken um den russischen Staatskonzern Gazprom eingelassen, war in die Aktivitäten einer umstrittenen Klimaschutzstiftung involviert. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt, der in den vergangenen Jahren fast 100 Sitzungen hatte. Erst vor wenigen Monaten wurde die Arbeit beendet.

Manuela Schwesig verteidigt zwar grundsätzlich ihr früheres Engagement für Nord Stream 2 bis heute, doch sie gesteht inzwischen auch Fehler ein. „Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass es ein Irrtum war, darauf zu vertrauen, dass auch Russland an einem friedlichen Zusammenleben im Ostseeraum Interesse hat“, sagte Schwesig kürzlich in einem „Welt“-Interview.

Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig setzt im Wahlkampf auf Nähe

Das Thema taucht immer wieder auf, aber dominiert nicht. Ihre Wahlkampfmaschine läuft auf Hochtouren und setzt andere Schlaglichter. Schwesig, die Volksnahe, die Kümmerin von Mecklenburg-Vorpommern. Auf ihren Social-Media-Kanälen rotiert die Werbung für „Manu“. Ausschnitte aus einem Interview mit dem People-Magazin „Bunte“: „Es gibt 1000 Gründe, warum ich meinen Mann liebe.“ Ein Clip, in dem der Schlagersänger Roland Kaiser für sie wirbt. Ein anderer, in dem ein Bauer riesige Buchstaben in sein Feld mäht: „Schwesig statt AfD“.

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Der Landwirt heißt Dietmar Hocke und ist ehrenamtlicher Bürgermeister von Benz, einer Gemeinde, etwa 40 Kilometer entfernt von Schwerin. Hier auf dem Land, wo viele sich abgehängt fühlen, ist der Kampf um Stimmen noch härter. Hocke unterstützt Schwesig, weil die AfD gefährlich für das Land sei, sagt er. Auf dem Hof der örtlichen Feuerwehr ist ein rotes SPD-Mobil aufgebaut, es gibt frisch gebackene Waffeln, Kaffee und Limo.

Schwesig verspricht Einsatz für Rente

Dann kommt Manuela Schwesig und hält eine Rede, spricht von den kleinen Leuten, die bei der SPD seien, „von den Pflegekräften und Elektrikern“, von „der Bezahlbarkeit des Lebens“ und zu hohen Spritpreisen, sie fordert einen Tankpreisdeckel und eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Ihre Ansprache ist ein bisschen anders als in der Schule am Morgen, zugeschnitten auf das Publikum hier. Auch das kann Schwesig, sich schnell anpassen.

Es sind einige Anhänger gekommen, ein paar Rentner aus dem Dorf. Schwesig setzt sich zu ihnen auf die Bierbänke, hört zu. Schnell ist die sogenannte Rente ab 63 Thema. Die älteren Frauen, die vor ihr sitzen, klagen über zu wenig Geld und über Beamte, „die zu viel bekommen“. Sie sei die „die Erste gewesen, die das kritisiert hat“, sagt Schwesig, dann hätten sich auch andere Ministerpräsidenten angeschlossen. Sie verspricht, weiter für das Rententhema zu kämpfen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.“

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Nach gut einer Stunde verabschiedet sie sich, sie muss weiter in ein anderes Dorf. Ein paar Fans hat sie in Benz sicher. Im SPD-Mobil wird zusammengepackt. Aber die Konkurrenz ist nah, gegenüber auf der Dorfstraße hängen die AfD-Plakate. Noch ist ungewiss, wie die Aufholjagd von Manuela Schwesig ausgeht.