Jahrzehntelang war Nina Ruge eine der prominentesten Moderatorinnen im deutschen Fernsehen. Die inzwischen 68-Jährige hat sich jedoch längst ein anderes Fachgebiet erschlossen – als Autorin von Büchern über gesundes Älterwerden. Ihr neuester Ratgeber trägt den Titel „Ab Morgen jünger!“ (Heyne Verlag). Im Interview erklärt sie, wie sie dieses Thema für sich entdeckte, warum ihre TV-Karriere zu Ende ging und ob auch ihr Mann ihre Gesundheits-Tipps beherzigt.

Viele kennen Sie noch aus Ihrer TV-Zeit. Wie kam es dazu, dass Sie sich zur Anti-Aging-Expertin entwickelten?

Nina Ruge: Mit Verlaub: Der Ausdruck „Anti-Aging“ ist schon lange in Verruf geraten. Ich spreche von „Healthy Longevity“ – also von „gesund alt werden“. Ich bin studierte Biologin, und habe mich immer für die Themen „Medizin und Gesundheit“ interessiert. Deshalb habe ich bereits 2008 ein erstes Buch zu dem Themenbereich veröffentlicht.

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Dann habe ich im Rahmen der Moderation eines Forschungspreises einen Stammzellenexperten und Regenerationsmediziner getroffen, der zu mir meinte, er würde gerne ein Buch zum Thema „Healthy Longevity“ schreiben, aber er hätte keinen populärwissenschaftlichen Stil. Ich habe mich dann reingefuchst und fand das Thema unendlich spannend. 2020 kam Corona, ich habe all meine Jobs verloren und folglich viel Zeit, mich damit intensiv zu beschäftigen. Jetzt ist mein fünftes Buch zu „Healthy Longevity“ erschienen, und mit meinem wöchentlichen Podcast „Stayoung“ erreiche ich Hunderttausende.

Nina Ruge: „Alterskrankheiten wie Diabetes haben wir noch nicht im Griff“

Sie sind seither nicht mehr ins Rampenlicht des Fernsehens zurückgekehrt. Woran liegt das?

Ruge: Das ist senderpolitisch ganz normal. Wo sind die Frauen über 60 im deutschen Fernsehen? Als ich 2017 meine letzte Sendung im Bayerischen Rundfunk moderiert hatte, war ich 61. Mir war damals klar, dass ich die Halbwertszeit längst überschritten hatte. 

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Sie sind nun 68. Vermutlich fühlen Sie sich jünger.

Ruge: Ja, aber das gilt für meine ganze Generation. Wir können uns mit den Attributen, die man einer über 50-, 60- oder 70-Jährigen zuschreibt, nicht mehr identifizieren. Die Selbstwahrnehmung passt nicht mehr zu diesen Klischees. Denn unsere Welt ist eine ganz andere. Wir haben enorm viel über Gesundheit und Alterungsprozesse gelernt. Es gibt eine deutlich verbesserte medizinische Betreuung. Allerdings: Die Alterskrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs, Diabetes und vieles anderes haben wir noch nicht im Griff. Da heißt es frühzeitig vorbeugen. 

Welche Sicht auf das Alter bzw. Älterwerden hatten Sie in jungen Jahren?

Ruge: Ich habe mich nicht damit beschäftigt. Das Altern war einfach zu weit weg, ich fand das natürlich nicht wirklich attraktiv.

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Das empfiehlt die Autorin als Basis für ein gesundes Leben

Ihr Buch zeigt, dass das Thema „gesund altern“ hochkomplex ist. Gibt es denn eine Faustregel?

Ruge: Das Thema wird auch immer extrem komplex bleiben. Wer behauptet, es gäbe eine Pille gegen das Altern, der lügt. In meinem Buch „Verjüngung ist möglich“ habe ich die Möglichkeiten, dem Altern vorzubeugen, in das Bild der „Langlebigkeitspyramide“ gefasst: Den Sockel bildet der Lebensstil.

Wir wissen heute bis in die Zellfunktion hinein, wie Ausdauer- und Kraftsport, pflanzenbasierte Ernährung oder ausreichende Tiefschlafphasen den Alterungsprozess verlangsamen können. Darüber ist die Ebene der Nahrungsergänzungsmittel und der Hormonersatztherapie für die Frau, die unglaubliche Effekte hat. An der Spitze der Pyramide stehen sie Zukunftstherapien. Dazu gehören Medikamente, die lang im Einsatz sind wie Diabetesmedikamente, die wahrscheinlich mehrere Langlebigkeitseffekte haben können. 

Fitnessmesse Fibo 2024
Nina Ruge auf der Fitnessmesse Fibo. Trends rund um Fitness, Wellness und Gesundheit interessieren die Buchautorin sehr. © picture alliance/dpa | Thomas Banneyer

Sie sind seit 2001 verheiratet. Welche Wirkung haben erfüllte Partnerschaften auf die Langlebigkeit?

Ruge: Gelingende, herzliche Beziehungen – ob Freundschaft, Familie oder Paarbeziehung – tragen nachweislich dazu bei, die gesunde Lebensspanne zu verlängern. Heute wissen wir, dass Hormone und Neurotransmitter unser autonomes Nervensystem positiv beeinflussen – uns also helfen, aus Dauerstress-Symptomen in die regenerierende Entspannung zu kommen. Sie stabilisieren Herz und Kreislauf und außerdem unser Immunsystem.

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Allerdings stehen Sie ganz schön unter Stress, denn Sie reisen von einem Kongress zum nächsten. Wie gelingt es Ihnen, dass die Anstrengung nicht überhandnimmt?

Ruge: So richtig gelingt mir das nicht. Meine Leidenschaft für das Thema „Gesunde Langlebigkeit“ ist groß. Mehr Balance wird schon kommen! 

Angesichts der veränderten Alterswahrnehmung könnten Sie doch als Moderatorin ins Fernsehen zurückkehren. Oder gibt es da trotzdem keine Chance?

Ruge: Die TV-Anstalten verlieren ihre jüngeren Zuschauer an soziale Medien. Also ist es sehr nachvollziehbar, dass sie Jüngere mit jungen Moderatorinnen anziehen möchten. Ob das gelingen wird, bleibt offen. In den USA hat der Trend zu Vielfalt auch die verschiedenen Altersgruppen erfasst. Dort sind durchaus Ältere in den Medien präsent. Bei uns wird das noch dauern.

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Ruge über Beziehung: „Mein Mann macht alle Präventions-Checks“

Beherzigt eigentlich Ihr Mann Ihre Erkenntnisse und Rezepte in Sachen „Jungbleiben“?

Ruge: Partiell. Er mag Fleisch und Süßes, ist kein Fan von Gemüse. Aber er hat schon einiges umgestellt und schätzt meine Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel. Er geht mit mir Laufen, „trackt“ seinen Schlaf und macht alle Präventions-Checks, die ich ihm empfehle.

Gegen den Tod helfen allerdings alle Mittel nichts. Haben Sie angesichts der Endlichkeit eine Liste dessen, was Sie noch schaffen und erleben wollen?

Ruge: „Bucket lists“ gehören nicht zu meinem Leben. Mir ist bewusst: Uns läuft die Zeit davon. Ich bin aber damit einverstanden, denn ein gut gelebtes Leben ist lang, und mein Leben war bislang ein erfülltes. Allerdings: Leiden am Ende – davor fürchte ich mich.

Haben Sie denn eine Ziel- oder Wunschzahl, wie alt Sie werden wollen? 

Ruge: Sagen wir: Gesund 90 werden und dann schnell sterben!