Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Donald Trump jüngst vor, in einer Desinformationsblase zu leben. Wenn man sieht, was der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social verbreitet, könnte man meinen: Da ist was dran. Am Mittwoch postete Trump dort ein KI-Video, das eine bizarre Zukunftsvision des Gazastreifens zeigt – inklusive bärtigen Bauchtänzerinnen und einem Hummus mampfenden Elon Musk.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das Video enthält so viele groteske Szenen, dass man aus dem Kopfschütteln nicht herauskommt. Ein Kind läuft mit einem Trump-Ballon herum, Trump und Netanjahu schlürfen oben ohne Cocktails an einem Pool, Elon Musk lässt Dollarscheine regnen, Trump tanzt mit einer schönen Frau, im Trump-Hotel werden goldene Trump-Figürchen verkauft, Trump, Trump und noch mal Trump. Aber sehen Sie selbst:
This was just posted on President Trump’s Truth Social account. pic.twitter.com/9zrVcBGjK1
— Yashar Ali 🐘 (@yashar) February 26, 2025
Gazastreifen völlig zerstört – Zukunft scheint ungewiss
Einzig die wenigen Sequenzen zu Beginn, die das zerstörte Gaza zeigen sollen, erinnern an die Realität. Nach der grausamen Attacke der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei der mehr als 1100 Menschen getötet und etliche verschleppt wurden, startete die israelische Regierung eine massive Militäroffensive. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 43.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet. Mehr als zwei Drittel der Opfer sind laut UN-Angaben Kinder und Frauen. Weite Teile des Gazastreifens sind zerstört worden. Die Menschen, die überlebt haben, leben in Trümmern und sind von internationaler Hilfe abhängig.
- Einfach erklärt: Israel und seine Feinde – Darum geht es im Nahost-Konflikt
- Verfeindete Staaten: Woher kommt der Hass zwischen dem Iran und Israel?
- Umstrittenes Gebiet: Gibt es Palästina? Die Geschichte der Region
- Überblick: Annektiert, besetzt, besiedelt: Was ist das Westjordanland?
- Israel gegen die Hamas: Feuerpause oder Waffenstillstand? Begriffe einfach erklärt
- IDF: Atombombe, Drohnen & Co. – So mächtig ist Israels Militär
Trump würde diese Menschen am liebsten umsiedeln lassen, etwa nach Ägypten oder Jordanien. Die arabischen Länder lehnen das ab. Einige Kritiker sprechen gar von ethnischer Säuberung. Der internationale Strafgerichtshof hat längst einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinen ehemaligen Verteidigungsminister Joaw Galant wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord erlassen. Auch gegen führende Hamas-Mitglieder wird ermittelt.
Nahost: Trump geht es letztlich nur um sich selbst
Es gibt allerdings auch alternative Szenarien für den Küstenstreifen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der israelische Oppositionsführer Jair Lapid eigenen Angaben zufolge in den USA einen Plan für die Zukunft des Gazastreifen vorgestellt hat. Das Nachbarland Ägypten solle für 15 Jahre die Verwaltung des Gebiets übernehmen, teilte Lapid auf der Plattform X mit. In der Zeit soll nach Willen des Politikers die gemäßigte Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland bedeutende Reformen durchsetzen, um anschließend die Kontrolle des Gazastreifens wieder zu übernehmen. Die islamistische Hamas hatte die Macht in dem Küstengebiet 2007 an sich gerissen und die Autonomiebehörde gewaltsam von dort vertrieben.
Auch interessant
Israels Regierung, die bislang keinen Plan für die Zukunft des Gazastreifens vorgelegt hat, äußerte sich zunächst nicht zu Lapids Vorschlag. Sie hatte zuvor lediglich große Sympathien für den vagen Plan von US-Präsident Donald Trump gezeigt, alle Palästinenser aus dem Gazastreifen in andere arabische Staaten „umzusiedeln“ und das zerstörte Küstengebiet unter Kontrolle der USA in eine wirtschaftlich florierende „Riviera des Nahen Ostens“ zu verwandeln. Wie diese aussehen soll, zeigt das KI-Video – die Vertreibung der Palästinenser lässt es natürlich aus. Und noch etwas offenbart es: Donald Trump ist die Zukunft der Palästinenser egal, ihm geht es letztlich nur um eines – sich selbst.
mit dpa





