• Die längste Papstwahl der Geschichte fand in der italienischen Stadt Viterbo statt
  • Die anwesenden Kardinäle konnten sich auf keinen Kandidaten einigen
  • Schließlich griffen die Bürger Viterbos zu drastischen Maßnahmen

Die Papstwahl folgt festen Ritualen – und manchmal geht alles ganz schnell. Sowohl 2005 bei der Wahl von Benedikt XVI. als auch 2013, als Franziskus zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche wurde, dauerte das Konklave gerade einmal zwei Tage. In kürzester Zeit erreichten die Kardinäle die notwendige Zweidrittelmehrheit. Weißer Rauch stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle auf, kurz darauf verkündet der Kardinal-Protodiakon auf dem Petersplatz das berühmte „Habemus Papam“.

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Dass es überhaupt ein Konklave gibt und die Wahl des Oberhauptes der katholischen Kirche seitdem recht rasch vonstattengeht, liegt an einem Extremfall, der sich vor über 750 Jahren in Viterbo, etwa 80 Kilometer nördlich von Rom gelegen, zugetragen hat. Dort war am 29. November 1268 der amtierende Papst Clemens IV. gestorben. Er hatte sich aus Rom in das Städtchen geflüchtet, weil ihm die Lage am Tiber zu heikel geworden war. Rivalisierende Guelfen und Ghibellinen kämpften um die Vorherrschaft. Clemens, ein erbitterter Gegner der zweiten Fraktion, fürchtete in der Ewigen Stadt um seine Sicherheit und war Richtung Norden ausgewichen.

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Nach Clemens‘ Tod hatte das Kardinalskollegium die Aufgabe, einen Nachfolger zu wählen. 19 Kardinäle versammelten sich in Viterbo, um einen neuen Papst zu bestimmen – ein Unterfangen, das von Beginn an praktisch zum Scheitern verurteilt war. Das Kollegium war heillos in zwei Lager gespalten, die notwendige Zweidrittelmehrheit schien unerreichbar. Immer wieder kamen die Kardinäle im päpstlichen Palast zusammen, tauschten sich aus, stritten sich und gingen anschließend wieder nach Haue. Weit hatten sie es nicht, da viele von ihnen Immobilien in Viterbo besaßen und dort sehr angenehm lebten. Zudem konnten sie auf das Vermögen des Heiligen Stuhls zugreifen und wurden von der Stadt Viterbo verköstigt.

Konklave beginnt möglicherweise schon vor 15. März
Kardinäle versammeln sich in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (Archivbild von 2005)© picture alliance / dpa | epa Osservatore Romano Pool

Über Tage, Wochen, Monate zog sich das Spiel ergebnislos hin. Die Kardinäle konferierten und gingen ergebnislos auseinander. Den Bürgern und den Stadtverordneten Viterbos platzte schließlich der Kragen. Sie ergriffen Maßnahmen und ließen die Stadttore schließen. So konnte kein Kardinal Viterbo verlassen. Wichtiger: Es konnte auch niemand hinein, der die Kardinäle hätte bestechen können, um für „ihren“ Kandidaten zu stimmen.

Die Maßnahmen zeitigten jedoch nicht den gewünschten Erfolg. 1270 ließ der Stadtpräfekt das Kollegium schließlich im Palast einschließen und bewachen. Als auch das nichts half, wurden den Kardinälen die Rationen gekürzt, im Sommer 1271 gab es dann nur noch Wasser und Brot. Letzteres wurde schließlich auch noch weggelassen. Im Sommer begannen die wütenden Bürger von Viterbo sogar damit, das Dach des Palastes abzudecken. Die Würdenträger waren nun Wind und Wetter, vor allem aber der sengenden Hitze ausgesetzt. Eine Art natürliche Auslese hatte das Kollegium inzwischen dezimiert. Drei Kardinäle waren gestorben, einer hatte sich aus dem Staub machen können.

Die Verbliebenen kamen schließlich unter Gottes freiem Himmel und unverstelltem Zugang durch den Heiligen Geist zur Vernunft und wählten am 1. September 1271, nach 1005 Tagen, den 61-jährigen Italiener Tebaldo Visconti, Erzdiakon von Lüttich, zum neuen Papst. Der wusste allerdings nichts von der Ehre, da er sich zum Zeitpunkt der Wahl auf einer Pilgerreise durch das Heilige Land befand. Erst 1272 kehrte er zurück und wurde als Papst Gregor X. inthronisiert. Gregor hatte aus dem Wahldebakel gelernt und verfügte am 16. Juli 1274 mit seinem Dekret „Ubi periculum“, dass sich die Kardinäle bis zum Abschluss der Wahl strikt von der Außenwelt zu isolieren hätten.

Papst Franziskus gestorben - Großbritannien
Medienecho in britischen Zeitungen nach dem Tod von Papst Franziskus© Kin Cheung/AP/dpa | Kin Cheung

Das Konklave im eigentlichen Sinne war geboren, auch wenn die Regelungen über die Jahrhunderte immer wieder modifiziert wurden, zuletzt durch Papst Johannes Paul II. Der sorgte 1996 für eine erhebliche Erleichterung, indem er den Konklavebereich von der Sixtinischen Kapelle und den umliegenden Räumlichkeiten auf den gesamten Vatikanstaat ausweitete. Die Kardinäle müssen seitdem nicht mehr unter zweifelhaften hygienischen Bedingungen auf engstem Raum in lediglich durch Vorhänge getrennten Betten schlafen, sondern kommen im nahen Gästehaus Sanctae Marthae unter – eine für alle Beteiligten saubere und durchweg appetitlichere Lösung.