Seit Juli ergänzen in Potsdam vier neue Werke die größte Monet-Sammlung außerhalb von Paris. Am Mittwoch wurden weitere vier Neuerwerbungen vorgestellt, Gemälde von jüngeren Zeitgenossen Monets. Insgesamt also acht neue, millionenschwere Bilder, die 2022 von der Hasso-Plattner-Stiftung für die Impressionismus-Sammlung des Museums Barberini angekauft wurden.

Entsprechend stolz waren die Direktorin Ortrud Westheider und der Kurator Daniel Zamani bei der ersten – die restlichen Bilder kommen im Laufe des kommenden Jahres dazu – Hängung im zweiten Stock des Museums im Saal der „Küsten Europas“: Die Venedigansicht „Rio San Trovaso“ von 1903/04 ist ein spätes Hauptwerk des Neoimpressionisten Henri Edmont Cross (1856-1910), der den Besuchern wohlbekannt ist durch eine Einzelausstellung vor drei Jahren. Dieses Bild aber war schon anlässlich der legendären Kölner Sonderbund-Schau 1912 in Deutschland zu sehen, bei der die internationale Avantgarde das wilhelminische Deutschland schockierte. Nun funkelt es in pastös aufgetragenen juwelenartigen Farben mit Monets zwei Jahre später entstandenen Venedigansichten um die Wette.

Ebenfalls neu im Museum Barberini: „Die Seine bei Pont Saint-Michel“ von Maximilien Luce.
Ebenfalls neu im Museum Barberini: „Die Seine bei Pont Saint-Michel“ von Maximilien Luce. © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Im „Paris“-Saal wird künftig Maximilien Luce (1858-1941), wie Cross Neoimpressionist und Pointillist, mit einer Seine-Ansicht von 1900 dem Auge des Betrachters beweisen, dass man Farben nicht auf der Palette mischen muss, um einen stimmungsvollen Stadtausschnitt zu erzeugen, sondern auch mosaikartig nebeneinander auftragen kann.

Der jüngste Künstler unter den Neuerwerbungen, der Postimpressionist Pierre Bonnard (1867-1971), der von sich selbst als vom letzten Impressionisten sprach, wird mit einem Stillleben aus dem Jahre 1939 die Sammlung zeitlich abgrenzen.

Während Luce und Bonnard neu in Potsdam sind, gibt es von Gustave Caillebotte (1848-1894) nun insgesamt sieben Bilder. Sein Ruhm kam erst spät, weil er als reicher Mäzen zwar selber viel gesammelt und später seine Sammlung dem Staat Frankreich vermacht hat, seine eigenen Werke aber nicht verkaufen musste und sie so bis heute in Privatbesitz verblieben. Bislang waren im Museum Barberini seine perspektivisch ungewöhnlichen Stadtansichten vorherrschend, nun wird die Sammlung um ein Gartenbild seines Landsitzes bei Paris von 1882-1884 ergänzt.

2023 wird für das Museum Barberini ein spannendes Jahr. Schon der Februar wartet mit einer Sensation auf: Monets „Impression“, sein berühmter Sonnenaufgang, der der ganzen Bewegung ihren Namen gab, wird anlässlich einer Ausstellung, die sich ikonografisch mit der Sonne beschäftigt, von Paris nach Potsdam entliehen.