Städtisches Obdachlosenasyl, Krankenhaus und bald Dienstsitz der Bezirksverwaltung? Das Klinikum Prenzlauer Berg hat viele Facetten der Berliner Stadtgeschichte mitgemacht, Veränderungen erfahren und sich dabei als Institution mehrfach neu erfunden. Auch den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung hat das Klinikum – anders als andere DDR-Krankenhäuser – zunächst überstanden, bis der Sparzwang zuschlug und die letzte Patienten verlegt wurden. Seit 2019 steht der Klinkerbau an der Fröbelstraße im Prenzlauer Berg leer. Alle Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Klinikum Prenzlauer Berg im Überblick:

  • Adresse: Fröbelstraße 15, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg
  • Geschichte: Zwischen 1887 und 1933 Städtischer Obdach "Palme"; ab 1940 als Klinikum Prenzlauer Berg betrieben; nach der Wende Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg; seit 2019 Leerstand
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09090088
  • Status: Lost Place. Planungen sehen Sanierungen und eine Nutzung als Dienstgebäude der Bezirksverwaltung vor

Wo liegt das ehemalige Klinikum Prenzlauer Berg genau?

Das ehemalige Klinikum Prenzlauer Berg liegt in der Fröbelstraße 15 im Stadtteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow. Das Areal ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit der Tramlinie M2 zu erreichen (Haltestelle Fröbelstraße). Von der Haltestelle ist es ein rund fünfminütiger Fußweg entlang der Prenzlauer Promenade und Fröbelstraße bis zu dem Grundstück. Alternativ kann der S-Bahnhof Prenzlauer Allee (S8, S41, S42, S85) genutzt werden, von dem man etwa zehn Minuten benötigt.

Lost Places in Pankow
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    Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Klinikums Prenzlauer Berg:

    Ausgangslage: Die medizinische Versorgung Berlins

    Bis in das 19. Jahrhundert waren öffentliche Krankenanstalten in erster Linie Versorgungsstätten für die Unterschicht. Wer es sich leisten konnte, rief den Arzt zu sich nach Hause oder ließ sich in luxuriösen Privatkliniken und Sanatorien behandeln. Abhilfe sollte die Einrichtung städtischer Krankenhäuser schaffen, wie das 1874 eröffnete Krankenhaus Friedrichshain – das erste städtische Klinikum in Berlin.

    In den 1880er-Jahren konkretisierten sich Pläne für den Prenzlauer Berg: Der Berliner Stadtbaurat Hermann Blankenstein (1829–1910) erhielt 1885 vom Magistrat den Auftrag zur Ausarbeitung von Bauplänen für ein Städtisches Hospital und für ein Obdachlosenasyl. Für die beiden Großbauprojekte stellte die Stadt ein rund 78.000 Quadratmeter großes Baugrundstück an der Prenzlauer Allee Ecke Fröbelstraße zur Verfügung.

    Städtisches Obdach "Palme": Kaiserzeitliche Sozialeinrichtung in Prenzlauer Berg

    Zwischen 1886 und 1887 entstanden dort zwei Gründerzeit-Gebäudekomplexe in Ziegelbauweise mit Klinkerfassaden: Das Hospital- und Siechenheim an der Prenzlauer Allee, in das später – in den 1930er-Jahren – das Bezirksamt Prenzlauer Berg einzog, und das rotverklinkerte Städtische Obdach "Palme" an der Fröbelstraße 15, aus dem später das Klinikum Prenzlauer Berg wurde.

    Das Asyl galt als einer der ersten Hilfseinrichtungen für Obdachlose in Europa und war seit seiner Eröffnung 1887 heillos überbelegt. In den 1890er-Jahren wurde das Bauwerk mehrfach erweitert: Neben dem vergrößerten Hauptgebäude, entstanden Notbaracken auf dem Fröbelplatz, immer mehr Schlafsäle, Waschküchen, eine Leichenkammer, Räume für die Verwaltung, Wohnungen für die Beamten und Unterkünfte für obdachlose Familie.

    Im Notfall konnten nach der Erweiterung bis zu 3400 Obdachlose in der Anstalt aufgenommen werden – im Vergleich gab es 2021 in Berlin nur 1500 Kälteschlafplätze. Das Asyl galt seinerzeit als mustergültiges Beispiel städtischer Fürsorge und zog weltweit die Aufmerksamkeit von Sozialreformern auf sich.

    Städtisches Obdach "Palme": Zufluchtsstätte für Tausende Berliner

    Obdachlosenasyl "Palme"
    Warteschlange vor dem Einlass des Obdachlosenasyls "Palme" in Prenzlauer Berg. Foto um 1920. © picture alliance / akg-images | akg-images | picture alliance / akg-images | akg-images

    Die meisten Menschen suchten ein Nachtquartier. Aber auch Familien, die man aus ihren Wohnungen geworfen hatte, konnten hier für eine Übergangszeit Zuflucht finden und sich ein neues Quartier suchen. Baracken auf dem Gelände dienten als Depots. Eine Großküche kümmerte sich um die Verpflegung während des Aufenthalts, meistens gab es Suppe mit Mehl oder Grieß. Die Krankenbehandlung erfolgte gratis.

    Kinder, Frauen und Kranke fanden in einem gesonderten Backsteingebäude Schutz. Für den 25. November 1925 sind genaue Zahlen für die Belegung des Asyls festgehalten: 3452 alleinstehende Männer, 346 alleinstehende Frauen, 341 Familien, 41 Schulkinder, 44 Kleinkinder, 43 Säuglinge, 225 Kranke. Die Regeln im Heim waren streng: Nicht nur die Weck- und Schlafzeiten mussten penibel eingehalten werden, es gab autoritär kontrollierte Verhaltens- und Hygieneregeln im gesamten Anstaltsbereich.

    Städtisches Obdach "Palme": Desinfektionsanstalt im Norden

    Im nördlichen Grundstücksbereich, das an Berlins ältestes Gaswerk – der IV. Städtischen Gasanstalt an der Prenzlauer Allee – anschloss, entstand ein Waschhaus und eine Desinfektionsanstalt. Bei der Aufnahme mussten die Obdachlosen baden; eine Entlausung war Pflicht, und auch die mitgebrachten Kleider wanderten umgehend in die Desinfektionsanstalt.

    Die Entlausungsstation war nicht nur auf den Betrieb im Obdachlosenheim beschränkt. Im Jahr 1926 kamen mehr als 100.000 Berliner zur Entlausung in die Fröbelstraße, und auch in der DDR-Zeit war die Einrichtung noch in Betrieb: Generationen von Schulklassen und Kindergärten wurden durch die Station geschleust.

    Städtisches Obdach "Palme": Verfolgung und Umbau zum Klinikum in der NS-Zeit

    Obdachlosenasyl "Palme"
    Blick in einen der Frauen-Schlafsäle des Obdachlosenasyls "Palme". Foto um 1920.© picture-alliance / akg-images | akg-images | picture-alliance / akg-images | akg-images

    In der Zeit der Weimarer Republik kam es infolge von Inflation, Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit regelmäßig zu Überbelegungen in dem Städtischen Obdach. In der Anstalt, die zu Hochzeiten regulär bis zu 4600 Menschen aufnehmen konnte, nächtigten oft weit mehr Schutzsuchende. Die hygienischen Zustände im Asyl entsprachen aber bei weitem nicht mehr dem Standard, der mit der Eröffnung des Obdachlosenheims angestrebt worden war.

    Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 verloren Wohnungslose genauso wie Bettler und Wanderarbeiter jeglichen physischen Schutz. Sie wurden diskriminiert, systematisch verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Für ein Obdachlosenasyl in Berlin gab es keinen Platz mehr: Aus dem ehemaligen Städtischen Obdach wurde ein Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter, bis das Areal 1940 in ein Krankenhaus umfunktioniert wurde.

    Klinikum Prenzlauer Berg: Betrieb während der DDR-Zeit

    Im Krieg durch Fliegerangriffe schwer getroffen setzten mit Kriegsende die Wiederaufbauarbeiten am Krankenhaus ein. Das ursprüngliche hohe Walmdach des Bauensembles wurde in der DDR durch eine vereinfachte Dachkonstruktion ersetzt. Auf eine Rekonstruktion der spitzen Ecktürme und des einst imposanten Mittelturms über dem Haupteingang wurde verzichtet. Ursprünglich umfasste das Krankenhaus Prenzlauer Berg eine Infektionsabteilung und eine HNO-Abteilung mit 220 Betten, die damals die größte Einrichtung ihrer Art in Deutschland war. 40 Betten waren speziell für Komplikationen von Scharlacherkrankungen aus ganz Berlin vorgesehen.

    In den 1950er-Jahren zog die "Zentrale Behandlungs- und Beratungsstelle zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" in die Fröbelstraße. In drei verbliebene Baracken auf dem Gelände nördlich des Hauptgebäudes wurde eine geschlossene Venerologische Station (Station 11) eingerichtet. Hier erfolgten bis in die 1960er-Jahre auch Zwangseinweisungen von "Herumtreibern", aufgegriffenen Jugendlichen und Prostituierten – mit häufig traumatischen Folgen für die Eingewiesenen.

    Krankenhaus Prenzlauer Berg / Krankenhäuser Berlin
    Außenansicht des Krankenhauses Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße, aufgenommen 1999.© Berliner_Zeitung | hennig

    Zuletzt waren im Krankenhaus Prenzlauer Berg drei medizinische Fachabteilungen ansässig: eine Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, eine Klinik für Chirurgie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie mit mehreren Operationssälen sowie eine Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Geriatrie.

    Klinikum Prenzlauer Berg: Langwierige Abwicklung und Lost Place seit 2019

    Auch nach der politischen Wende wurde der Krankenhausbetrieb am Standort Fröbelstraße aufrechterhalten. Ende der 1990er-Jahre übertrug der nun zuständige Senat das Krankenhaus dem neu gegründeten städtischen Klinikkonzern Vivantes. Das Hauptgebäude erfuhr eine umfassende Sanierung und die medizinischen Einrichtungen wurden modernisiert.

    Dennoch beschlossen der Senat und die Vivantes-Geschäftsleitung 2008, den Klinikbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen und die medizinischen Einrichtungen peu à peu in das Krankenhaus im Friedrichshain zu verlegen. Seit 2018 verfügte das Krankenhaus in der Fröbelstraße nicht mehr über den Notfallstatus und wurde damit nicht mehr von Rettungswagen berücksichtigt.

    2019 gingen die Lichter in den alten Klinikfluren und Operationssälen aus und das Gebäude stand seitdem leer. Fast achtzig Jahre Medizin- und Krankenhausgeschichte am Standort fanden damit ihr Ende. Mit einer Ausnahme: 2020 wurde ein Teil des Gebäudes noch einmal reaktiviert. Im Frühjahr 2020 richtete Vivantes in Räumlichkeiten des ehemaligen Klinikstandortes an der Diesterwegstraße eine Abklärungsstelle für Coronavirus-Verdachtsfälle ein. Außerdem standen in der Klinik 200 Betten als Reserve für Covid-Patienten bereit.

    Klinikum Prenzlauer Berg: Das sind die Pläne für den Standort

    Klinik Prenzlauer Berg
    Welche Zukunft hat das Krankenhaus-Gebäude in der Fröbelstraße?© picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko | picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko

    Auf dem rund 19.200 Quadratmeter großen Grundstück sollen in Zukunft vor allem Büroräume entstehen. Das historische Backsteingebäude an der Fröbelstraße und der dazugehörige Campus wurde Ende des Jahres 2020 vom Land Berlin erworben. Nach Plänen des Bezirksamts soll auf dem Areal ein neuer Standort für die Bezirksverwaltung entstehen. Für das nördliche Grundstücksareal, dem Standort der ehemaligen Desinfektionsanstalt, sind verschiedene Nutzungskonzepte erwogen worden: So wurde unter anderem eine Freigabe für Wohnungsprojekte und eine Zwischennutzung für eine Flüchtlingsunterkunft vorgeschlagen.

    Im März 2023 gab das Berliner Immobilienmanagement (BIM) die Ausschreibung der Bauplanung für das Ziel bekannt, das Hauptgebäude zum Verwaltungssitz für "verschiedene Ämter und Fachbereiche" umzugestalten. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und soll behutsam erneuert und saniert werden. Der ehemalige OP-Trakt des Krankenhauses bleibt erhalten und könnte zum Beispiel als Archiv oder Lager dienen. Das BIM hat zwei bis zweieinhalb Jahre Bauzeit eingeplant. Wann die Arbeiten beginnen, steht momentan noch nicht fest.