Bundesliga

Herthas Plan: mehr Tore, bessere Unterhaltung

Hertha hat in der Saison von 14 Heimspielen in der Liga nur vier gewonnen – gegen Köln sollen es zwei Stürmer richten.

Die Stürmer Vedad Ibisevic (l.) und Davie Selke sollen die Sieglos-Serie endlich beenden

Die Stürmer Vedad Ibisevic (l.) und Davie Selke sollen die Sieglos-Serie endlich beenden

Foto: Fotostand / Ellerbrake / picture alliance / Fotostand

Berlin.  Vielleicht war es das schöne Wetter. Vielleicht auch der Umstand, dass sich die Bundesliga-Saison dem Ende neigt und ab Mitte Mai für mindestens drei Monate kein Spiel mehr im Olympiastadion zu sehen ist. Jedenfalls zog der Kartenvorverkauf für das Duell von Hertha BSC und dem 1. FC Köln in den vergangenen Tagen mächtig an. Mindestens 45.000 Besucher werden am Sonnabend erwartet (15.30 Uhr/Sky), eine der besseren ­Kulissen in dieser Spielzeit.

Das ist insofern erstaunlich, weil es für Hertha im Grunde nur noch darum geht, die letzten fünf Spiele anständig hinter sich zu bringen und der 1. FC Köln so gut wie abgestiegen ist. Oder nicht? „Eine kleine Chance haben wir noch“, sagt Sportdirektor Armin Veh angesichts von sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Die Ausgangslage ist klar: Köln muss gewinnen, ansonsten tendiert die Chance auf den Klassenerhalt gen Null.

Genau diese Drucksituation wollen die Berliner ausnutzen. „Da ist viel Psychologie im Spiel“, sagt Trainer Pal Dardai. Gegen Mannschaften, die unbedingt siegen mussten, spielte Hertha in dieser Saison erfolgreich. Zuletzt ­geschehen beim 2:1-Sieg in Hamburg.

Preetz fordert mehr Gier vor des Gegners Tor

Nebenbei soll noch das eigene Publikum versöhnt werden. Die Fans im Olympiastadion durften 2018 noch keinen Heimsieg bejubeln. Gegen Köln, das abwehrschwächste Team der Liga, überlegt Dardai, mit zwei Stürmern, Davie Selke und Vedad Ibisevic, zu ­beginnen: „Ich habe mich noch nicht entschieden.“

Als Fan dieser Variante gilt er nicht, ­vielmehr wäre es ein ­Signal an die ­Zuschauer, sie best­möglich unterhalten zu wollen. Zumal Hertha den Fans gegenüber in der Pflicht steht: Von 14 Liga-Heimspielen hat Hertha gerade vier gewonnen (bei sechs Remis und vier Niederlagen).

Hertha-Manager Michael Preetz vertritt in dieser Hinsicht eine klare Meinung: „Es gibt gute Argumente für einen Stürmer, vor allem die Kompaktheit und die defensive Stabilität, die wir in den letzten Jahren immer hatten und die so wunderbar herzustellen ist, weil du einen zentralen Mittelfeldspieler mehr hast.“ Nur bemängelten einige Anhänger zuletzt genau das. Herthas auf Sicherheit basierendes Spiel sei zu langweilig, gerade gegen einen Gegner wie Köln solle Dardai mehr riskieren. Preetz sieht das anders: „Es geht um die Gesamtausrichtung und die Positionierung auf dem Feld. Wir verbieten ja keinem, ­Tore zu schießen. Entscheidend sind der Wille und der letzte Biss, das Tor unbedingt machen zu wollen. Das ist viel mehr das Thema.“

Lustenberger fehlt wegen Kniebeschwerden

Dardai wird die Worte des Managers gern vernommen haben, er favorisiert die Ausrichtung mit zwei Spitzen eher für die Schlussphase. In der laufenden Saison begann Hertha in vier Partien mit Selke und Ibisevic in der Startelf – nur eines wurde gewonnen. Das war beim 2:0 in Köln. Im Schnitt bekam Hertha in diesen Begegnungen genau zwei Gegentore, was deutlich über dem Saisonschnitt von 1,1 liegt. Der Vorwurf, die defensive Stabilität ginge bei diesem System verloren, lässt sich mit Zahlen belegen.

Was Dardai zum Umdenken bewegen könnte ist, dass in Fabian Lustenberger ein zentraler Mittelfeldspieler verletzt ausfällt. Der Schweizer hatte sich in Gladbach am Knie verletzt und unter der Woche ­erneut über Schmerzen geklagt. „Keine böse Sache, aber er fühlt sich nicht so wohl. Er wird wohl nicht dabei sein“, sagt Dardai.

Lustenberger hatte vor acht Jahren eine ähnliche Saison erlebt wie die Kölner es dieser Tage tun. Nach nur sechs Punkten zur Winterpause startete Hertha damals eine Aufholjagd, die am Ende aber doch nicht zum Klassenerhalt langte. „Ich kann mir in etwa vorstellen, wie es den Spielern dort jetzt geht, wie man immer wieder hofft, ran kommt und dann doch wieder eins auf den Deckel kriegt“, sagt Lustenberger. Den Kölnern traut er auf jeden Fall noch zu, Punkte zu holen. „Aber sie haben es nicht mehr selbst in der Hand.“

„Wir spielen eine langweilige Saison“

Dass die Situation bei Hertha anders ist, freut den ehemaligen Kapitän. „Wir spielen eine langweilige Saison. Aber wir haben es geschafft, nie ganz unten rein zu rutschen. Immer wenn wir punkten mussten, haben wir dreifach gepunktet“, sagt Lustenberger. Neben ihm fällt noch Verteidiger Jordan Torunarigha aus (Hüftprellung), ansonsten hat Dardai alle Spieler zur Verfügung.

Also auch Per Skjelbred, der in dieser Rückrunde selten zum Einsatz kam und anstelle von Lustenberger im defensiven Mittelfeld spielen kann. Diese Variante erscheint realistischer als das Sturmduo Selke/Ibisevic, das vielleicht Tore, aber auch Gegentore garantiert. Skjelbred ist da der absolute Gegenpool. Defensiv ist der Norweger eine Säule. Offensiv wartet er noch auf sein erstes Saisontor.

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