Trainingslager-Fazit

Vor Union liegt ein steiniger Weg

Aufsteiger Union beendet sein Trainingslager in Spanien mit mehr Schnelligkeit. muss sich bis zum Rückrunden-Start aber noch steigern.

Union-Trainer Urs Fischer ist sich im Trainingslager in Spanien nicht zu schade, einen verschossenen Ball zu holen.

Union-Trainer Urs Fischer ist sich im Trainingslager in Spanien nicht zu schade, einen verschossenen Ball zu holen.

Foto: Matthias Koch

Orihuela. Es mag nur eine Begebenheit am Rande gewesen sein, doch sie illustrierte das, was in der Bundesliga-Rückrunde auf den 1. FC Union wartet.

Als während einer Torschussübung im Trainingslager an der spanischen Mittelmeerküste der Ball nicht nur weit über das Tor, sondern auch über den Fangzaun dahinter segelte, machte sich kein geringerer als Trainer Urs Fischer auf, das Spielgerät zurückzuholen. Auf dem Rückweg war sich der Schweizer nicht zu schade, den felsigen Aufstieg zurück zum Platz zu nehmen.

Eine Szene mit einer klaren Botschaft. Der Weg, den Union in der zweiten Saisonhälfte vor sich hat, wird schwer und steinig sein. Und der Klassenerhalt kann nur geschafft werden, wenn alle mitanpacken.

Union Berlin schaltet einen Gang höher

Alle Spieler seien „mit unglaublich guten Werten aus dem Urlaub“ gekommen, wie nicht nur Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball festgestellt hat. Folglich setzte sich in der Woche von Orihuela nahe Alicante das fort, was sich in der ersten Übungseinheit angedeutet hatte.

Ballsicherheit bekommen, Automatismen einstudieren, vor allem aber Schnelligkeit, gedanklich wie körperlich, waren die Eckpfeiler, die Union am Sonntag mit einem guten Gefühl zurück nach Berlin reisen ließen. Wohl wissend, dass sich der Aufsteiger bis zum Punktspielstart bei RB Leipzig am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) noch steigern muss.

„Ich bin zufrieden, weil wir das umsetzen konnten, was wir geplant hatten“, bilanzierte Fischer. Natürlich schmälerten die verletzungsbedingten Ausfälle von Joshua Mees und Lennard Maloney sein positives Fazit. „Aber das ist auch Fußball, ebenso wie die Regeneration einzelner Spieler“, sagte Fischer mit Blick auf die Rekonvaleszenten Grischa Prömel, Keven Schlotterbeck und Florian Hübner,

Hübner bleibt der Pechvogel bei Union Berlin

Vor allem die Entwicklung dieses Trios nach ihren Verletzungen ist positiv zu bewerten, auch wenn alle noch weit von ihrer Bestform entfernt sind. Mittelfeldspieler Prömel, so Fischer, habe „Riesensprünge“ nach seiner Patellasehnenreizung gemacht: „Er kommt näher an die Mannschaft. Aber wir müssen noch vorsichtig sein.“

Innenverteidiger Schlotterbeck ist nach seinem Außenbandriss im Knie „sicher weiter als Prömel. Beide konnten auch bereits wieder Teile des Mannschaftstrainings bestreiten“, sagte Fischer. Für einen Einsatz im letzten Testspiel gegen Ferencvaros Budapest (3:2) am vergangenen Sonnabend reichte es jedoch noch nicht. Auch „für Leipzig wird es eng“, verdeutlichte der Trainer.

Hübner schließlich bleibt der Pechvogel der Vorbereitung. Schon im Sommer verletzte er sich an der Kapsel im Knie und fehlte bis Ende November. Nun muss er sich nach einer Fußverletzung erneut zurückmühen. „Er war leider auch noch drei, vier Tage krank war, das wirft dich dann zurück“, will Fischer auch bei dem Abwehrspieler „Vorsicht walten“ lassen.

Trainer Fischer ändert die Ansprache bei Union Berlin

„Was wir sicher nicht machen werden: Spieler einsetzen, die noch nicht so weit sind. Auch wenn es das Startprogramm in sich hat“, erklärte der Trainer mit Blick auf die noch mindestens 18 Spiele (inklusive des DFB-Pokal-Achtelfinales beim SC Verl), die auf Union bis Mitte Mai warten.

Aus diesem Grund frischte Fischer in Spanien auch die Viererkette in der Abwehr wieder auf. Mit dieser taktischen Variante war Union in die Saison gestartet, Mitte der Hinrunde hatte Fischer dann auf Dreierkette umgestellt. „Wenn dir die Spieler nicht zur Verfügung stehen, musst du dir auch etwas überlegen“, so der Schweizer.

Auffällig war die Tonart, die Fischer und sein Trainerteam zuweilen wählten. Immer wieder wurde der Schweizer lauter, fordernder, ja kritischer. Fischer wollte dies nicht als Unzufriedenheit über die gezeigten Trainingsleistungen verstanden wissen. „Aber vielleicht war die Ansprache eine andere“, erklärte der Coach.

Ujah ist ein Gewinner bei Union Berlin

Ein Gewinner des Trainingslagers ist sicher Anthony Ujah. Neben Torjäger Sebastian Andersson – von Fischer klar zum Stürmer Nummer eins ernannt – konnte der Angreifer nicht nur wegen seines Tores und seiner Torvorlage gegen Budapest Pluspunkte sammeln. Für Sebastian Polter, der in Spanien einen Abschied von Union zum Saisonende nicht ausschloss, bleibt es schwer

Die Gewöhnungsphase ist jedenfalls vorbei. Das gilt für das Training mit seiner gestiegenen Intensität wie für den restlichen Saisonverlauf. „Ich glaube nicht, dass meine Trainerkollegen 17 Spiele brauchten, um festzustellen, dass es Union nicht so schlecht macht“, ist sich Fischer sicher.

Am Montag haben die Profis frei, danach geht es am Dienstag mit der Vorbereitung auf die Partie in Leipzig weiter. Dann soll auch Akaki Gogia wieder zur Mannschaft stoßen. Der Mittelfeldspieler fehlt seit Ende September wegen eines Kreuzbandrisses und wird seine Rehamaßnahmen im Kreis der Mitspieler fortsetzen.

Gogia wird Union Berlin moralisch unterstützten

Mit Blick auf die Rückrunde wird er wohl allerhöchstens als moralische Unterstützung in Betracht kommen. Und die wird Union auch brauchen, da ist sich Trainer Fischer sicher: „Die Spiele werden jetzt immer weniger. Wenn es nur noch sieben oder acht sind anstatt 24 oder 25, löst das im Kopf etwas anderes aus. Und es geht um die Wurst, das wird nochmal eine andere Dynamik geben.“

Wie es für Union gehen kann, zeigte er selbst auf dem steinigen Hang in Orihuela, den Ball unter den Arm geklemmt.

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