Es mag sein, dass ich ein bisschen parteiisch bin. Aber wenn ich dazu befragt werde, welchen Marathon man einmal laufen sollte, dann würde ich immer sagen: den in Berlin. Die Stimmung, die flache Strecke, die Zielgerade durchs Brandenburger Tor – ich würde behaupten, dass es schwer ist, die Emotionen, die man dort erlebt, zu überbieten. Eine kleinere Studie kommt nun aber zu einem ganz anderen Ergebnis: In dem Ranking zur Frage, welcher der schönste Marathon der Welt ist, landet der Berlin-Marathon nur auf Platz 40 und damit unter den Schlusslichtern.

Zugegebenermaßen wurde fürs Erstellen der Liste eine etwas ungewöhnliche Vorgehensweise genutzt. Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag der Website SportsShoes.com; den Angaben zufolge mit 300 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Um zu ermitteln, welcher der schönste Marathon ist, wurden die Augenbewegungen der Teilnehmer überwacht, während ihnen Bilder der unterschiedlichen Rennen gezeigt wurden. Den Forschern ging es darum zu sehen, welche Bilder die Aufmerksamkeit am schnellsten auf sich zogen und am längsten festhielten. Die Bilder, die die Blicke der Teilnehmer am längsten auf sich zogen, wurden als „die schönsten“ eingestuft, heißt es zur Methode.

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Schönster Marathon der Welt mit überraschendem Ergebnis

Die Marathons, die dabei an der Spitze landen, sind durchaus ungewöhnlich. Es ist eben nicht Berlin, auch nicht New York City oder Chicago. Stattdessen steht ganz oben ein Lauf, von dem ich ehrlich gesagt noch nie gehört hatte: der Big Sur International Marathon in den USA. Ein eher kleines Rennen, mit rund 4500 Läufern, das von Big Sur in Kalifornien über den Highway 1 bis nach Carmel führt. Die Starter sind also ausschließlich auf einer Straße, immer in Richtung Norden und entlang der Küste unterwegs. Und ich muss zugeben: Die Aussicht sieht tatsächlich spektakulär aus.

Um den angeblich zweitschönsten Marathon zu laufen, muss man von Berlin aus in die entgegengesetzte Richtung reisen. Es geht nach China, zum Great Wall Marathon. Wie der Name es vermuten lässt, führt das Rennen über die Chinesische Mauer. Das hört sich allerdings etwas leichter an, als es ist. Bei dem Marathon sind knapp 1300 Höhenmeter zu bewältigen – und mehr als 5000 Stufen. Deutlich näher liegt da Platz drei, gleichzeitig der schönste Marathon in Europa: der „Loch Ness Marathon“. Auch dieser Lauf zählte zuletzt nur wenige Tausend Teilnehmer, punktet durch die besondere Landschaft, und es geht überwiegend bergab. Ein weiterer Vorteil des Laufs übrigens: Er ist für 2026 noch nicht ausgebucht.

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München-Marathon erzielt das beste deutsche Ergebnis

Klassische Städte-Marathons hatten es in der Studie offensichtlich schwerer. Auf den Top-Plätzen findet sich beispielsweise auch der Marathon du Mont Blanc, der sicherlich schön, aber mindestens genauso schwer ist. Um die 42 Kilometer mit mehr als zweieinhalbtausend Höhenmetern zu bewältigen, raten die Veranstalter zu Berglauferfahrung, Sicherheit im Gelände und der Fähigkeit, sich für einige Stunden selbst versorgen zu können. Ebenfalls weit oben tauchen der „Angkor Wat Marathon“ durch die kambodschanische Tempelanlage, der „Niagara Falls Marathon“ oder der „Petra Desert Marathon“ in Jordanien auf. Einzig der „San Francisco Marathon“ schafft es als städtisches Rennen unter die ersten zehn.

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Als bester deutscher Lauf liegt der München-Marathon gerade noch unter den Top 30, hat damit aber zumindest den Wettbewerb gegen Hamburg und Berlin gewonnen. Wie sehr einen das Ranking und die angewandte Eye-Tracking-Methode überzeugen, sollte allerdings jeder selbst entscheiden. Ich würde sagen, für einen guten Marathon braucht es mehr als schöne Bilder – und würde mich niemals davon verleiten lassen, mich allein wegen der Fotos beim Marathon du Mont Blanc anzumelden. Was das Ranking aber beweist: Es kann sich lohnen, auch abseits der großen, bekannten Rennen nach einem Marathon-Ziel zu recherchieren. Und es braucht nicht zwingend Zehntausende Teilnehmer für ein besonderes Lauferlebnis.