Trainerwechsel

Niko Kovac - ein Berliner für die Bayern

Der deutsche Rekordmeister Bayern holt Niko Kovac als Trainer-Nachfolger von Jupp Heynckes – und geht damit ein großes Risiko ein.

Trainer Niko Kovac gibt in der nächsten Saison den Bayern die Richtung vor

Trainer Niko Kovac gibt in der nächsten Saison den Bayern die Richtung vor

Foto: Axel Heimken / dpa

München.  Freitag, der 13. – und die Bayern sind glücklich. Weil sie Gewissheit haben. Niko Kovac wird ab der kommenden Saison Cheftrainer, der in Berlin geborene und im Wedding ­aufgewachsene Kroate verlässt zum Saisonende Eintracht Frankfurt und erhält in München einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2021. Die monatelange, teils erfolglose, teils hanebüchene Suche der Bayern-Bosse hat ein Ende.

Okay, in Sachen Champions-League-Auslosung hielt sich die (Vor-)Freude der Bayern auf das x-te Duell mit Real Madrid, dem Titelverteidiger, in Grenzen. Letzte Saison war gegen die Königlichen um Cristiano Ronaldo bereits im Viertelfinale Endstation (1:2, 2:4 n.V.), nun kommt es zur Revanche. Im Halbfinale. Immerhin mit Jupp Heynckes als Trainer.

Mit ihm erreichte Bayern 2012 per Elfmeterschießen im Bernabeu-Stadion das Endspiel. Sind die Bayern nun Außenseiter? „Gegen den Champions-League-Sieger der vergangenen zwei Jahre ist die Rolle des Favoriten klar“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Dem widersprach Trainer Heynckes: „Ob wir mit Real auf Augenhöhe sind? Entschuldigung! Warum nicht? Es ist eine Knallerpartie, ein Gigantentreffen. Ich bin zuversichtlich.“

Heynckes ist voll des Lobes über den Ex-Herthaner

Dann sprach ein entspannter Heynckes über die zweite Entscheidung des Freitags, die Verkündung seines Nachfolgers. „Eine gute Wahl“, sagte er über Kovac. „Niko ist prädestiniert, den FC Bayern zu übernehmen“, da er ein „innovativer und fleißiger Trainer“ sei, der zudem eine „gute Kommunikation mit den Spielern“ führe.

„Wir sind sehr glücklich“, sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der als Freund von Kovac gilt. „Niko war Spieler bei Bayern, er kennt die handelnden Personen sowie die Strukturen und die DNA des Klubs sehr gut. Wir sind überzeugt, dass er der richtige Trainer für die Zukunft des FC Bayern ist.“

Von 2001 bis 2003 hatte der Kroate in München gespielt, wurde Meister und Pokalsieger. Allerdings kam Kovac damals über die Rolle als Ergänzungsspieler nicht hinaus, weshalb er seinen Vertrag in München auflöste und zu jenem Klub zurückkehrte, bei dem er den Sprung ins Profigeschäft geschafft hatte: zu Hertha BSC.

Bruder Robert kommt als Co-Trainer

Aktuell ließ Sport­direktor Salihamidzic, damals Spieler an der Seite von Niko und Robert Kovac, den Kontakt wieder aufleben. Manchmal ist die Profiwelt klein: Gelernt hat Robert Kovac das Fußballspielen bei Hertha Zehlendorf. Als Robert 2007 von Juventus wegging und Salihamidzic vom FC Bayern nach Turin wechselte, überließ er ihm seine Wohnung. Nun arbeiten alle drei ab Sommer gemeinsam in München, da Robert (44) als Co-Trainer an der Seite seines Bruders kommt.

Ein deutschsprachiger Trainer sollte es sein, darauf hatte sich die Münchner Chefetage nach der missglückten 15-Monate-Ära von Carlo Ancelotti festgelegt. Sie hielten Wort. Auch mit der Deadline, bis Ende April den neuen Trainer zu verpflichten.

Erst vor ein paar Wochen, nachdem Heynckes endgültig dem steten Werben von Uli Hoeneß widerstanden hatte, noch eine weitere Saison als Retter-und Titelbringer-Coach dranzuhängen, kontaktierte man Thomas Tuchel und holte sich eine Absage des ehemaligen Dortmunders ein. Der hatte nicht mehr auf die Bayern warten wollen und steht bereits bei Paris St.Germain im Wort.

2018/19 geht es den Bayern um die nationale Dominanz

Kann Kovac Bayern? Aus Sicht der Münchener ist die dritte erste Wahl eine Risiko-Verpflichtung. Erste Coaching-Erfahrungen sammelte der frühere Mittelfeldspieler als Junioren-Trainer bei RB Salzburg. 2013 übernahm Kovac Kroatiens Nationalelf, scheiterte bei der WM 2014 in Brasilien in der Vorrunde hinter Brasilien und Mexiko.

Als ­Klubtrainer hat Kovac bei noch ­keinem Europapokalspiel an der ­Seitenlinie ­gestanden. Und in Frankfurt hatte er eher mit rustikalem Fußball Erfolg, der dem Champagner-Publikum in der Allianz-Arena nicht zumutbar wäre.

In München, so ist zu vermuten, wird Kovac Zeit zum Reifen bekommen. Er soll dann sanft die Ära nach Arjen Robben (34), Franck Ribéry (35), Jerome Boateng, Mats Hummels und Robert Lewandowski (alle werden in diesem Jahr 30) einleiten und moderieren. 2018/19 dürfte der Bayern-Schwerpunkt nur auf nationalen Titeln liegen, erst 2019/20 wollen die Münchener international wieder angreifen.