Fast 9000 Kilometer Grenze trennen die USA und Kanada. Zwei Länder, eine Sprache, ein Kontinent. Verbündete, eigentlich, im Zweiten Weltkrieg, in der Nato und in der G7-Gruppe. Man schätzt sich, man neckt sich, Rivalitäten trägt man sportlich aus, im Eishockey. Noch.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Denn die jüngsten Äußerungen lassen bei den Verbündeten in Europa und Nordamerika die Alarmglocken schrillen. Auch vor ihnen machen Trumps Tiraden nicht halt: Seine Strafzölle in Höhe von 25 Prozent treffen nicht nur China und Mexiko – sondern eben auch den unmittelbaren Nachbarn Kanada. Trump reitet eine erste Attacke im heraufziehenden Handelskrieg, der scheidende Ministerpräsident Justin Trudeau schießt zurück. Es werde Gegenzölle geben, Cent um Cent.

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USA: Handelskrieg wird auch per App erwidert

Der Handelskrieg scheint aber nicht nur auf politischer, sondern auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene ausgetragen zu werden. Seit geraumer Zeit kursieren Apps, mit denen kanadische Konsumenten herausfinden können, ob Produkte aus der Heimat kommen – wohl auch, um Importe aus dem Nachbarland zu boykottieren. In der Anwendung „Buy Canadian“ werden die USA in der Beschreibung zwar nicht explizit erwähnt. Konsumenten könnten damit aber „echte kanadische Produkte“ identifizieren, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Bis Mitte Februar hatten sich laut CTV mehr als 100.000 Menschen die App heruntergeladen.

Auch mit „Maple Scan“ können die Barcodes per Handy eingelesen werden. Zusätzlich bietet die App Informationen an, ob Produkte mit Zöllen belegt sind. „Es geht darum, den Hintergrund des Unternehmens und seine Verbindungen zu Kanada zu verstehen“, schildert Entwickler Sasha Ivanov bei CTV seine Motivation.

Justin Trudeau ging in einer viel beachteten Rede den neuen US-Präsidenten auch persönlich an.
Justin Trudeau ging in einer viel beachteten Rede den neuen US-Präsidenten auch persönlich an.© AFP | DAVE CHAN

Hashim Farooq, der Macher der „Canmade“-App, wendet sich in dem kanadischen Sender direkt an die US-Regierung: „Der Präsident der Vereinigten Staaten hat angekündigt, dass er kanadische Produkte mit Zöllen belegen möchte.“ Seine App ging am 6. Februar online. Zu diesem Zeitpunkt hatte Trump seine Zölle zwar angekündigt, aber noch nicht durchgedrückt. „Ich möchte das so schnell es geht wieder zurückdrehen.“ Laut der Zeitung „Winnipeg Sun“ landete seine Anwendung nach der Veröffentlichung der Top 10 der meist heruntergeladenen Apps in der Kategorie Lifestyle in Kanada.

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Kanada: Provinzen verbieten Verkauf von Alkohol aus den USA

Unmittelbar vor Trumps erster Rede im Kongress hatte Trudeau seine Landsleute noch auf einen Handelskrieg eingeschworen: In einem flammenden Appell drohte er Trump am Dienstag mit weiteren harten Maßnahmen. Einzelne Provinzen, etwa Ontario und Québec, machten bereits Ernst: Nach dem Inkrafttreten der Zölle setzten sie ein Verkaufsverbot für alkoholische Getränke aus den USA um. Auf der Website der zuständigen Provinzbehörde von Ontario war am Dienstag zu lesen, „als Reaktion auf die US-Zölle auf kanadische Waren“ würden US-Produkte aus den staatlich kontrollierten Schnaps-Läden entfernt. 

Trudeau, der sich wegen mangelnder Beliebtheit für den Rückzug aus den vorderen Reihen der kanadischen Politik entschieden hatte, ging in seiner viel beachteten Rede den US-Präsidenten auch persönlich an. Mit Verweis auf einen Medienbericht sagte er: „Nun, es ist nicht meine Gewohnheit, dem ‚Wall Street Journal‘ zuzustimmen, aber Donald: Sie weisen darauf hin – obwohl Du so ein kluger Kerl bist – dass dies eine sehr dumme Sache ist.“ 

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Trump reagiert höhnisch: „Gouverneur Trudeau“

Trump sprach daraufhin in einem Post auf seinem Netzwerk Truth Social den Ministerpräsidenten des Nachbarlands als „Gouverneur Trudeau“ an und erklärte, dass die USA ihrerseits ihre Zölle in gleicher Höhe weiter anheben würden, wenn Kanada Vergeltungszölle erhebe. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trump gegenüber seinem kanadischen Amtskollegen dieser höhnischen Titulierung bedient. Gouverneure sind in den USA die Regierungschefs der Bundesstaaten – Trump unterstreicht mit dieser Beleidigung seine wiederholt geäußerte Absicht, Kanada zu amerikanischem Staatsgebiet machen zu wollen.

Diese beispiellose Position gegenüber einem befreundeten Staat ist laut Trudeau keine leere Drohgebärde, sondern Teil des Handelskrieges. Der kanadische Premier hatte zuvor in Ottawa gesagt, Trump wolle „einen totalen Zusammenbruch der kanadischen Wirtschaft, weil das eine Annexion einfacher machen würde“. Dies werde allerdings nie passieren.

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mit Maertial von afp, dpa