Die Karrieremöglichkeiten für Frauen in der katholischen Kirche sind bekanntermaßen beschränkt. Immerhin: Der jüngst verstorbene Papst Franziskus ernannte die ersten beiden Frauen zu Sekretärinnen in Vatikanbehörden – ein hohes Amt im Kirchenstaat. Doch viele geistliche Berufe bleiben katholischen Frauen weiterhin verwehrt. Diakonat, Priester-, Bischofs- und Kardinalsamt sind Männern vorbehalten. Und natürlich: der heilige Stuhl selbst.

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266 Päpste – Petrus mitgezählt – gab es bis heute. Alle davon männlich. So zumindest die offizielle Geschichtsschreibung. Doch ein Mythos hält sich hartnäckig: Angeblich soll es eine Frau ins höchste katholische Amt geschafft haben. Johanna von Ingelheim, beziehungsweise Päpstin Johanna, soll sich im neunten Jahrhundert als Mann ausgegeben und so bis zum Papstamt aufgestiegen sein. Als Johannes VIII. soll sie den Vatikan und die katholische Kirche angeführt haben. Wer war diese Frau, die die Kardinäle ausgetrickst haben soll?

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Eine Schwangerschaft soll Päpstin Johanna zum Verhängnis geworden sein

Die früheste Erwähnung der mutmaßlichen Päpstin findet sich in einer lateinischen Quelle aus dem 13. Jahrhundert. Demnach soll die gebürtige Deutsche aus Ingelheim bei Mainz sich schon während ihres Studiums in Athen als Mann namens Johannes Anglicus ausgegeben haben. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg in Rom, der schließlich 855 in der Wahl zum Nachfolger – beziehungsweise zur Nachfolgerin – von Papst Leo IV. gegipfelt haben soll.

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Aufgeflogen sei der Schwindel, so die Überlieferung, durch eine Schwangerschaft. Während einer Prozession sei die Päpstin plötzlich zusammengebrochen und habe ein Kind geboren. In einer Fassung der Erzählung wurden die Päpstin und ihr Kind an Ort und Stelle von der aufgebrachten Menge gelyncht, in einer anderen wird berichtet, die beiden seien in ein Kloster verbannt worden. Ort des Geschehens sei eine Straße in Rom gewesen, die „Vicus Papessa“, was später als „Gasse der Päpstin“ übersetzt wurde.

Hodengriff nach der Papstwahl?

Eine Frau auf dem Stuhle Petri – es wäre einer der größten Skandale der Kirchengeschichte. Erst 1278 verfasst der Dominikanermönch Martin von Troppau die „Chronik der Päpste und Kaiser“ und erwähnt erstmals die Päpstin Johanna. Woher er rund 400 Jahre später das Wissen über dieses Ereignis haben will, verschweigt der Geistliche.

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Doch die Geschichte war offenbar zu haarsträubend, um sie nicht zu verwenden und so griffen zahlreiche spätere Autoren die Legende von Päpstin Johanna auf und schmückten sie immer weiter aus. Daraus soll sogar ein neuer Brauch entstanden sein: Eine Papstwahl wurde erst dann für gültig erklärt, nachdem der Gewählte auf einem Stuhl mit Loch im Sitzbereich Platz genommen hatte. Ein darunter befindlicher Priester führte dann einen prüfenden Griff durch und bestätigte bei erfolgreich ertasteter Männlichkeit den neuen Papst in seinem Amt.

Päpste mussten auf den „Kotstuhl“

Diesen Stuhl gibt es tatsächlich und er kann bis heute in Rom bewundert werden. Der sogenannte Kotstuhl („sedes stercorata“) sollte die mächtigen Päpste demütigen und an ihre Sterblichkeit erinnern. Darum mussten sie nach ihrer Wahl für einige Minuten darauf sitzen. Einen Hodengriff, wie in der Überlieferung, mussten sie jedoch höchstwahrscheinlich nicht über sich ergehen lassen.

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Doch während der Kotstuhl tatsächlich existiert, gehen die meisten Historiker inzwischen davon aus, dass die Päpstin Johanna frei erfunden war. Der Historiker Michael Hesemann bezeichnete die Geschichte etwa als „Märchen für Erwachsene“. Schon die Daten passen nicht zusammen: Nachfolger von Leo IV. war nämlich keinesfalls Johannes VIII. – den es tatsächlich gab und der erst 872 den heiligen Stuhl bestieg –, sondern Benedikt III., der von 855 bis 858 im Amt war. Doch da diese Zeit genau jener entspricht, in der Päpstin Johanna amtiert haben soll, hält sich allerdings bis heute die Behauptung, Benedikt III. sei von der katholischen Kirche erfunden worden, um den Schmach der Päpstin zu vertuschen.

Ist die Legende nur Ergebnis von Spott?

Woher das Gerücht um die Päpstin genau kommt, ist unklar. Eine Hypothese: Kritiker warfen Papst Johannes VIII. vor, sein Umgang mit dem byzantinischen Patriarchen Photios I. sei zu weich und damit zu „weibisch“ gewesen. Aus diesen Vorwürfen sei dann die Legende um die Päpstin Johanna entstanden, wie Historiker Hesemann dem Domradio sagte. Die zweite mögliche Erklärung: die bereits erwähnte „Vicus Papessa“. Die Straße sei in Wahrheit nicht nach der gebärenden Päpstin benannt, sondern nach der Adelsfamilie Papes.

Der Mythos um die Päpstin lebt dennoch bis heute weiter. Befeuert von Spielfilmen (etwa „Die Päpstin“, 2009) und Romanen, aber auch von Münzen aus jener Zeit, deren Prägung auf Unstimmigkeiten hindeutet. Eine seriöse zeitgenössische Quelle über die erste Frau auf dem Heiligen Stuhl fehlt aber bis heute.