US-Präsident Donald Trump wird in diesen Tagen zum Opfer seiner prahlerischen Versprechungen und seiner Hybris. Noch im Wahlkampf 2024 hatte er hinausposaunt, den Ukraine-Krieg „innerhalb von 24 Stunden“ zu befrieden. Bei seiner Rede zum Amtsantritt am 20. Januar legte er nach: „Mein stolzestes Vermächtnis wird das eines Friedensstifters und Einigers sein.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Trump hat sich mit seiner angekündigten 24-Stunden-Lösung selbst unter Druck gesetzt. Da er merkt, dass er nicht liefern kann, sucht er die Schuld bei anderen. Trump kreidete dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut eine Beteiligung am Ausbruch des Krieges an. Am Montag behauptete er, für die „Millionen von Toten“ in der Ukraine seien „drei Menschen verantwortlich“ und fügte an: „Sagen wir, (der russische Präsident Wladimir) Putin ist die Nummer eins, aber sagen wir, (der frühere US-Präsident Joe) Biden, der keine Ahnung hatte, was zum Teufel er eigentlich tat, ist die Nummer zwei, und Selenskyj ist die Nummer drei.“
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Der Chef des Weißen Hauses warf Selenskyj fälschlicherweise vor, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angefangen zu haben. „Man beginnt keinen Krieg gegen jemanden, der zwanzigmal so groß ist wie man selbst, und hofft dann, dass die Leute einem Raketen geben“, betonte er. Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr. Putin ist nicht der Aggressor, sondern in Trumps abstruser Weltsicht ein indirekter Komplize von Selenskyj und Biden. Ein Kartell der Kriegsverursacher.
Zwischen Wertekonflikt und Geschäftssinn: Europa versus Trump
Im Gegensatz dazu haben die Europäer einen wertegeleiteten Ansatz. Für sie ist der russische Einmarsch in die seit 1991 unabhängige Ukraine ein Tabubruch: Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Europa Grenzen mit Gewalt verschoben. Die europäischen Geheimdienste warnen seit längerer Zeit, dass der Kremlchef nach einem Sieg im Ukraine-Krieg auch Nato-Territorium angreifen könnte. Militärexperten sehen Putin auf einem Rachefeldzug gegen den Westen. Deshalb ist es in der EU und in Großbritannien weitgehend Konsens, dass die Ukraine unterstützt werden muss, um Europa zu schützen.

Trump geht dieser Wertekodex ebenso ab wie strategisches Denken. Letzteres wurde offenbar, als der Präsident Bedingungen Putins erfüllte, bevor die amerikanisch-russischen Gespräche über ein Ende des Krieges begonnen hatten: keine Nato-Mitgliedschaft für die Ukraine, keine amerikanischen Sicherheitsgarantien für das angegriffene Land. Für Putin war das ein Signal, dass er keine Gegenleistung erbringen muss, da Trump keinen Druck auf ihn ausüben würde. Die zwischen Washington und Kiew ausgehandelte 30-tägige Waffenruhe quittierte der Russe kalt lächelnd mit einem „Ja, aber“ und sattelte gleich noch seine Maximalforderungen drauf: Stopp der westlichen Militärhilfe für die Ukraine, Rückabwicklung der 1999 begonnenen Nato-Osterweiterung, Abzug der US-Atomwaffen aus Europa.

Selbst der brutale russische Raketenangriff auf die nordostukrainische Stadt Sumy am Sonntag lockte Trump nicht aus der Reserve. Er bezeichnete die Attacke mit mehr als 30 Toten als „schreckliche Sache“ – eine pflichtschuldige Verurteilung ohne Konsequenzen. Der Präsident verfügt über keine strategische Matrix, er durchschaut Putin nicht. Er begreift sich im Ukraine-Krieg nicht als politischer Makler, der mal mit Zuckerbrot und mal mit Peitsche operiert. Im Grunde genommen hat er die Brille des New Yorker Immobilienmoguls nie abgelegt: Politik ist für ihn Geschäft. Gut ist, wo der wirtschaftliche Vorteil winkt – egal ob in der Ukraine oder bei den Annexionsplänen mit Blick auf Kanada, Grönland oder das potenzielle Hotelparadies Gazastreifen.
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Frieden gegen Rohstoffe: Trumps Deal-Diplomatie mit Moskau
Trump drängt auf einen schnellen Deal, um seine wahren Interessen zu verfolgen. In der Ukraine will er sich die bisherigen Waffenlieferungen mit dem Zugriff auf kostbare Rohstoffe wie Seltene Erden bezahlen lassen. Amerikanische Unternehmen sollen bei Abbau und Weiterverarbeitung der Metalle, die für die Chip-Produktion und die Militärtechnik wichtig sind, profitieren.

Gegenüber Moskau geht es Trump um eine Neuordnung der angespannten bilateralen Beziehungen. Auch hier steht der riesige Markt des Rohstoff-Giganten Russland im Vordergrund. Putin weiß das – und er setzt diesen Hebel bewusst ein. Kürzlich war sein Vertrauter Kirill Dmitrijew, der Chef eines russischen Staatsfonds, in Washington. Er warb um die Aufhebung der US-Sanktionen und das Engagement amerikanischer Investoren in Russland, die gemeinsame Förderung Seltener Erden und die Zusammenarbeit rund um die rohstoffreiche Arktis.
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Die Aussichten auf das große Geschäft vernebeln dem US-Präsidenten den Blick. Da Schnelligkeit vor Gründlichkeit geht, sind die Amerikaner zu üppigen Konzessionen an Moskau bereit. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff, ein Immobilienmagnat ohne jegliche politische Erfahrung, wurde bislang dreimal von Putin empfangen. Nach seinem letzten Treffen am Freitag bescheinigte er dem Kremlchef die Bereitschaft zu einem „dauerhaften Frieden“. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat Witkoff vorgeschlagen, Russland die „Besitzrechte“ über die vier annektierten ukrainischen Gebiete Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk zu übertragen.
Putins Charmeoffensive wirkt. Trumps Friedensinitiative preist sukzessive Gebietsverluste für die Ukraine ein, um einen Deal der Großmächte zu besiegeln. Auch die Installierung einer russlandfreundlichen Regierung in Kiew ist nicht ausgeschlossen. Für die Europäer wäre dies gleichbedeutend mit der Kapitulation der Ukraine – und ein verhängnisvoller Frieden.












