Super-Gau im Oval Office: Noch vor den eigentlichen Verhandlungen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Gegenüber Wolodymyr Selenskyj über ein Wirtschaftsabkommen, das die USA von begehrten Bodenschätzen profitieren lassen würde, kam es im Oval Office zu einem historischen Eklat und einem von Trump dominierten Schreiduell der beiden Staatsmänner.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im Nachgang der Eskalation wollte Selenskyj weiter verhandeln – Trump allerdings nicht. Der Gastgeber ließ den Gast zur Abreise auffordern. Oder anders formuliert: Trump hat Selenskyj einfach rausgeschmissen.

Was war zuvor passiert? Als Selenskyj – wie schon seit Wochen – um amerikanische Sicherheitsgarantien gegen Russland bat, verlor der Gastgeber, dabei von Vize-Präsident JD Vance massiv unterstützt, die Contenance. Er warf seinem Gast mangelnde „Dankbarkeit“ vor und überzog ihn mit so noch nie an diesem Ort öffentlichen gehörten Vorwürfen. 

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Trump nahm für sich die Rolle eines Mittlers zwischen Russland und der Ukraine in Anspruch, bekräftigte die angebliche Bereitschaft Wladimir Putins, einen „Deal” machen zu wollen und erklärte, Selenskyj „wird gewiss Kompromisse machen müssen”. 

Trump: „Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg“

Der wie oft informell mit einem Pullover bekleidete Gast forderte Trump knallhart dazu auf, „keine Kompromisse mit einem Killer“ einzugehen. Trump hielt dem wütend gestikulierend entgegen: „Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg.“ Trump behandelt den Ukrainer fortan nur noch von oben herab.

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Selenskyj müsse „dankbar“ sein für die vielen Hilfen aus den USA, betonte Trump und warf seinem ukrainischen Gegenüber vor, „sehr respektlose Kommentare“ abgegeben zu haben und drohte offen mit Abbruch aller Bemühungen: „Entweder Sie machen einen Deal oder wird sind raus“, bellte Trump, der im Gesicht rot vor Wut war, und fügte maliziös hinzu: „Und wenn wir raus sind, müssen Sie es ausfechten. Ich glaube nicht, dass das angenehm sein wird.“ 

Ukraine President Volodymyr Zelensky visits the White House
Selenskyj, Trump und der US-Vizepräsident JD Vance (v.l.)© AFP | SAUL LOEB

Trump, der nur 50 Zentimeter von Selenskyj entfernt saß, ließ seinen seit Jahren gegen den früheren Komödianten angehäuften Animositäten freien Lauf. Regelrechter Hass schimmerte durch. „Noch nie hat ein amerikanischer Präsident den Anführer eines verbündeten Landes, das im Krieg steht und sich gegen einen übermächtig scheinenden Gegner zur Wehr setzt, in der Öffentlichkeit so brutal gedemütigt“, sagte ein Analyst im US-Fernsehen, „und dabei völlig das Gesicht verloren.“

Selenskyj versuchte mehrfach seine Sichtweise auf die Genese des Konflikts darzulegen, der bereits 2014 angefangen habe. Er warte davor, Putin Glauben zu schenken. Trump schrie ihn nieder: „Sie sind nicht in der Position dazu. Sie haben nicht die Karten auf der Hand.“ Trump wurde mehrfach beleidigend, während Selenskyj die Form zu wahren versuchte: „Das Problem ist, dass ich Sie dazu befähigt habe, ein harter Kerl zu sein“, sagte Trump mit Blick auf US-Militärhilfen, „ich glaube nicht, dass Sie ohne die Vereinigten Staaten so ein harter Kerl wären.“

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Trump vs. Selenskyj: Beispielloser Disput

Der offene, in dieser Form und Härte beispiellose Disput zog sich über mehrere Minuten hin, bis die anwesenden Journalisten aus dem Oval Office geschickt wurden.

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Trump wies mehrfach von sich, vor allem russische Interessen zu vertreten: „Ich stehe nicht auf Putins Seite. Ich stehe auf der Seite der USA und des Wohlergehens der Welt.“

Selenskyj empfand den Skandal im Oval Office, der nach Einschätzung von Beobachtern „inszeniert wirkte“, als so schwerwiegend, dass er frühzeitig abreiste. Eine geplante Presse-Konferenz der Staatsmänner wurde ebenso abgesagt wie die Unterzeichnung des Abkommens, das den USA perspektivisch den Abbau von seltenen Mineralien wie Lithium und Titan erlauben soll, wie sie in der High-Tech-Industrie gebraucht werden. 

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Trump machte dem Ukrainer auf seinem Kommunikationsportal „Truth Social“ schwere Vorwürfe: „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Präsident Selenskyj nicht bereit für Frieden ist, wenn Amerika involviert ist, weil er der Meinung ist, dass unsere Beteiligung ihm einen großen Vorteil in den Verhandlungen verschafft. Ich will keinen Vorteil, ich will Frieden. Er hat die Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem geschätzten Oval Office nicht respektiert. Er kann wiederkommen, wenn er bereit für Frieden ist.“

Selenskyj und Trump: Es war die zweite Begegnung

Es war die zweite schicksalshafte Begegnung der beiden Männer. Die Premiere war im Juli 2019. Damals wurde der frisch gewählte Ukrainer von Trump mit der Bitte konfrontiert, die das Verhältnis der beiden Männer bis heute prägt. „Ich möchte, dass Sie uns einen Gefallen tun“, sagte Trump damals am Telefon. Die Ukraine möge Dreck über Joe Biden, damals Ex-Vize-Präsident, und dessen Sohn Hunter ausgraben, der für den ukrainischen Energie-Konzern Burisma einen dubios hoch dotierten Posten bekleidete. Selenskyj lehnte ab. Das unsittliche Angebot, Trump machte von der Kooperationsbereitschaft des ehemaligen Komödianten die Auszahlung von 300 Millionen Dollar US-Hilfe abhängig, brachte Trump das erste Amtsenthebungsverfahren ein. 

Ukraine President Volodymyr Zelensky visits the White House
US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sind im Weißen Haus aneinander geraten.© AFP | SAUL LOEB

Selenskyj hatte einen ersten Versuch, besagten Wirtschafts-Deal unter Dach und Fach zu bringen, scheitern lassen. Er schickte Trumps Finanzminister Scott Bessent ohne Unterschrift wieder nach Hause. Begründung: Es fehlten amerikanische Garantien für die langfristige Sicherheit der Ukraine gegen den Aggressor Russland. 

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Trump empfand das als Majestätsbeleidigung, schimpfte Selenskyj einen „Diktator“ und schwadronierte wahrheitswidrig davon, dass nicht Moskau, sondern Kiew vor drei Jahren den Krieg angefangen habe. Konfrontation Formulierungen, von denen er sich erstmals am Donnerstag während des Besuchs des britischen Premierministers Keir Starmer teilweise distanzierte. Seit Freitagabend steht fest: Trump meint, was er gesagt hat. Eine Friedenslösung für die Ukraine scheint damit in weite Ferne gerückt.