Dummer August, Sandsack, Golf-Buddy, Sprachpuppe – Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, hat für Donald Trump schon so ziemlich jeden Job gemacht. Nach dem Totalschaden beim Staatsbesuch von Wolodymyr Selenskyj am Freitagabend war der altgediente Republikaner so auffällig schnell mit massiven Konsequenzen bei der Hand, dass Opposition und Beobachter in Washington misstrauisch wurden:

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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War der Eklat im Oval Office ein von Trump und seinem raffiniert umtriebigen Vize JD Vance ein choreografierter Hinterhalt, um die wichtigste politische Figur Kiews noch vor Verhandlungen über einen Waffenstillstand/Friedensschluss mit Russland so zu diskreditieren, dass er entnervt zurücktritt oder im eigenen Land irreparabel in Ungnade fällt?

Graham, der am Morgen noch gemeinsam mit demokratischen Kollegen im Privatissimum mit Selenskyj fröhlich fraternisiert hatte, stellte nach dem Zerwürfnis im Oval Office vor den Toren des Weißen Hauses fest: „Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder mit Selenskyj Geschäfte machen können.“ Entweder müsse der 47-Jährige zurücktreten „und jemanden schicken, mit dem wir Geschäfte machen können, oder er muss sich ändern“.

Ex-Trump-Berater: „Unmöglich zu verstehen“
Ändern inwiefern? Wortlos hinnehmen, wenn Trump Putin als ehrlichen Makler und an Frieden interessiert darstellt? Hinnehmen, dass der Amerikaner zwar einen milliardenschweren Rohstoff-Deal mit Kiew festzurren will, sich der Gewährung von Sicherheitsgarantien für das 2022 von Moskau überfallene Land aber hartnäckig verschließt?

Chris Murphy, demokratischer Senator aus Connecticut, ist nicht der einzige, der die öffentliche Demütigung und Zurschaustellung des Ukrainers als angeblich undankbarer Bittsteller, der seinen Hass auf Wladimir Putin nicht zügeln könne, für eine abgekartete Sache hält. H.R. McMaster, im ersten Kabinett Trumps zeitweilig Nationaler Sicherheitsberater, konstatierte in sozialen Medien, es sei „unmöglich zu verstehen“, warum Trump und Vance mehr Druck auf den Verbündeten aus Kiew ausüben denn auf den Aggressor aus dem Kreml. Diverse Kommentatoren halten die Strategie des einzigartigen Schauspiels hingegen für eindeutig:
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„Sie mussten einen Vorfall provozieren“
Putin wolle Selenskyj als Verhandlungspartner in spe unbedingt weghaben. Trump sei dabei sein williger Handlanger. Darum die brutale Demütigung. Darum die Attacken mit Ansage, die vor allem JD Vance gegen Selenskyj ritt. „Sie mussten einen Vorfall provozieren und so die Rechtfertigung dafür erzeugen, die Ukraine fallen zu lassen“, sagt der Publizist Ron Filipkowski.
Garry Kasparov, das frühere Schach-Genie, schließt nicht aus, dass Putin persönlich das Drehbuch für die öffentliche Erniedrigung geschrieben hat. Auch die frühere demokratische Vize-Außenministerin Wendy Sherman denkt so. John Bolton, Ex-Nationaler Sicherheitsberater und ein erklärter Feind Trumps, sieht in der Aktion den letzten Beweis dafür, dass Trump/Vance im Auftrag Putin reden und handeln.
Danach zielte die Demontage Selenskyjs darauf ab, die politische Laufzeit des ukrainischen Präsidenten vorzeitig zu beenden. Vierzehn demokratische Gouverneure haben die Art und Weise, wie Trump und Vance Selenskyj behandelt haben, scharf kritisiert: „Donald Trump und JD Vance nutzten das heilige Oval Office, um Präsident Selenskyj dafür zu kritisieren, dass er Wladimir Putins Wort nicht traut.“





