Am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg macht demnächst ein neuer Kaffeeladen auf. Darüber bin ich wirklich traurig. Nicht, weil ich Kaffee nicht mag, das ist ein prima Getränk. Aber der neue Kaffeeladen ist dort leider so überflüssig wie das Fensterputzen im Dezember. Denn direkt links vom Kaffeeladen in spe gibt es: einen Kaffeeladen. Und rechts davon: einen Kaffeeladen. Und gegenüber auch. Und 20 Meter südlich – Sie ahnen es – auch.
Überhaupt ist diese ganze Gegend völlig coffeeshopisiert. Würde man einen grob geschätzten 50- bis 100-Meterradius rund um die U-Bahnstation Eberswalder Straße ziehen, lägen darin mindestens elf Kaffeeläden – und zählt man Konnopke’s dazu, die ja auch ehrlichen schwarzen Kaffee verkaufen, sogar zwölf. Die ganzen Spätis sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Ich bin nicht sicher, ob die Betreiber des neuen Kaffeeladens nun besonders dumm oder besonders clever sind. Einerseits herrscht natürlich der böse Kapitalismus, die Nachfrage bestimmt das Angebot und offenbar ist genug Nachfrage da. Es ist also das gute Recht des neuen Kaffeeladens, diese auch zu bedienen.
Andererseits werden wegen des neuen Kaffeeladens wahrscheinlich nicht mehr Menschen als vorher Kaffee trinken – der neue Koffeintempel dürfte also weniger Kunden haben als an einem Ort mit geringerer Coffeeshop-Dichte. Die Konkurrenz wiederum muss sich noch verrücktere Kaffeekreationen ausdenken, um die Prenzlberger bei Laune zu halten. Ich möchte mir lieber nicht ausmalen, wohin das führen soll.
Coffee-to-go-Becher sind einfach nur unpraktisch
Aber vielleicht droht der ganzen Branche sowieso bald der wirtschaftliche Tod. In der vergangenen Woche haben Umweltschützer und Berliner SPD- und Grünen-Politiker eine 20-Cent-Abgabe auf Coffee-to-go-Becher gefordert. Weil die Dinger wahnsinnig viel Müll verursachen und das hochsensible ökologische Gleichgewicht Berlins völlig aus den Fugen gerät.

170 Millionen Kaffeepappbecher verbrauchen die Berliner pro Jahr. Aneinandergelegt ergibt das eine Kaffeepappbecherschlange von ungefähr 17 Millionen Metern. Das entspricht rund 42 Mal der Strecke von Berlin bis Delmenhorst. Und da will man normalerweise nichtmal ein einziges Mal hin.
Es gibt aber noch andere Gründe, Kaffeepappbecher abzulehnen. Der wichtigste ist wohl, dass sie in Wahrheit total unpraktisch sind. Problem Nummer eins: Sie sind immer so randvoll, dass keine Milch mehr hineinpasst und der Kaffee trotz des Plastikdeckels bei jedem Schritt über die Ränder schwappt. Wer einem Bus hinterherlaufen muss, kippt dabei die Hälfte der Brühe auf den Bürgersteig.
Problem Nummer zwei: Die Becher sind einfach immer zu heiß. Ohne Handschuhe kann man sie kaum festhalten, wenn nicht eine extra Pappmanschette rumgewickelt ist. Und wenn doch, verbrüht man sich beim ersten Schluck die Zungenspitze. Den ganzen Tag bleibt dort dann ein seltsam taubes Gefühl zurück. Man lässt den Kaffee also 20 bis 30 Minuten abkühlen, und wenn er endlich trinkbar ist, ist man im Büro angekommen, wo es Kaffee zu einem Zehntel des im Coffeeshop bezahlten Preises gibt.
Nein, keinen Extra-Shot und keinen Flavour
Richtig schlimm sind aber auch Coffeeshop-Verkäufer, wenn einer Bestellung acht Nachfragen folgen. „Hallo, ich hätte gern einen mittleren Café latte zum Mitnehmen.“ Kaffeeverkäufer: „Darf’s ein Extra-Shot von unserem Kolumbien-Espresso sein?“ Kunde: „Nein, vielen Dank.“ Verkäufer: „Magst du deine Latte mit Flavour?“ Kunde: „Einfach ganz normal.“ Verkäufer: „Für zwei Euro ein Croissant oder einen Apple Pie dazu?“ Kunde, lächelt gequält: „Nein, wirklich nur den Kaffee.“ Kaffeemann: „Hast du schon unsere Kundenkarte, mit der du in allen Filialen bargeldlos bezahlen kannst?“ „Nein“ Verkäufer: „Hast du vielleicht Interesse daran?“ Kunde: grummelnd ab.
Ich persönlich trinke meinen Kaffee ja am liebsten mit Milch, etwas Zucker und vor allem schweigend. Glaub’ aber nicht, dass das in Berlin noch irgendwo zu bekommen ist.

Kolumne "Mein Berlin":
In Berlins Kneipen ist es klebrig, laut und keiner bekommt, was er bestellt. Ein Lob an einen Ort des Rausches und der Menschlichkeit.
Sie stellen ihre Tasche auf den Sitz, drängeln und pöbeln. In Berlins Bussen und Bahnen sind mitunter seltsame Menschen unterwegs.
Über die Stadt wird ziemlich viel gemeckert. Dabei gibt es in Berlin so viel charmanten Wahnsinn und Weltoffenheit, meint Nina Paulsen.
2017, 2018 oder doch später? Eigentlich egal, wann der BER eröffnet. Mit seinem Wellblech-Charme ist der TXL sowieso unwiderstehlich.
Berlin ist Hauptstadt der Ledigen. Kein Wunder, schaut man sich die absurden Angebote in Online-Partnerbörsen an




