Trainingslager

Union-Stürmer Polter spricht offen von Abschied

Polter fordert mehr Einsatzzeit und denkt über einen Vereinswechsel nach. Ein Abschied von Berlin fiele ihm jedoch nicht leicht.

Stürmer Sebastian Polter sieht nur noch wenig Perspektive für sich beim 1. FC Union.

Stürmer Sebastian Polter sieht nur noch wenig Perspektive für sich beim 1. FC Union.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Orihuela. Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass Sebastian Polter auf dem Flughafen Alicante bei seiner Rückkehr zum 1. FC Union von den Fans fast schon wie ein Messias empfangen wurde. Er galt beim damaligen Fußball-Zweitligisten als personifizierte Hoffnung auf den Aufstieg in die Bundesliga.

Als der Tross der Köpenicker am vergangenen Sonnabend in Spanien zum Trainingslager für die Rückrunde im Oberhaus eintraf, könnte der Flughafen in Alicante nun das Ende der Ära Polter bei Union eingeläutet haben. Zehn Tage vor dem Rückrundenstart bei RB Leipzig (18. Januar) sprach der Stürmer offen wie nie von Abschied.

„Ich bin damals zurückgekommen in dem festen Glauben, mit Union in die Bundesliga gehen zu können. Und natürlich möchte ich jetzt auch da bleiben. Doch man muss die Sache auch aus sportlicher Sicht betrachten, ob es angesichts der Einsatzzeiten überhaupt noch Sinn macht“, erklärte Polter. Und: „Momentan hat mir der Verein noch kein neues Vertragsangebot vorgelegt.“

Andersson hat bei Union Berlin die Nase klar vorn

Offen wie nie spricht Polter, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, von einem Abschied von Union. Dazu beigetragen haben werden auch die Einzelgespräche, die Unions Trainer Urs Fischer am Dienstagnachmittag mit ihm und auch Sebastian Andersson geführt hat. Gespräche, in denen der Coach die Hierarchie in der Abteilung Attacke unmissverständlich festgelegt hat.

„Er hat mit ganz klar mitgeteilt, dass Sebastian Andersson die Poleposition inne hat. Das ist wegen seiner guten Leistungen in der Hinrunde auch nachvollziehbar“, erzählte Polter. Der Schwede Andersson ist mit acht Saisontoren Unions Torjäger, stand in 16 der 17 Hinrundenspiele in der Startelf.

„Ich arbeite daran, dass ich dahin komme“, sagte Polter, der mit neun Einsätzen, darunter nur zwei von Beginn an, und zwei Treffern alles andere als zufrieden ist. Derzeit, so Polter, habe er in der Stürmer-Rangfolge „die gleiche Position wie Anthony Ujah“. Und die ist nicht die Nummer eins.

Polter will mehr Einsatzzeit bei Union Berlin

„Ich möchte viel mehr Einsatzzeit bekommen als in der Hinrunde und ich glaube auch, dass ich die Qualität dafür habe“, ist Polter von sich überzeugt. Gleichwohl müsse man sich „offen und ehrlich mit der Situation beschäftigen“, so der Angreifer. Man müsse sich eventuell auch „mit einer neuen Stadt oder einer neuen Liga beschäftigen“

Dafür würde der 1,92-Meter-Mann auch finanzielle Einbußen hinnehmen. „Ich habe schon mal Abstriche gemacht, als ich zu Union zurückgekehrt bin“, blickt Polter auf den Januar 2017 und seinen Wechsel vom englischen Zweitligisten Queens Park Rangers zurück.

„Wir verdienen abnormal viel Geld in dieser Branche. Dennoch solltest du nie, wenn du nicht wirklich musst, auf Geld verzichten. Ich denke, das ist auch legitim“, erklärte Polter.

Polter fällt Abschied von Union Berlin schwer

Eine Situation als Teilzeitarbeiter à la Michael Parensen kann sich der Publikumsliebling und Derbyheld bei Union nicht vorstellen. „Als Joker sehe ich mich nicht und will auch nicht in diese Rolle hineinwachsen. Ich bin mit 28 und nicht 35 Jahre alt und damit im besten Fußballeralter, habe mich von zwei schweren Verletzungen (Achillessehnenriss, Mittelfußverletzung, Anm.d.Red.) zurückgekämpft und noch alles vor mir“, sagte Polter, „und ohne Michael Parensen schlechtzureden, er hat eine geniale Karriere bei Union hingelegt – aber ich kann noch so viel lernen, auf und neben dem Platz.“

Ein Abschied von Union würde ihm in jedem Fall schwer fallen, wie Polter durchblicken ließ. „Ich habe hier für dreieinhalb Jahre unterschrieben in dem Glauben, viele Tore für den Verein zu schießen und mit dem Aufstieg Geschichte mit ihm zu schreiben. Ich glaube auch, dass ich einen großen Anteil dazu beigetragen habe“, machte Polter deutlich, „ich hatte bei Union meine längste Profizeit und genieße sie jeden Tag mit allen Mitspielern und allen Mitarbeitern.“

Union Berlin im Sommer zu verlassen, „würde mir schon nahe gehen. Definitiv.“

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