Trainingslager

Glänzende Aussichten für Unions Andersson

Torjäger Sebastian Andersson kann bei Union einem erfolgreichen Jahr entgegenblicken – und befeuert Spekulationen über seine Zukunft.

Union-Stürmer Sebastian Andersson steht auf dem Balkon des Teamhotels im Trainingslager in Spanien.

Union-Stürmer Sebastian Andersson steht auf dem Balkon des Teamhotels im Trainingslager in Spanien.

Foto: Matthias Koch

Orihuela. „Das tut weh.“ Doch Sebastian Andersson hat keine Wahl, nicht wenn mit Sebastian Bönig ein Co-Trainer in der Nähe sitzt und aufpasst. Der Stürmer des 1. FC Union muss sich auf der Regenerationsrunde nach dem Testspiel-Montag zum kleinen gelben Hütchen runterbeugen. Dehnung der Muskulatur während des lockeren Laufs – Andersson nimmt es dann doch gelassen hin.

Die Tage während des Trainingslagers der Berliner an der Mittelmeerküste zeigen einen Sebastian Andersson, der noch etwas entspannter wirkt als in den vergangenen Wochen und Monaten. Was nicht heißt, dass den Schweden während der Trainingseinheiten unter der spanischen Sonne nun irgendwelche Star-Allüren begleiten.

„Ich bin nicht der Typ Star. Ich bin eher entspannt und ziemlich ruhig. Ich bin keiner, der sich immer auch außerhalb des Fußballs zeigen muss. Ich will einer sein, der der Mannschaft hilft“, erzählt der Schwede. Das hat er getan. Mit seinen acht Toren in den ersten 17 Bundesliga-Spielen des Klubs. Mit seinen Auftritten in der Nationalmannschaft.

Andersson macht den Unterschied bei Union Berlin aus

Andersson blickt einer Rückrunde entgegen, die für ihn glänzende Aussichten bereithält. Den Klassenerhalt mit Union. Die Teilnahme an der Europameisterschaft im Sommer. Und damit auch die Möglichkeit, weiterhin erstklassig spielen zu können. Ob bei Union oder einem anderen Klub.

Englische Klubs sollen den 28-Jährigen im Visier haben. Nachvollziehbar, wenn man der Spieler ist, der den Unterschied ausmachen kann, so wie Andersson bei Union, nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch wegen seiner fußballerischen Fähigkeiten.

„So denke ich nicht, um ehrlich zu sein. Aber natürlich ist es als Stürmer wichtig zu treffen. Jeder freut sich über Stürmer, die Tore erzielen. Aber es geht auch darum, dass du hart arbeiten musst“, sagt Andersson. Und befeuert selbst die Spekulationen um seine Zukunft.

Andersson weiß, was er an Union Berlin hat

„Alles ist möglich, das Transferfenster ist offen“, will Andersson schon bis 31. Januar nichts ausschließen. „Wenn mich englische Klubs wollen, dann wollen sie mich. Aber die Vereine müssten sich erst untereinander einigen, dann müsste ich zustimmen. Die Chance ist groß, dass ich bis zum Sommer bleibe“, fügt er hinzu.

Und danach? Sein Vertrag bei Union läuft offiziell bis Saisonende. Unions Geschäftsführer Profifußball und Kaderplaner Oliver Ruhnert zeigte sich entspannt, was das Thema Andersson angeht. Eine Klausel, die den Vertrag also bereits über die Saison hinaus verlängert, scheint sehr wahrscheinlich.

Andersson ist wertvollster Spieler bei Union Berlin

Soll heißen: Entweder Andersson bleibt bei den Köpenickern, oder Union darf sich auf eine ordentliche Ablösesumme freuen. „Darüber denke ich nicht nach, im Fußball kannst du nicht sechs Monate im Voraus planen. So viel kann passieren“, lässt Andersson dazu wissen, „aber ich habe natürlich mit Trainer Urs Fischer und Manager Ruhnert gesprochen. Wir alle wissen, was wir aneinander haben. Doch so lange, wie ich bei Union bin, denke ich nicht über andere Optionen nach.“

Auch weil ihm und seiner Familie Berlin gefällt und die Kinder in der Hauptstadt zur Schule gehen. „Wir haben hier auch außerhalb des Fußballs Freunde, die aus der Region in Südschweden kommen, in der ich aufgewachsen bin“, sagt der Blondschopf.

Ujah lobt Andersson als einen der besten Stürmer der Liga

Außer Frage steht, dass Andersson genau weiß, dass die derzeit beste Zeit in seiner Karriere noch längst nicht vorbei sein muss. Dass er bei der EM die größte Plattform des Kontinents betreten kann, um seine Stärken zu zeigen – und sich damit ins Schaufenster zu stellen.

„Ich fühle mich so, als gehöre ich in die Bundesliga“, sagt Andersson. Bestätigt wird er von Mitspieler Anthony Ujah, einem direkten Konkurrenten, wenn es um die Stammplätze geht. „Er ist einer der besten Stürmer der Liga.“ Dabei wäre es beinahe gar nicht erst so weit gekommen.

Natürlich hatte der fußball-begeisterte Junge aus Ängelholm in Südschweden vor 20 Jahren den Traum, einmal für sein Land zu spielen. „Doch mit 16, 17 Jahren hätte ich fast mit dem Fußball aufgehört“, verrät Andersson. Ihm fehlte die Motivation. Erst ein bekannter aus seiner Heimatstadt entfachte das Feuer erneut. „Er hat in der zweiten schwedischen Liga gespielt und gefragt, ob ich nicht mitkommen wollte. Da habe ich es einfach noch mal versucht“, erzählt er.

Andersson schoss erstes Bundesliga-Tor für Union Berlin

Hätte der heute gestandene Profi dem Jungen aus Ängelholm erzählen können, was er als Fußballer erreichen wird, „dann hätte ich vielleicht schon mit 21 Jahren im Nationalteam gespielt und nicht erst mit 28“, gibt Andersson zu. Auch, dass sein erstes Bundesliga-Tor beim 1:1 in Augsburg am zweiten Spieltag „eine große Erleichterung und ein wunderbares Gefühl“ gewesen ist.

Für dieses Gefühl, jenen befreienden Moment, wenn er den Ball auf seine Reise ins gegnerische Tor schickt, gibt Andersson in diesen Januartagen in Spanien alles. Auch wenn es vielleicht mal ein wenig mehr wehtut.

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