Trainingslager

Unions Prömel hat seine Lektion gelernt

Mittelfeldmann Grischa Prömel spielte nur zwei Mal für Union in der Bundesliga. Wegen einer Entscheidung, die nicht die cleverste war.

Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel (Mitte) ist zurück im Mannschaftstraining.

Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel (Mitte) ist zurück im Mannschaftstraining.

Foto: Matthias Koch

Orihuela. Dieses Ritual muss Grischa Prömel dann doch über sich ergehen lassen. Damit ist nicht der durchaus ausbaufähige Männergesang gemeint, mit dem Mannschaft und Trainerteam des 1. FC Union dem Mittelfeldspieler „Happy Birthday“ wünschen. Eher die Bälle, die dem Geburtstagskind – in der Mitte des Teamkreises stehend – anschließend um die Ohren fliegen.

„Das ist spaßiger, als allein im Kraftraum zu feiern“, nimmt es Prömel mit Humor. 25 Jahre wurde der Schwabe am Donnerstag alt. Und als würde das Erreichen seines persönlichen Vierteljahrhunderts einen Reifeprozess bewirken, gibt Prömel mit Blick auf die vergangenen Monate unumwunden zu: „Das war vielleicht nicht das Cleverste.“

Immer wieder fasst sich Prömel, locker auf einem Stuhl in der Lobby des Mannschaftshotels im Trainingslager in Spanien sitzend, an seine Knie. Eher unbewusst, vielleicht auch ein wenig schuldbewusst. Weil es die Patellasehne in diesem Gelenk ist, die den Höhenflug des Olympia-Silbermedaillengewinners von 2016 jäh gestoppt hat.

Prömels Bundesligabilanz ist mager

Schon in der Endphase der Zweitliga-Saison, vor allem in den Aufstiegsspielen gegen den VfB Stuttgart, machte sich eine Reizung der Sehne bemerkbar. „Vergangene Saison hatte ich es schon gespürt, da bekamen wir es aber schnell in den Griff“, erzählt Prömel.

In der Bundesliga, für Union wie für Prömel eine Premiere, wollte er auf keinen Fall fehlen. „In den ersten Spielen dieser Saison beißt man auf die Zähne. Da habe ich trotz Schmerzmittel schon beim Aufwärmen gemerkt, dass es sehr schwer wird“, berichtet der Schwabe. Schließlich habe er „erkannt, das ist nicht das Richtige“.

Wieder der Griff an seine Knie, wohl wissend, dass seine Bundesliga-Bilanz durchaus mehr hätte beinhalten können als ein 0:4 gegen RB Leipzig und ein 1:1 beim FC Augsburg. Statt mit großen Schritten in seiner Karriere voranzugehen, muss sich Prömel auf kleine Schritte besinnen, um wieder fit zu werden.

Prömel trainiert wieder mit der Mannschaft

„Von der Verletzung her ist es nicht einfach, auch für den Kopf, weil man nie weiß, wo man steht. Das ist anders als bei einer Muskelverletzung oder einem Bänderriss. Da muss man mehr in sich hineinhören. Man achtet noch mehr auf sich“, umschreibt Prömel die vergangenen fünf Monate.

Am Mittwoch stand er an der spanischen Mittelmeerküste erstmals wieder mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Keine einsamen Laufrunden mehr, während Trainer Urs Fischer die Profis mit Spielformen für die Rückrunde trimmt.

Sondern Passübungen, die ihn wieder spüren lassen, dass er Teil der Mannschaft ist. Doch so weit ist Prömel noch nicht, um wieder explizit in den Konkurrenzkampf um einen Startelfplatz im Mittelfeld eingreifen zu können.

Prömels Konkurrenten haben sich etabliert

Dort, im Zentrum, war Prömel in der Aufstiegssaison das Herz jener Mannschaft, die Unions großen Traum endlich erfüllte. Ein Antreiber, ein Kämpfer, auch Torschütze.

Nun musste er mitansehen, wie sich mit Robert Andrich ein Sommerzugang schnell im defensiven Mittelfeld etabliert hat, wie sich mit Christian Gentner – ebenfalls erst zu Saisonbeginn gekommen – in der Zentrale die Erfahrung von fast 400 Bundesligaspielen bezahlt macht. Wie beide in den Testspielen am Montag gegen Oud Heverlee Leuven (2:1) und Royal Union Saint Gilloise (2:2) für sich werben konnten.

Und Prömel? „Ich weiß, dass die Jungs das gut machen. Aber ich will jetzt fit werden, wieder dahin kommen, wo ich in der vergangenen Saison und in der Vorbereitung war. Ich habe einen klaren Fokus auf mich.“

Nowitzki-Biografie motiviert Prömel

Er spricht von der „schwierigsten Phase in meiner Karriere. Ich bin auch ein sehr ungeduldiger Mensch. Vielleicht war das eine Lektion, die ich in dieser Phase gelernt habe.“ Entsprechend locker nimmt Prömel es auch hin, als ihm Trainer Fischer auf dem Trainingsplatz in Orihuela verdeutlicht, dass die Einheit für ihn beendet ist, als es zum intensiven Trainingsspiel geht.

„Ich merke erst jetzt, dass man nach einer Verletzung viel mehr Zeit investieren muss, als wenn man fit ist“, erklärt Prömel. Von kleineren Blessuren einmal abgesehen war es die bislang schwerste Verletzung seiner Karriere. „Aber es tut auch gut, wenn man den Blick mal schweifen lassen kann.“

Neben den Rehamaßnahmen hat er viel gelesen, vorzugsweise Biografien. Zuletzt hatte er sich in die des Basketball-Superstars Dirk Nowitzki vertieft. Auch hat er mit vielen Profis gesprochen, die wegen der gleichen Verletzung pausieren mussten. Getreu dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid.

Prömels Vertrag bei Union Berlin endet im Sommer

Wie wertvoll Prömel für den Union-Jahrgang 2019/20 ist, verdeutlicht Oliver Ruhnert. „Er ist ein zentraler Spieler. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass vieles, was unser Spiel betrifft, an Grischa Prömel hängt, weil wir diesen Typ sonst so nicht im Kader haben“, sagt Unions Geschäftsführer Profifußball.

Gleichwohl muss es das Merkmal eines Bundesliga-Kaders sein, nicht von einer einzelnen Person abhängig zu sein. „Ohne ihn haben war 19 Punkte geholt, das spricht auch für die Jungs, die gespielt haben“, erklärt Ruhnert, „im Endeffekt muss jeder Spieler im Kader ersetzbar sein, sonst macht es keinen Sinn.“

Dass Prömels Vertrag am Saisonende ausläuft, soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

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