Meine üblichen Laufrunden in Berlin führen mal durch Parks, mal am Wasser entlang und mal mitten durch Wohnviertel. Eines haben sie aber gemeinsam: Die Strecken sind flach. Wenn ich bei einem Lauf auf 80 Höhenmeter komme, dann ist das schon viel und erfordert den einen oder anderen zusätzlichen Schlenker über Hügel, die sich im Umfeld der Routen finden lassen. Für dieses Jahr habe ich mir jedoch mehrere neue sportliche Ziele gesetzt. Dazu gehörte es, einen Traillauf mit mehreren Hundert Höhenmetern zu absolvieren.
Und aus diesen „mehreren Hundert“ wurden kurzfristig sogar noch ein paar mehr: Beim Sachsen Trail im Erzgebirge hatte ich mir eigentlich die 22 Kilometer lange Strecke vorgenommen, mich spontan jedoch für die 36 Kilometer lange Distanz umgemeldet. Ein Hoch an dieser Stelle auf die kleineren Veranstaltungen, bei denen das so unkompliziert und ohne Gebühr noch möglich ist. Statt gut 500 kamen so knapp 1000 Höhenmeter zusammen. Der SachsenTrail wurde so zum längsten Lauf meines Lebens.
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Beim Traillauf in Sachsen getestet: Melone mit Salz
Denn auch, wenn die Distanz sechs Kilometer kürzer war als der Berlin-Marathon, habe ich bis ins Ziel gut 20 Minuten mehr gebraucht. Vier Stunden und 54 Minuten lang war ich unterwegs, wobei es beim Traillaufen mehrere Vorteile gibt, wie ich jetzt feststellen konnte: Der erste Punkt sind die Verpflegungsstopps, an denen die meisten Läufer, die nicht um den Sieg oder Bestzeiten mitlaufen, ausgiebiger pausieren als es bei Straßenläufen der Fall ist. Zurecht, immerhin ist das Angebot hier auch deutlich umfassender. Neben den üblichen Getränken und Energiegels gab es etwa Kuchen, Salzstangen, Schokolade, Kartoffeln und diverses Obst. Ich habe mich auf Wassermelone beschränkt, kann jetzt aber zumindest sagen, dass die Stücke auch bestreut mit Salz essbar sind.
Salz und Elektrolyte waren bei der Renndauer vor allem wegen der hohen Temperaturen wichtig, die auch das Erzgebirge nicht verschont haben und sich insbesondere bei den Bergauf-Passagen bemerkbar machten. Hier zeigte sich aber ein weiterer Vorteil des Traillaufens: Man joggt nicht die gesamte Zeit, sondern hat viele Gehabschnitte dabei. Die Abwechslung ist durch diese Wechsel, das ständige Auf und Ab und die verschiedenen Untergründe groß. Die unebenen, oft schmalen Wege erfordern hohe Konzentration, insgesamt vergeht die Zeit so aber auch schneller, als wenn man auf Asphalt nur stur geradeaus läuft.
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SachsenTrail durchs Erzgebirge: Die letzten drei Kilometer führen bergauf
Trotzdem gab es natürlich auch Momente, in denen ich das Berliner Flachland vermisst habe. Als meine Uhr zeitweise eine Steigung von 20 Prozent und mehr anzeigte, habe ich kurzzeitig hinterfragt, warum ich einen Lauf durchs Erzgebirge für eine gute Idee gehalten habe. Genauso zum Ende des Rennens, als eine Helferin uns zurief, dass es bis zum Ziel nur noch drei Kilometer seien – auf denen es blöderweise aber nur noch bergauf geht. Immerhin, fügte sie hinzu, führe die Strecke über schöne Waldwege. Sehr erbaulich. Im Ziel überwog dann aber wieder das Gefühl, dass wir oft zu mehr in der Lage sind, als wir es uns selbst zutrauen und dass es sich lohnt, sich Herausforderungen zu stellen – ohne sich dabei vollkommen zu überschätzen.
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Vor dem Start des SachsenTrails hat eine Bekannte, die schon oft an solchen Läufen teilgenommen hat, zu mir gesagt: Wenn du einmal bei einem Traillauf warst, willst du nichts anderes mehr machen. Es stimmt, die Natur ist beeindruckend und das familiäre Ambiente etwas, das man bei den großen Stadtläufen so nicht findet. Trotzdem ist es für mich kein Entweder-Oder. Mitten durch Berlin zu laufen, vorbei an berühmten Gebäuden und Tausenden Zuschauern und anderen Läufern um mich herum, bleibt für mich genauso besonders. Aber das Event hat mir gezeigt, dass Laufen nicht gleich Laufen ist. Und der Sport so schnell nicht langweilig wird.





























