Seit anderthalb Monaten ist US-Präsident Donald Trump im Amt – und in den transatlantischen Beziehungen brennt es lichterloh. Trump scheint entschlossen zu sein, einen Diktatfrieden für die Ukraine mit Russlands Gewaltherrscher Wladimir Putin auszuhandeln, über die Köpfe der Ukrainer und Europäer hinweg. Vor wenigen Tagen demütigte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus, jetzt stoppt er vorübergehend die Militärhilfen an das überfallene Land. Die Trump-Regierung mischt sich in die inneren Angelegenheiten ihrer europäischen Verbündeten ein und empfiehlt die Wahl extrem rechter Parteien. Zudem droht sie mit umfangreichen Zöllen – so wie im Fall von Kanada, Mexiko und China.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die europäischen Nato-Mitglieder befürchten, dass das Ende der Partnerschaft mit den USA naht. Am Sonntag gab es ein großes Krisentreffen in London. Großbritannien und Frankreich kündigten dabei an, gemeinsam mit einigen Partnern und der Ukraine einen eigenen Friedensplan vorlegen zu wollen. Zudem bereitet sich Europa darauf vor, die eigenen Verteidigungsfähigkeiten massiv auszubauen. Unabhängig davon bleibt die Frage: Wie lässt sich Donald Trump dazu bewegen, auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen? Auf sechs Personen von dieser Seite des Atlantiks kommt es jetzt an. Ein Überblick.

Starmer und Macron übernehmen die Führung der Europäer

Keir Starmer (62). Der britische Premier war am Sonntag Gastgeber des Ukraine-Gipfels. Die Welt befinde sich an einem „Scheideweg der Geschichte“, sagte Starmer – und machte deutlich, dass er es als seine Mission betrachte, die Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Großbritannien pflegt seit jeher besonders enge Beziehungen zu den USA. Starmer will als Brückenbauer zwischen Europa und Amerika fungieren. Direkte Kritik an Trump verkniff er sich nach dem Londoner Gipfel. In der vergangenen Woche war der Brite selbst im Weißen Haus, das Gespräch mit Trump verlief atmosphärisch gut.

Ukraine-Sondergipfel in London
Keir Starmer, Wolodymyr Selenskyj und Emmanuel Macron beim Londoner Krisentreffen.© DPA Images | JUSTIN TALLIS

Emmanuel Macron (47). Dem französischen Präsidenten steht seit der vergeigten Parlamentswahl vom vergangenen Sommer im eigenen Land das Wasser bis zum Hals. Außenpolitisch aber ist Macron gerade der starke Mann der Europäischen Union. Deutschland fällt wegen der laufenden Regierungsbildung als Führungsmacht aus. Macron hingegen hat Ehrgeiz und Mut – und Atomwaffen, die in einer europäischen Abschreckung eine zentrale Rolle spielen müssen.

Gemeinsam mit Starmer hat der Präsident jetzt die Führung bei der Ukraine-Initiative der Europäer übernommen. Zu Trump hat er mit viel Mühe und Geschick ein gutes Verhältnis etabliert. Anfang vergangener Woche war er in Washington und begegnete dem US-Präsidenten dort wie ein alter Kumpel.

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Meloni hat gutes Verhältnis zu Trump – mit Musk ist sie befreundet

Giorgia Meloni (48). Die italienische Ministerpräsidentin ist Chefin der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia. Damit steht sie Trump und dessen Leuten ideologisch sehr nahe. Ihre Beziehungen zu Trump gelten als gut. Mit Trumps Berater Elon Musk unterhält sie eine private Freundschaft.

Global Citizen Award in New York
Elon Musk und Giorgia Meloni pflegen eine private Freundschaft.© DPA Images | Michelle Farsi

All das prädestiniert Meloni dazu, zwischen Europa und den USA zu vermitteln. Unmittelbar nach dem Eklat beim Selenskyj-Besuch im Weißen Haus schlug Meloni ein großes Gipfeltreffen der Europäer, Amerikaner und weiterer Verbündeter vor, um darüber zu sprechen, „wie wir mit den großen Herausforderungen der Gegenwart umgehen wollen, angefangen bei der Ukraine“. Auch in Europa genießt Meloni Vertrauen: Trotz ihrer ideologischen Ausrichtung verhält sich Italien in EU-Fragen weiterhin konstruktiv. Zudem steht Meloni ohne Einschränkung an der Seite der Ukraine.

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Recep Tayyip Erdogan (71). Der türkische Präsident war am Sonntag nicht beim Krisengipfel in London, stattdessen schickte er seinen Außenminister Hakan Fidan. Die Türkei ist ein wichtiges Nato-Mitglied, sie verfügt über die zweitgrößte Streitmacht der Allianz. Erdogan ist ein Typ nach Trumps Geschmack: Er hat ein immenses Selbstbewusstsein, regiert autoritär und schert sich wenig um demokratische Prinzipien.

Mit Blick auf die Ukraine verfolgt Erdogan im westlichen Lager einen Sonderweg: Die Türkei unterstützt das überfallene Land militärisch. Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland trägt Ankara aber nur eingeschränkt mit. Erdogan unterhält weiterhin Kontakte nach Moskau und Kiew. 2002 vermittelte er das Abkommen zur sicheren Verschiffung ukrainischen Getreides. Jetzt bietet sich die Türkei an, Friedensgespräche im eigenen Land auszurichten. Auch zwischen den Europäern und Trump könnte sie womöglich vermitteln.

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Mark Rutte (58). Seit Oktober ist der ehemalige niederländische Regierungschef Nato-Generalsekretär. Eine seiner wesentlichen Aufgaben besteht darin, die USA bei Laune zu halten. Er selbst und Trump versichern, sie seien „Freunde“.

Keir Starmer Hosts European Leaders For Further Talks On Peace In Ukraine
Nato-Chef Mark Rutte. Kann er die USA bei Laune halten?© Getty Images | WPA Pool

Der US-Präsident scheint den alerten Niederländer tatsächlich zu mögen: Noch vor seiner Amtsübernahme empfing Trump ihn in seiner Privatresidenz Mar-a-Lago in Florida.

Merz ist bislang nur ein Statist

Friedrich Merz (69). Der CDU-Chef ist bislang nur ein Statist auf der internationalen Bühne. Aber als designierter Bundeskanzler wird er bald eine zentrale Rolle in Europa spielen. Ob Merz mit Trump klarkommt, wird man sehen müssen. Der Amerikaner hat eine ausgeprägte Abneigung gegen Deutschland. Merz ging zuletzt auch öffentlich hart mit der Trump-Regierung ins Gericht.

Andererseits: Der CDU-Chef ist gerade dabei, sehr viel Geld für die Verteidigung zu mobilisieren. Er sucht die Zusammenarbeit mit Frankreich, Großbritannien und Polen. Die Partner in Europa wollen, dass sich Deutschland bald kraftvoll zurückmeldet. Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul sagte am Montag, Merz werde sich um ein „gutes persönliches Verhältnis“ zu Trump bemühen.