Ein Blick auf Neuköllns Straßen oder in die bezirklichen Parkanlagen zeigt: Drogen nehmen in dem Bezirk einen großen Raum ein, immer wieder sind Drogenbestecke wie blutverschmierte Nadeln und Alufolie zu finden, es wird auf offener Straße gedealt und konsumiert. Erst kürzlich ist die Berliner Polizei mit einer groß angelegten Razzia gegen mutmaßliche Drogendealer in Neukölln vorgegangen. Auf der Suche nach Drogenverstecken durchsuchten etwa 100 Beamte Wohnungen, Keller und Geschäfte rund um die Sonnenallee und Wildenbruchstraße. Doch wo liegen die Drogenhotspots im Bezirk? Ein Überblick.
„Berlins Kampf gegen Drogen“
Drogentaxis, Konsum in der Öffentlichkeit, Dealer mit Visitenkarten – illegale Drogen sind Teil des Alltags in Berlin. Die Anzahl der Drogentoten hat einen Höchststand erreicht. In der mehrteiligen Serie „Berlins Kampf gegen Drogen“ zeigen wir, wie tief das Thema in der Stadt verankert ist – und wie es das Leben von Abhängigen, Ärztinnen, Polizisten, Eltern und vielen anderen beeinflusst. Alle Teile der Serie finden Sie hier.
Für Neuköllns Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) steht fest: „Der Körnerpark, die Lessinghöhe und der Anita-Berber-Park sind seit Jahren anhaltende Schwerpunkte.“ Insgesamt habe die bezirkliche Suchthilfekoordination 13 verschiedene Schwerpunkte in Neukölln identifiziert. Allein im vergangenen Jahr seien 55.370 Konsumrückstände im Bezirk eingesammelt worden. „Jede einzelne Nadel stellt eine erhebliche Infektionsgefahr dar“, so Rehfeldt.
Grundsätzlich sei in Neukölln „der öffentliche Drogenkonsum und die damit verbundene Verelendung und zunehmende Nutzungskonflikte über den gesamten Norden des Bezirks bis teilweise in den Süden hinein verbreitet“. Das zeigen auch Zahlen aus dem Kriminalitätsatlas der Berliner Polizei. Zwar kam es im vergangenen Jahr mit 319 Rauschgiftdelikten in der Reuterstraße zu den meisten Fällen dieser Art, aber auch das südliche Britz kam insgesamt auf 96 solcher Delikte. „Dieses dezentrale Geschehen macht die Lage in Neukölln so herausfordernd“, so Rehfeldt.
Anita-Berber-Park: Drogenbezogene Straftaten in der Neuköllner Parkanlage steigen
Erst kürzlich hatten sich Anwohner des Anita-Berber-Parks hilfesuchend an die Politik gewandt, denn die Situation werde „immer schlimmer“, wie eine Bewohnerin gegenüber der Morgenpost sagte. Zuständig für die Parkanlage, einst als Ausgleichsfläche für die Entstehung des 16. Bauabschnitts der A100 angelegt, ist jedoch nicht der Bezirk Neukölln, sondern die Autobahn GmbH des Bundes, die nun einen Fünf-Punkte-Plan für den Anita-Berber-Park erstellen will.
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Dass sich die Lage im Anita-Berber-Park zuspitzt, zeigen auch Zahlen der Berliner Polizei: Kam es in dem Park im vergangenen Jahr zu 22 drogenbezogenen Straftaten, waren es in diesem Jahr allein bis Ende August bereits 43 (Stand 15. September). Im Körnerpark hingegen sind die Zahlen rückläufig: Wurden dort im Jahr 2023 noch 98 Straftaten erfasst, waren es 2024 nur noch 9, in 2025 bis Ende August wurden zwei Straftaten festgehalten.
Die neue Morgenpost-Serie: Berlins Kampf gegen Drogen
Die Kriminalitätsentwicklungen würden „ganzjährig fortlaufend“ betrachtet, um dann „lageorientiert polizeiliche Maßnahmen“ zu treffen, so ein Polizeisprecher. Wie aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine Anfrage der Abgeordneten Bahar Haghanipour und Susanna Kahlefeld (beide Grüne) hervorgeht, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt, liegen „aus polizeilicher Sicht keine Hinweise auf eine besondere Kriminalitätsbelastung im Anita-Berber-Park vor“ (Stand 29. September).
Drogen in Neukölln: So will der Bezirk die Probleme bekämpfen
Um die Herausforderungen zu bewältigen, hat der Bezirk bereits Maßnahmen wie Straßensozialarbeit und die zusätzliche Reinigung von Grünanlagen und Spielplätzen ergriffen, so Rehfeldt. Darüber hinaus gibt es in Neukölln auch Konsum- und Beratungsmobile sowie einen stationären Konsumraum. Das Peer-Projekt der Suchthilfe, aus Landesmitteln finanziert, gibt suchtkranken Menschen auch in Neukölln die Möglichkeit, durch die Beseitigung von Konsumutensilien ein legales Einkommen zu erhalten.
Alle Teile der Artikelserie lesen Sie hier:
Interview: „Das Christiane-F.-Syndrom wiederholt sich“
Was Abwasseruntersuchungen über den Drogenkonsum in Berlin aussagen
Drogenhandel in Berlin: Spandau verzehnfacht Polizei Präsenz
Kundenservice und Rabatte: Die absurden Auswüchse des Berliner Drogenhandels
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Spandau: Fixpunkt benennt fünf Drogen-Hotspots
Den Hauptteil der Belastung im öffentlichen Raum machten illegale Drogen aus, so Rehfeldt. Hierfür sei der Bezirk, anders als bei Suchterkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol, Tabak, Medikamenten und Glücksspiel, jedoch nicht zuständig – und erhalte damit auch keine regelhafte Finanzierung. „Die Mittel für die Suchthilfe bei illegalen Drogen müssen aus der zugewiesenen Globalsumme genommen werden.“ Aufgrund eines „erheblichen Budgetierungsdefizits“ in anderen Bereichen stünden jedoch keine Mittel zur Verfügung.






