Prenzlauer Berg

Denkmalgeschützte Klinik wird zur Behördenhochburg

Das Krankenhaus Prenzlauer Berg soll 2019 schließen. Dann entstehen hier Bezirksamtsbüros, Wohnungen und ein Heim für 500 Flüchtlinge.

Ende einer Epoche: Mehr als 100 Jahre lang stand das Backsteinhaus in Diensten der Medizin - künftig zieht hier das Bezirksamt ein.

Ende einer Epoche: Mehr als 100 Jahre lang stand das Backsteinhaus in Diensten der Medizin - künftig zieht hier das Bezirksamt ein.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Noch brennt Licht hinter den Fensterkreuzen in der rostroten Backsteinfassade. Noch laufen Patienten über das schiefe Granitpflaster der Fröbelstraße zur Behandlung im Krankenhaus Prenzlauer Berg. Aber schon in wenigen Monaten werden die ersten Lichter erlöschen und alle Abteilungen geschlossen. Nach und nach ziehen sie um in einen Neubau im Klinikum am Friedrichshain. Mit dem Auszug von Vivantes endet auf dem historischen Gelände zwischen Prenzlauer Allee und Thälmann-Park 2019 nach rund 120 Jahren das Zeitalter der Medizin. Aber was kommt danach?

Eine neue Machbarkeitsstudie der beiden Planungsbüros Stattbau und Baupiloten liefert jetzt erste Hinweise. Die Untersuchung kommt zu einem Ergebnis, das man im Bezirksamt Pankow gerne hört. Denn es zeigt sich: das Haupthaus an der Fröbelstraße 15 könnte künftig zum neuen Sitz des Amts für Weiterbildung und Kultur hergerichtet werden. Damit wäre die wachsende Pankower Verwaltung zwar nicht alle ihre Platzsorgen los, aber doch die meisten.

Für Nachbarn dürften aber die Nutzungsarten auf dem restlichen Gelände interessanter sein. So soll an der Diesterwegtraße eine Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) für 500 Bewohner entstehen. Dieser Programmpunkt für die Zukunft der Klinik ist als einziger nicht verhandelbar und mit dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten bereits abgestimmt. „Das Gebäude entspricht den Anforderungen für sozialen Wohnungsbau und könnte später in ein reines Wohngebäude umgewandelt werden“, erklärt Planerin Kyria Kopoulos vom Büro Stattbau.

Denkmalschutz setzt den Gestaltungsmöglichkeiten Grenzen

Außerdem befürwortet die Machbarkeitsstudie den Bau einer Kita neben der bestehenden Grundschule am Planetarium und die Errichtung eines Wohngebäudes mit einer Fläche von 3580 Quadratmetern. Ziel sei es, im Krankenhaus-Quartier „eine urbane Mischung herzustellen“, erklärt Kopoulos das Gesamtkonzept. Dass ein verhältnismäßig kleines Wohngebäude in den künftigen Behördenblock eingefügt werden soll, sorgt bei Baupolitikern der CDU, SPD und Grünen in Pankow für Verwunderung. Sie wollen lieber das komplette Krankenhausgrundstück als Erweiterungsfläche für den benachbarten Hauptsitz des Bezirksamts nutzbar machen. „Wenn wir wissen, dass der Bezirk rasant wächst und hier nicht den nötigen Platz für Personal schaffen, begehen wir einen Fehler“, warnt zum Beispiel der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft.

Trotz der geringen Ausmaße handelt sich bei dem Wohngebäude aber um eine wichtige Größe. Denn laut Christoph Speckmann, dem Fachbereichsleiter für Stadterneuerung im Bezirksamt Pankow, hängt die Neugestaltung maßgeblich davon ab, dass diese Fläche lukrativ vermarktet wird. „Nur dann rechnet sich das Ganze“, sagt Speckmann. Wie realistisch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind, wird sich erst bei den Verhandlungen mit den Denkmalschutzbehörden zeigen. „Der Denkmalschutz des Ensembles setzt der Gestaltung grenzen“, gibt der Fachbereichsleiter zu bedenken.

Auf dem Gelände der Klinik befindet sich auch das frühere Obdachlosenasyl mit dem Spitznamen „Die Palme.“ Bei seiner Gründung im Jahre 1886 war das Asyl in der Fröbelstraße ein der ersten Hilfseinrichtung für Obdachlose in Europa. In Spitzenzeiten fanden hier jede Nacht 5000 Wohnungslose in 40 Sälen Platz.

Aber was nach der Schließung des Krankenhauses aus der medizinischen Versorgung in Prenzlauer Berg? Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett versichert, dass sich die Situation für Anwohner nicht verschlechtert. "Durch den schrittweisen Umzug der Kliniken vom Standort Prenzlauer Berg an den Standort Friedrichshain werden keine Kapazitäten abgebaut, die medizinische Versorgung wird durch das Klinikum im Friedrichshain in hoher Qualität sicher gestellt", sagt Tschenett. Und fügt hinzu: "Eine Konzentration an diesem Standort ist aus Qualitätsgründen sinnvoll, denn Behandlungen sind nachweislich dort qualitativ besser, wo sie besonders häufig gemacht werden." Schon seit Januar 2018 wird das Krankenhaus Prenzlauer Berg nicht mehr Rettungswagen der Feuerwehr angefahren.

Anwohner wollen Flüchtlingsheim im Hauptgebäude

Trotz Unwägbarkeiten in Sachen Denkmalschutz gilt es als sicher, dass die Klinik nach ihrer Schließung unter der Regie des Bezirksamts Pankow neu gestaltet wird. Daran dürfte auch die nächste Sitzung des Portfolio-Ausschusses des Landes mit dem Berliner Immobilienmanagement (BIM) nichts ändern. Das Krankenhaus Prenzlauer Berg mit seiner zentralen Lage und bebaubaren Flächen bietet dem Bezirk ein Entwicklungspotenzial, wie man es in der Berliner Innenstadt kaum noch findet.

Mitreden wollen auch Anwohner des Ernst-Thälmann-Parks, die sich zu einer Initiative zusammengeschlossen haben und die Krankenhausschließung kritisch beobachten. Ihr Sprecher Andreas Höpfner nennt den Neugestaltungsvorschlag aus der Machbarkeitsstudie „wenig effizient und an den drängenden Bedarfen des Stadtteils vorbei geplant.“ Ganz vorne müsste bei den Planungen Platz für Schulen, Kitas und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche stehen. Ein Hauptanliegen der Initiative: der Park hinter dem Planetarium soll frei bleiben. Denn schon jetzt gebe es zu wenig Grünflächen für den dicht bebauten Prenzlauer Berg. Statt hier eine Schule zu errichten, solle man lieber die bestehende Schule am Planetarium nach Süden erweitern.

Außerdem schlägt Höpfner vor, auf den Bau einer modularen Flüchtlingsunterkunft zu verzichten – und die 500 Bewohner lieber im Hauptgebäude der Klinik unterzubringen. Und die Erweiterungsflächen des Bezirksamts? Sie sollen nach Ansicht der Anwohnerinitiative als Neubau auf dem Gelände entstehen. Dann könnte auch das Bürgeramt aus einem Altbau des Bezirksamtsgeländes hier hin ziehen – und wäre so barrierefrei erreichbar.

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