Kommentar

„To go“-Mentalität – So latte darf uns die Umwelt nicht sein

23 Milliarden Einwegbecher werden pro Jahr weltweit verkauft: Und die Menge an Müll durch Coffee-to-go & Co wird auch für Berlin immer mehr zur Belastung. Höchste Zeit umzudenken, meint Diana Zinkler.

Foto: Inga Kjer / dpa

Es ist ja so bequem. Kurz beim Bäcker vorbeigehen und einen Latte Macchiato bestellen. Und los. Den Kaffee genießen wir natürlich im Pappbecher – „to go“. Ohne an die Konsequenzen zu denken.

Früher – vor etwa zehn bis 15 Jahren – bestellte man eine Tasse Kaffee oder ein Kännchen und setzte sich ins Café oder auf die zugehörige Außenbestuhlung. Das Getränk wurde in Porzellan gereicht. Heute in unserer mobilen Zeit trinken wir auf dem Weg von A nach B.

Oder nehmen den Becher mit, um uns an den Sonnenplatz unserer Wahl zu setzen. Genauso wie wir heute unseren Computer und unser Telefon mitnehmen und ein Auto unterwegs leihen können. Das Auto stellen wir dann einfach wieder ab, wo wir wollen. Das Telefon geht zurück in die Jackentasche, das Notebook verschwindet nach Gebrauch wieder im Rucksack. Nur den Kaffeebecher, den schmeißen wir in den Müll.

Coffee-to-go wird zum Problemfall

Und das ist das Problem. Denn weltweit gehen pro Jahr 23 Milliarden Einwegbecher über die Ladentische, schätzt der Naturschutzbund WWF. Würde man die Becher ineinander stecken, ergäbe sich eine Strecke von 2,28 Millionen Kilometer. Und das wiederum entspricht 57 Erdumrundungen. Wäre der Einwegbecher ein richtiger Pappbecher, dann könnte man ihn recyceln. Aber weil er wegen der Wasserdichte im Innern mit Kunststoff beschichtet ist, wandert er auf den Müll und nicht ins Altpapier.

Die neue BSR-Chefin Tanja Wielgoß sagt, dass die durch die Coffee-to-go-Becher entstehende Menge Müll für Berlin immer mehr zur Belastung wird und es Zeit ist, umzudenken. Und damit kann sie eigentlich nur den Verbraucher meinen. Denn wir entscheiden, wie viel Müll wir produzieren. Abhilfe schaffen würde, wenn man den Einwegbecher mehrfach benutzen würde.

Am besten, ohne ihn auszuwaschen, das würde zudem Wasser sparen. Oder aber man kauft sich einen dieser Thermobecher aus Kunststoff oder Metall. Bei einigen Kaffeehaus-Ketten bekommt man mit eigenem Becher sogar Rabatt auf sein Getränk. Das ist dann zwar nicht mehr so bequem und gedankenlos, aber immerhin noch mobil. Denn so latte kann uns die Umwelt nämlich nicht sein.