Ausstellungen zum Impressionismus begegnen uns derzeit allenthalben. Im Frankfurter Städel ist noch bis Mitte Juni „Monet und die Geburt des Impressionismus“ zu sehen, die Hamburger Kunsthalle zeigt unter dem Titel „Verzauberte Welt“ Postimpressionisten und im Kunsthaus Zürich endet nächsten Monat die Schau „Monet, Gaugin, van Gogh... Inspiration Japan“, desgleichen „Inventing Impressionism. The man who sold a thousand Monets“ in der National Gallery, London. Selbst das Kunstmagazin „art“ hat es sich ob der Fülle nicht nehmen lassen, ein Sonderheft zu diesem Stil der Malerei herauszugeben.

Und dennoch darf man auf die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin gespannt sein, die am 22. Mai eröffnet. Freilich, das Kürzel „ImEx“, mit dem vorrangig geworben wird, wirkt wenig gelungen. Wem würde schon spontan einfallen, dass es sich um den Zusammenzug von Impressionismus – Expressionismus handelt? Da hilft es auch nichts, dass die Typographie versucht, auf Ladenschilder der Jahrhundertwende zu verweisen: Import und Export soll auf die zwei Kunststile bezogen werden. Denn bekanntlich ist ja in Frankreich der Impressionismus und in Deutschland der Expressionismus entstanden, was dann jeweils das eine von dem anderen Land übernahm.

Doch zurück zum Anfang. Diese Schau dürfte so spannend werden, weil erstmals impressionistische und expressionistische Gemälde nicht mehr antithetisch gegenüber gestellt werden. Nur allzu verfestigt hat sich im Laufe der Zeit die Meinung, dass der Impressionismus eine typisch französische Welthaltung ausdrücke, leicht und lebensfroh, zugleich als bloßes Oberflächenphänomen charakterisiert, während der Expressionismus allein die deutsche Haltung widerspiegle, eine seelisch vertiefte Ausdruckskunst, verbunden mit einer gewissen Bodenständigkeit und Schwere.

Indem nun Werke der einen und der anderen Kunstrichtung jeweils paarweise nebeneinander gehängt werden, kann ein Dialog zwischen den Bildern entstehen. Hier wird sich überprüfen lassen, ob die auf den ersten Blick so diametral unterschiedlich wirkenden Gemälde beider Stile, die zeitlich nur einige Jahrzehnte – wenn überhaupt – auseinanderliegen, tatsächlich so weit von einander entfernt sind.

Beide Richtungen faszinierte die Großstadt

Der Kuratorin Angelika Wesenberg zufolge sind gemeinsame Wurzeln von im- und expressionistischen Werken bei genauer Betrachtung viel häufiger zu erkennen, als bislang festgestellt wurde. Das beginnt allein schon bei der Motivwahl. Beide Richtungen faszinierte die Großstadt, die sich in Zeiten der Industrialisierung beständig wandelte. Werke von Claude Monet, Camille Pissarro auf der einen Seite und Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner auf der anderen zeugen davon.

Bedingt durch die Industrialisierung eröffnete sich fernerhin der Bereich der Freizeit, der sich gleichfalls als bildwürdig erwies. Überzeugend werden Marie Bracquemonds „Teestunde“ (1880) und Kirchners „Grüne Dame im Gartencafé“ (1912) miteinander konfrontiert. Als letztes Beispiel sei noch das große Thema der Badenden erwähnt, das allerdings durch die antiken Mythen schon lange zum Standard der Malerei zählte. Wiederum bestechend wirken hier Pierre-Auguste Renoirs „Badende“ (um 1903) und Max Pechsteins „Sitzendes Mädchen“ (1910) zusammen.

Begünstigt wurde die Ausstellung dadurch, dass die Berliner expressionistischen Werke seit Anfang des Jahres keine Heimat mehr haben. Die Neue Nationalgalerie, in der sie sonst zu sehen sind – fein säuberlich von den Impressionisten in der Alten Nationalgalerie getrennt – wird saniert. Man darf aber nicht vergessen, dass sie zu Anfang des 20. Jahrhunderts in demselben Haus untergebracht waren, in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzenpalais. Impressionismus und Expressionismus gehörten also auch damals schon zusammen.

Tipp: Das VIP-Ticket ist bereits jetzt online zu erwerben unter www.imexinberlin.de.

Mit ihm können Warteschlangen umgangen werden.

Impressionismus - Expressionismus. Kunstwende. 22.5. bis 20.9.2015. Alte Nationalgalerie, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin