August Macke (1887-1914) hat eine Reihe von Techniken und Kunstrichtungen ausprobiert und kombiniert: Lichteffekte der Impressionisten etwa oder Elemente des Frühkubismus und Futurismus. Und schließlich seinen eigenen, persönlichen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Wie eben bei dem Bild seiner tief in ihre abendliche Lektüre versunkenen Jugendliebe und Frau Elisabeth auf dem Gemälde „Die Frau des Künstlers“ von 1912. Ein glücklicher, ruhiger, ja nachdenklicher Moment, konzentriert und dabei gelassen. Das Bild wurde 1955 durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West) erworben, gehört derzeit zum Bestand der Neuen Nationalgalerie und wird in deren Depot aufbewahrt.

August Macke: Spiel mit den Strömungen der Kunst

Bei den träumerisch wirkenden Gemälden Mackes steht der Mensch im Mittelpunkt, im Moment reglosen Innehaltens, oftmals den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen, gedanklich weit weg vom Hier und Jetzt.

In jenen unsicheren und mit negativer emotionaler Energie geladenen Zeiten Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte August Macke, eine alternative Realität zu schaffen – expressiv und abgekehrt von der ihn umgebenden Wirklichkeit, gleichzeitig schön und vertraut. Und mit einer ausdrucksstarken, innovativen Bildsprache, als Akteur einer sich wandelnden Welt der Kunst, die sich in unterschiedlichen, mitunter gegensätzlichen Strömungen entwickelte.

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August Macke: „Die Frau des Künstlers“ (1912). Das Gemälde befindet sich aktuell im Depot der Neuen Nationalgalerie und ist nicht ausgestellt
August Macke: „Die Frau des Künstlers“ (1912). Das Gemälde befindet sich aktuell im Depot der Neuen Nationalgalerie und ist nicht ausgestellt© Jörg P. Anders | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Mitten in dieser experimentellen Phase stand August Macke in kreativem Austausch mit Künstlern der Moderne, beteiligte sich beispielsweise am Almanach „Der Blaue Reiter“ der gleichnamigen Künstlergruppe um Wassily Kandinsky und Franz Marc, mit dem ihn eine jahrelange Freundschaft verband.

„Für Macke mit seiner starken Affinität zur modernen französischen Kunst, die vordergründig stets den Augenblick, das gegenwärtige Leben zum Thema hat, war seine Frau das ideale Modell“, schreibt die Kunsthistorikerin Angelika Wesenberg. Über zweihundertmal hat der Künstler seine Frau porträtiert, die später verrät: „Diese Sitzungen sind mir in besonders schöner Erinnerung, es war für mich ein Dazugehören und Mitschaffen bei seiner Arbeit.“

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So hat sie miterlebt, wie Macke Maltechniken und Stilmittel anderer Künstler in seinen Werken verarbeitet. Bei der „Frau des Künstlers“ sei beispielsweise nach Meinung von Experten der Einfluss von Henri Matisse und dessen fauvistischen Bildstil sichtbar. Dennoch überwiege auch hier das meditative Element. „Mackes Idee von einem kontemplativen Leben ließ sich offenbar im Bild der städtischen Frau am besten darstellen.“, meint Angelika Wesenberg.

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Dem Grauen des drohenden Unheils eine paradiesische Welt voller Harmonie und Schönheit entgegenzusetzen, war für den Künstler, dessen helles, klares, heiteres Wesen seine Freunde, wie etwa Franz Marc, schätzten, ein mentaler Ausweg. Seine Art, mit den dunklen Vorahnungen umzugehen angesichts der schrecklichen Nachrichten aus den Regionen der Balkankriege etwa, die ihm den Schlaf raubten, wie der Autor Roland Künzel in seinem Roman „Blaue Reiter vor Verdun“ erwähnt.

August Macke: Vorahnung der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Macke hat sie wohl gespürt, die nahende Katastrophe. Und versucht, ihr auszuweichen, in seine heile, märchenhafte Parallelwelt. Und wurde dennoch eingeholt: unerbittlich. Das junge Leben dieses talentierten Künstlers mit dem kreativen Potenzial – brutal ausgelöscht auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs. Am 26. September 1914 fiel August Macke, erst 27-jährig, in der französischen Champagne.

Elisabeth, die Frau an seiner Seite während seiner kurzen, aber intensiven, produktiven Schaffenszeit, hat seine Werke, Visionen aus Licht, Farbe und Poesie, durch zwei Weltkriege hindurch für die Nachwelt gerettet, durch Schenkungen und Verkäufe der Öffentlichkeit präsentiert, ihre Erinnerungen an ihn und seine künstlerischen Gedanken aufgeschrieben und so schließlich zu seiner Bekanntheit als einen der bedeutendsten Meister des deutschen Expressionismus beigetragen.