Als Läuferin oder Läufer, das stelle ich immer wieder fest, entwickelt man die Eigenschaft, Dinge in kürzester Zeit zu verdrängen. Schon wenige Minuten, nachdem man eine Ziellinie überquert hat, rückt die während des Rennens empfundene Anstrengung in den Hintergrund und wird überstimmt von purer Freude, es geschafft zu haben. Noch viel weiter in Vergessenheit geraten die Tage, an denen man das Training verflucht oder gezweifelt hat. Und je weiter ein Ereignis zurückliegt, desto mehr vergisst man offensichtlich auch, wie viel Zeit in die Vorbereitung geflossen ist.

So erkläre ich mir zumindest den kleinen bis mittelgroßen Schock, den ich empfunden habe, als ich vor wenigen Tagen das erste Mal meinen Trainingsplan für den kommenden Marathon geöffnet habe. In der ersten Januarwoche soll es losgehen, dann stehen mir 16 Wochen Vorbereitung bevor, um bis Ende April, wenn der Hamburg-Marathon stattfindet, möglichst fit zu werden. Bislang konnte ich den Trainingsbeginn gedanklich gut als Aufgabe für die Zukunft verbuchen, immerhin befinden wir uns offiziell noch in der Jahreszeit Herbst. Aber jetzt, wo Weihnachten unaufhaltsam näher rückt, lässt es sich langsam nicht mehr leugnen, dass auch der Jahreswechsel gerade mal noch zwei Wochen entfernt ist.

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Marathon-Training: Schon in der ersten Woche stehen zweieinhalb Stunden an

Nun würde ich bei mir auf keinen Fall von einer erfahrenen Marathonläuferin sprechen, sondern mich in dem Bereich als Anfängerin verorten. Aber immerhin habe ich eine Vorbereitung auf einen 42-Kilometer-Lauf schon mal absolviert und auch den Lauf selbst, hier in Berlin, gesund und sogar mit Spaß ins Ziel gebracht. Das Ganze ist jetzt etwa 15 Monate her, und im Rückblick kam mir das Marathon-Training eigentlich gar nicht so schlimm vor. Ja, es gab mehrere lange Läufe, für die – gefühlt – der halbe Sonntag investiert werden musste. Insgesamt ließen sich die meisten Einheiten aber recht gut bewältigen.

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Für den nächsten Marathon habe ich mich für eine etwas längere Vorbereitung entschieden, mit einer Dauer von 16 statt der klassischen zwölf Wochen. Erwartet hatte ich, dass die zusätzlichen Wochen mir einen sanften Einstieg gewähren und mich langsam zu den längeren Distanzen hinführen. Jetzt musste ich allerdings feststellen: Am ersten Januarwochenende soll es direkt mit einer Laufdauer von zweieinhalb Stunden losgehen. Das ist verglichen mit der Zeit, die ich für den späteren Marathon einrechne, immer noch eine überschaubare Dauer. Trotzdem bin ich in diesem Jahr nur einmal länger als zweieinhalb Stunden gelaufen: beim Traillauf durchs Erzgebirge, der noch dazu durch die steilen Anstiege ziemlich viele Gehpassagen enthielt.

Beim Laufen kann man sich selbst immer wieder überraschen

In Summe lässt sich absehen, dass in einigen Wochen mehr als sechs Stunden reines Lauftraining auf mich warten. Das hört sich bei 168 Stunden, die eine Woche insgesamt hat, überschaubar an. Zieht man von dieser Zeit allerdings den Aufwand für einen Vollzeitjob, Aufgaben im Haushalt und nicht zu vergessen: ausreichend Schlaf ab, schrumpft die zur Verfügung stehende Stundenzahl schnell zusammen. Zumal es beim reinen Lauftraining nicht bleibt, sondern dazu noch ausgleichende Einheiten im Fitnessstudio, auf dem Fahrrad oder der Yogamatte kommen. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen das Pensum bewältigen, die auch noch Eltern sind.

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Ich habe als Läuferin aber nicht nur gelernt, dass man Anstrengung und Aufwand einer Vorbereitung schnell verdrängen kann. Sondern auch, dass es immer wieder möglich ist, sich selbst zu überraschen. Darauf setze ich für die ersten Monate des neuen Jahres: dass Einheiten, die jetzt kaum vorstellbar erscheinen, am Ende doch machbar sind. Und dass ich mir dann, wenn die Vorbereitung und der Marathon geschafft sind, sagen werde: war doch alles eigentlich gar nicht so schlimm.