Am vergangenen Wochenende landete ich auf dem Flughafen Tegel. Was für ein tolles Gefühl! Endlich wieder zu Hause ankommen, vor allem, weil ich davor stundenlang auf einem schmalen Sitz eingeklemmt war – zwischen einer Dame, die ihre Armlehne mit rabiaten Ellenbogenstößen verteidigte und einem Herren, der ununterbrochen Tomatensaft trank. Ich verstehe diese ganze Tomatensaftsache in Flugzeugen nicht, deshalb macht mich das unterschwellig immer ein bisschen aggressiv.

Jedenfalls hielt die Maschine nach dem Landen mitten auf dem Rollfeld. Die Passagiere mussten in einen Bus steigen, um zum Terminal gefahren zu werden. Alle quetschten sich mit ihren Trolleys, Rucksäcken und aufblasbaren Nackenhörnchen eng aneinander. Viel zu eng. „Und wennse jetz’ die Tür freimachen, kann ick ooch losfahrn“, schnauzte der Busfahrer durch die Lautsprecher. Neben mir zuckte eine Frau erschrocken zusammen. Hach! So schön wird man doch nur in Berlin begrüßt.

Die Toiletten am Airport sind eine Zumutung

Tegel, ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich habe oft über dich geschimpft, aber jetzt weiß ich: Du bist ein wirklich super Flughafen, denn du machst keinem etwas vor. Als Tor nach Berlin bist du einfach genau so, wie Berlin selbst: In manchen Ecken ziemlich gammelig, eher so mittelmäßig organisiert, die Toiletten sind eine Zumutung – und man braucht ein wirklich dickes Fell, um durchzukommen. Wo könnten Touristen einen besseren Vorgeschmack bekommen auf das, was sie in der Stadt erwartet?

Alle anderen Flughäfen sind doch nur Blender. Paris zum Beispiel. Da schnurrt ein schicker Shuttlezug zwischen den Terminals hin und her, als gäbe es keine überfüllten U-Bahnen in der Stadt. Und in der weiß glänzenden Abflughalle sitzt man zwischen Boutiquen von Hermès und Louis Vuitton. Mich würde interessieren, ob sich tatsächlich Menschen die Wartezeit vertreiben, indem sie mal eben eine 3000-Euro-Handtasche shoppen gehen.

In Berlin ist das provisorische Air-Berlin-Terminal mit seinem Wellblechdach dagegen natürlich ein Witz. Man kann froh und dankbar sein, wenn man nach der Sicherheitskontrolle überhaupt noch irgendwo ein paar Gummibärchen und einen Schluck lauwarmes Wasser bekommt. Dafür ruckelt man auf dem Weg zum Airport mit der TXL-Linie von der Beusselstraße kommend an der „Freundlichen Bäckerei“ vorbei. Merke: Im Vergleich zu Paris ist zwar alles etwas einfacher, aber dafür sympathisch.

23.000 Menschen melden sich zur BER-Abrissparty an

Und dann die viel gelobten, superkurzen Wege. Vom Flieger über das Gepäckband auf die heimische Couch kann man es hier in unter einer halben Stunde schaffen – der Stau auf A 111 und A 100 ist hier natürlich schon großzügig mit eingerechnet. Ich habe jetzt zwar keine empirische Studie angefertigt, aber wage mal die These: Das gibt es in keiner anderen Stadt der Welt. Zumindest nicht in Deutschland.

Beispiel Schönefeld: SXF ist wirklich obergammelig und liegt absolut außerhalb. In München ist eine 45 Minuten dauernde S-Bahn-Fahrt aus der Pampa in die City nötig, um halbwegs in der bayerischen Zivilisation anzukommen. Mithalten mit Tegel kann höchstens der Airport in Hamburg. Der liegt auch ziemlich zentral und ist seit einiger Zeit sogar mit der S-Bahn zu erreichen. Aber hier ist der große Nachteil eben: Hamburg. Damit ist ja auch keinem geholfen.

Ich würde Tegel wirklich gern behalten. Das mit dem BER wird doch sowieso nichts, zuletzt wackelte ja schon wieder das Startdatum Ende 2017. Bei Facebook laden ein paar Scherzkekse zur Eröffnung im Jahr 2029 ein – wenn das mal nicht optimistisch ist. Gut gefällt mir aber auch eine Gruppe, die direkt eine Abrissparty an Silvester 2016 am BER veranstalten will, mehr als 23.000 Menschen haben sich angemeldet.

Wobei man das natürlich auch schon auf dieses Jahr verlegen könnte, die meisten Menschen wissen doch eh bis kurz vor Schluss nicht, wo sie feiern sollen. Ich würde kommen. Aber nur, wenn es keinen Tomatensaft gibt.

Nina Paulsen / Berliner Morgenpost
Nina Paulsen / Berliner Morgenpost© Reto Klar | Reto Klar

Kolumne "Mein Berlin":