Pandemie

Corona-Schnelltests: Preis, Dauer und Co. - Alle Infos

| Lesedauer: 11 Minuten
Duygu Ayrikcil, Theresa Martus, Anne-Kathrin Neuberg-Vural und Beate Kranz
Diese Fehler sollten Sie beim Selbsttest zu Hause vermeiden

Diese Fehler sollten Sie beim Selbsttest zu Hause vermeiden

Selbsttests werden immer wichtiger bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Doch schon kleine Fehler reichen aus, um das Ergebnis zu verfälschen. Tipps im Video.

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Corona-Schnelltests gelten als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Alles zu Varianten, Kosten, Dauer und Durchführung.

Berlin. 
  • Corona-Schnelltests sind schneller als PCR-Tests - aber auch unsicherer
  • Mittlerweile sind in Deutschland auch Laientests für zu Hause zugelassen, sogenannte Selbsttests
  • Wie sicher sind Schnelltests? Was muss man über sie wissen? Hier finden Sie alle Infos

Bis die Impfung in Deutschland für alle Impfwilligen zur Verfügung steht, wird es noch dauern. Doch nicht nur das Vakzin, sondern auch Corona-Schnelltests könnten eine schrittweise Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Seit der Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung sind auch Laientests erlaubt. Die ersten Produkte für Zuhause wurden bereits zugelassen. Lesen Sie auch: Selbsttests: Alle Informationen über Corona-Tests für Laien

Schnelltests sind eine Alternative zu mehrtägigen PCR-Testuntersuchungen. Sie gelten zwar als weniger zuverlässig, haben jedoch andere Vorteile. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Corona-Schnelltests.

Wie funktioniert ein Corona-Schnelltest?

Es gibt zwei Arten von Schnelltests zum Infektionsnachweis: PCR-Tests, kurz für Polymerasekettenreaktionstests, und Antigen-Tests. Lesen Sie auch: Wer darf Corona-Schnelltests überhaupt durchführen?

  • Beim PCR-Schnelltests werden aus dem Nasen- und Rachenbereich Proben entnommen, die in Kartuschen durch Polymerasekettenreaktion vervielfältigt werden. Fluoreszierende Stoffe färben die Erreger ein, sodass sie sichtbar gemacht werden.
  • Antigen-Tests weisen nicht das Erbgut des Virus nach, sondern bestimmte Proteinstrukturen des Krankheitserregers. Die Rachenproben werden auf eine Testkassette aufgetragen, bei der Reaktion zeigt sich, ob Virusproteine und damit eine Infektion vorliegt. Eine Infektion wird mit zwei farbigen Linien angezeigt.

Wie sicher ist der Corona-Schnelltest?

Mediziner sind sich einig, dass Schnelltests nicht sehr aussagekräftig sind. So komme es bei einer Untersuchung schließlich auf die Viruslast an - ist diese zu gering, könnten PCR-Alternativen Coronaviren möglicherweise nicht nachweisen. Da es sich bei den Ergebnissen außerdem um Momentaufnahmen handle, könne anhand der Resultate auch kein Urteil über die Ansteckungsgefahr in den folgenden Tagen getroffen werden. Lesen Sie dazu: Corona: Wie aussagekräftig sind Selbst- und Schnelltests?

Auch Virologin Sandra Ciesek bezeichnet die PCR-Variante als „Goldstandard“ der Corona-Untersuchungen. Ein Antigen-Test auf Coronaviren solle für eine hohe Genauigkeit daher im Optimalfall mit einem PCR-Test ergänzt werden.

Lesen Sie hier: Drosten: Deutliche Aussagen zu Schnelltests und Astrazeneca

Kann man mit den Tests sicher öffnen?

Mit der derzeitigen Infektionslage: Nein, sagt Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. „Aktuell sind an Tests gekoppelte Öffnungen keine gute Strategie“, sagte Salzberger dieser Redaktion. Testen und Shoppen, Testen und Theater, diese Rechnung der Politik sei löchrig und bei den aktuellen Fallzahlen höchstriskant.

„Es ist ein großer Unterschied, ob ich eine Inzidenz von 10 von 100.000 in 7 Tagen habe oder von 150“, so Salzberger. Wie Drosten verweist auch der Bereichsleiter Infektiologie am Uniklinikum Regensburg auf die Schwächen der Anti-Gen-Tests. „Bei einer Inzidenz von 150 spielt die Zahl der falsch-negativen Fälle eine viel größere Rolle. Dann kommen viel mehr unentdeckt Infizierte in den Verkehr.“

Lesen Sie hier: Notbremse: Wann kommen die härteren Lockdown-Regeln?

Die Sinnhaftigkeit einer Schnelltest-Strategie hänge also auch mit der Epidemiologie zusammen. Sie sei erst bei niedrigen Fallzahlen praktikabel. Doch die gibt es in Deutschland derzeit kaum irgendwo: Am Mittwoch meldete das RKI eine 7-Tage-Inzidenz von 153,2 – so hoch wie zuletzt Mitte Januar während der zweiten Welle. Und das, obwohl man beim Institut davon ausgeht, dass über die Oster-Tage weniger getestet wurde und auch die Schulferien in vielen Ländern die Dynamik gebremst haben dürften.

Mittlerweile gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass die Zuverlässigkeit der Antigen-Tests, egal ob medizinischer Schnelltest oder Selbsttest, im realen Leben bei allen Produkten etwas niedriger ist, als diese von den Herstellern ausgewiesen wird. Das sei auch logisch, sagte Salzberger unserer Redaktion. „Das liegt an den Prüfungsbedingungen. In der Praxis muss man eben immer auch an den dümmsten anzunehmenden Benutzer denken.“ Es gebe immer eine Fehlerquote, auch bei der Anwendung von medizinischen Schnelltests. Mehr zum Thema: Corona und die Schnelltest-Krise – Tschüss, Party!

Wie viel bringen Schnelltests dann überhaupt?

Auch wenn Schnelltests nicht das beste Diagnose-Mittel seien: Wenn man „sehr, sehr ausgiebig“ teste, reduziere man trotzdem die Zahl der zirkulierenden Menschen, die eine Infektion haben, sagt Salzberger. Dies zu tun, sei also durchaus sinnvoll – negative Tests als Basis für Öffnungen zu nutzen, aktuell dagegen eindeutig nicht.

Mehr zum Thema: Augsburger Puppenkiste erklärt in Video Corona-Selbsttests

Auch Christian Drosten stellte auf Twitter klar: Dass nicht alle Infektionen durch Schnelltests gefunden werden, heißt nicht, dass diese keinen Nutzen haben. Wenn die Hälfte der präsymptomatischen Übertragungen, die 40 Prozent aller Ansteckungen ausmachen, verhindert wurden und dazu alle symptomatischen Übertragungen, habe man immer noch den größten Teil verhindert. „Perfekte Kontrolle ist weder möglich noch nötig“, schrieb Drosten. Gerade bei stabilen Sozialgruppen wie Schulklassen und festen Teams in Büros seien zwei Testungen pro Woche ok.

Was heißt das für Schulen?

Regelmäßige Schnelltests von Schülerinnen, Schülern und Personal sind in vielen Bundesländern Teil der Bemühungen, den Präsenzunterricht nach den Osterferien zumindest teilweise zu ermöglichen. Zum Einsatz kommen dabei auch Selbsttests. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, hält das auch trotz Zweifeln an den Tests für richtig: „Uns war allen klar, dass Schnelltests und gerade auch die Selbsttests nicht so zuverlässig sind wie etwa PCR-Tests“, sagte Meidinger dieser Redaktion.

Lesen Sie hier: Wie Eltern ihr Kindergartenkind auf Corona testen sollten

„Das entwertet aber nicht die Sinnhaftigkeit einer Testpflicht an Schulen als ein zusätzlicher Baustein für mehr Gesundheitsschutz.“ Gerade weil ihre Aussagekraft begrenzt ist, dürften Schnelltests aber nicht dazu führen, dass andere Maßnahmen wie die Maskenpflicht vernachlässigt würden, sagte Meidinger. In Bayern zum Beispiel hatte der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gefordert, dass negativ getestete Schüler keine Maske mehr tragen müssten. „Das ist natürlich Unsinn“, sagte der Lehrerpräsident.

Was sagt der Handel?

Der Handel setzt weiter auf Schnelltests, wo sie erforderlich sind. Gleichzeitig ist der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland Stefan Genth angesichts der Hygienestandards in Läden und mehrerer Studienergebnisse überzeugt: „Der Einkauf birgt kein erhöhtes Infektionsrisiko. Das haben auch das Robert-Koch-Institut und die TU Berlin festgestellt.“ Aktuell dürfen Verbraucher in Lebensmittelgeschäften und Drogerien bundesweit einkaufen gehen.

Auch interessant: Corona-Impfung: Das müssen Arbeitnehmer jetzt wissen

Die Zahl der Kunden ist je nach Quadratmeteranzahl begrenzt, es herrscht Maskenpflicht. Für alle anderen nicht notwendigen Geschäfte des täglichen Bedarfs gelten jedoch je nach Bundesland völlig unterschiedliche Regeln. Oft müssen aktuelle Schnelltest als Eintrittskarte vorgelegt werden, um einen Laden betreten zu dürfen. Schon der Begriff „aktuell“ wird allerdings verschieden definiert – von nicht älter als 24 bis zu 48 Stunden.

Kann ein Corona-Schnelltest eine mutierte Variante nachweisen?

Nein. Um herauszufinden, ob es sich bei einer Coronainfektion um eine mutierte Variante handelt, muss das Erbgut der Virusprobe untersucht werden. Das funktioniert nur mittels Sequenzierung in einem Labor. Lesen Sie auch: Neuester Verschwörungsmythos: „Würmer“ in Masken und Tests?

Kann ich einen Corona-Schnelltest in der Apotheke machen?

Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Teststellen, niedergelassene Ärzte und auch Apotheken, bei denen man einen Antigen- oder PCR-Schnelltest machen lassen kann.

Termine kann man meist telefonisch oder im Internet vereinbaren. Die Testzentren und Adressen werden in der Regel auf den Webseiten der Bundesländer, Städte oder Kommunen aufgelistet. Lesen Sie dazu: Antigen-Schnelltests: Kann man sie in Apotheken kaufen?

Wo kann ich Corona-Schnelltests für Zuhause kaufen?

Aldi Süd und Aldi Nord nahmen bereits am 6. März Corona-Selbsttests in ihr Sortiment auf, die Konkurrenz Lidl zog mit. In allen Supermärkten waren die Vorräte allerdings in Rekordzeit ausverkauft. Supermärkte und Discounter wie Rewe, Netto, Edeka und Kaufland prüfen derzeit einen Verkauf, nennen aber keine Termine.

Die Drogeriemarktketten dm und Rossmann haben die Selbsttests theoretisch auch bereits im Sortiment. Allerdings ist auch hier keinerlei Vorrat mehr erhältlich. Die Tests sollen schnellstmöglich auch in den Filialen angeboten werden.

Wo kann man Corona-Selbsttests online kaufen?

Wer im Einzelhandel kein Glück hat, kann sich die Selbsttests auch im Internet bestellen. Rossmann und dm haben Tests im Sortiment, allerdings schwankt die Verfügbarkeit mitunter stark. Ein größeres Angebot haben Online-Versandapotheken, die nicht nur eine breite Auswahl an Corona-Selbsttests, sondern auch Vorratspackungen mit bis zu 50 Stück anbieten.

Auch Supermärkte und Discounter haben Selbsttests in ihren Online-Shops, bei Lidl und Aldi sind sie allerdings auch dort vergriffen. Einzig Real hat noch Tests auf Lager.

Welche Corona-Selbsttests sind bereits zugelassen?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat inzwischen bereits über 20 Selbsttests zugelassen:

  • CLINITEST Rapid COVID-19 Self-Test
  • Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card (MP Biomedicals Germany GmbH und Xiamen Boson Biotech Co., Ltd)
  • LYHER® Covid-19 Antigen Schnelltest
  • SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test
  • AMP Rapid Test SARS-CoV-2 Ag
  • Coronavirus (2019-nCoV)-Antigentest
  • AESKU.RAPID SARS-CoV-2
  • AMP Rapid Test SARS-CoV-2 Ag Sputum
  • NanoRepro Antigen Schnelltest (Viromed)/NanoRepro Antigen Rapid Test (Viromed)
  • BIOSYNEX COVID-19 Ag BSS
  • COVID-19 Antigen Rapid Test
  • Medicovid-AG SARS CoV-2 Antigen SELBSTTEST NASEe
  • COVID-19 Antigen Schnelltest (Spucktest)
  • COVID-19 Antigen-Schnelltest (Kolloidales Gold)
  • ANBIO Corona Antigen Nasentupfer
  • Coronavirus (2019-nCoV)-Antigentest - Speichel
  • Wondfo 2019-nCoV Antigen Test (Lateral-Flow-Methode) Selbsttest
  • Sensitivo COVID-19 Antigen Test
  • NASOCHECKcomfort SARS-CoV-2 Antigen-Schnelltest
  • COVID-19-N-Antigen Schnelltest SARS-CoV-2 (vorderer Nasenabstrich)
  • Deni COVID-19 Antigen Test
  • Acura Speichel-Test Diagnos COVID-19 Antigen Saliva Test Kit
  • SARS-CoV-2 Ag Diagnostic Test Kit (Colloidal Gold)
  • MEXACARE Corona Home-Test Antigen

Die Liste des BfArM wird laufend aktualisiert. Lesen Sie hier: Sieben Corona-Schnelltests für Laien sind schon zugelassen

Wie lange dauert ein Corona-Schnelltest?

Im Gegensatz zu herkömmlichen PCR-Tests ist die Wartezeit bei den neuen Antigen-Tests rekordverdächtig: Je nach Modell sind die Proben bereits ab zehn bis 15 Minuten ausgewertet – Testpersonen können in den Anlaufstellen vor Ort auf ihre Ergebnisse warten. Ebenso schnell liegen die Ergebnisse von Antikörper-Tests vor. Mehr zum Thema: Corona-Schnelltest: Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Preise: Was kostet ein Corona-Schnelltest?

Alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands können einmal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest machen. Möchte man sich dennoch ein weiteres Mal testen lassen, fallen je nach Anlaufstelle Gebühren von 15 bis 50 Euro an. Für die Selbsttests aus Drogerien und Supermärkten liegen die Preise zwischen fünf und zehn Euro je Einzeltest. Lesen Sie dazu: Coronavirus-Infektion: Was kostet ein Antigen-Schnelltest?

(duy/jas/raer)