Handball

Warum es die Füchse Berlin in den Europacup zieht

Die starke Konkurrenz in der Sportstadt Berlin zwingt die Handballer ins internationale Geschäft. Bereits zum achten Mal in Folge erhält der Bundesligaklub die Lizenz ohne Auflagen.

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Die Glückwünsche kamen von Herzen. „Kiel ist seit Jahren das Flaggschiff im deutschen Handball, und sie schaffen es, diese Dominanz Jahr für Jahr zu bestätigen“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und verneigte sich vor dem Nordklub, der drei Spieltage vor Schluss durch das 31:25 gegen Verfolger Rhein-Neckar Löwen den 18. deutschen Meistertitel perfekt gemacht hatte: „Das ist aller Ehren wert und verdient die maximale Anerkennung.“

Den deutschen Rekordmeister sieht Hanning trotz der beachtlichen Erfolge der Füchse, die sich in den vergangenen zwei Jahren für die Champions League qualifiziert und 2012 das Final Four in Köln erreicht hatten, noch immer „in einer anderen Liga“, zu groß seien einfach die Unterschiede in Bezug auf die finanziellen Möglichkeiten. Auf „weit mehr als das Doppelte“ ihres Etats (gut fünf Millionen Euro/d. Red.) taxiert der Manager das Budget des Liga-Primus von der Förde.

Neid kommt bei den Füchsen aber nicht auf, im Gegenteil, die Berliner fühlen sich wohl in ihrer Rolle. Oder wie Hanning sagt: „Wir sind ein wenig wie der SC Freiburg in der Fußball-Bundesliga – mit einem Mini-Etat können wir Großes schaffen. Und wir haben unseren eigenen Stil und unseren eigenen Kopf.“ Hanning ist voll des Lobes für sein Team: „Was die Mannschaft momentan leistet, ist außergewöhnlich.“

Champions League in greifbarer Nähe

Ihre individuelle Qualität und den lustvollen Sinn fürs Handballspiel zeigte die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson auch am Dienstagabend wieder, als sie im hart umkämpften Ost-Derby den SC Magdeburg mit 29:26 in der Schmeling-Halle niedergerungen und damit auch das „Schlüsselspiel für Europa“ (Hanning) gewonnen hatte.

Drei Partien stehen in der Bundesliga noch an, und die Berliner haben es nun selbst in der Hand, die erneute Teilnahme am Europapokal perfekt zu machen. Mit einem Sieg am Dienstag bei Verfolger HSV Hamburg wäre ein Platz im EHF-Pokal endgültig sicher.

Aber es geht noch mehr, viel mehr. Erreichen die Füchse am Ende Rang vier, dürfen sie am Qualifikationsturnier für die Champions League teilnehmen, im besten Fall können die Berliner jetzt sogar noch den direkten Sprung in die Königsklasse schaffen, dafür aber muss die Konkurrenz patzen.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning mahnt zur Besonnenheit

Torhüter Silvio Heinevetter, der mit 20 Paraden gegen Magdeburg brilliert hatte, gibt sich vor dem Saisonfinale selbstbewusst: „Ich traue uns drei Siege zu. Das würde definitiv für den EHF-Pokal reichen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“

Trotz der Euphorie mahnt Hanning zur Besonnenheit, „denn wir können auch noch alles verlieren“, sagt er, „in welchem internationalen Wettbewerb wir auch spielen sollten, es wäre die Fortsetzung der Traumgeschichte Füchse Berlin.“

Einen Grund zur Freude gab es für die Füchse bereits am Mittwochnachmittag: Die Handball-Bundesliga (HBL) erteilte den Berlinern für die kommende Spielzeit die Lizenz ohne Auflagen – zum achten Mal in Folge. „Darauf können wir stolz sein“, sagt Hanning, der das seriöse Wirtschaften als einen Grund für den Erfolg der Füchse ansieht. „Bei uns werden die Gehälter pünktlich gezahlt, das spricht sich rum“, sagt der 45-Jährige, „wir haben es geschafft, die Plattform sauber und ehrlich zu erhalten.“

Viele Botschafter im Team

Längst sind die Füchse auch über die Landesgrenze hinaus bekannt. Auch weil sie mit dem Spanier Iker Romero, dem Dänen Torsten Laen oder auch dem Kroaten Denis Spoljaric internationale Botschafter in ihren Reihen haben. „Wir sind in Europa zu einer festen Größe geworden“, freut sich Hanning und weiß um die Wichtigkeit, auch kommende Saison dort wieder vertreten zu sein.

„Der Europacup ist für uns schon elementar“, räumt er ein. Und steigert natürlich auch die Attraktivität des Klubs für vorhandene und künftige Kooperationspartner. Das Gute im Handball sei ja auch, dass wenn man international dabei sei, dann auch fast automatisch oben mitspiele. „Weil ja die Bundesliga die stärkste Liga ist“, so der Manager.

Im besten europäischen Vereinswettbewerb dürfen in der kommenden Saison auch die Eisbären und BR Volleys antreten. Als Deutsche Meister starten sie in der European Trophy (Eishockey) und der Champions League (Volleyball). Den Basketballern von Alba droht hingegen das Aus in der Euroleague. Der FC Bayern München, der Alba im Viertelfinal-Play-off um die Deutsche Meisterschaft mit 3:0 in den vorzeitigen Urlaub geschickt hatte, könnte den Berlinern womöglich die sicher geglaubte Wildcard klauen.

Der Erfolgsdruck bei den Füchsen ist groß

Durch die Erfolge der Füchse ist auch der öffentliche Druck gewachsen, die Erwartungen sind hoch, gerade in einer Stadt wie Berlin, wo die Konkurrenz enorm groß ist. Die Eisbären sind Deutscher Meister, die BR Volleys ebenso. Und Hertha BSC spielt nach einer überragenden Zweitliga-Saison künftig wieder gegen den FC Bayern München und Borussia Dortmund in der Beletage des deutschen Fußballs.

„In einer Stadt wie Berlin ist die Erwartungshaltung unglaublich groß“, weiß Füchse-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, „aber wir denken noch nicht an einen Titel, so vermessen sind wir nicht. Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem wir uns an Titeln messen lassen sollten.“

Dennoch sind die Triumphe der anderen Klubs auch ein Antrieb. „Die Erfolge spornen uns schon ungemein an, aber das ist ja nur positiv“, sagt Hanning, „Platz ist in Berlin für alle Vereine da und mit den BR Volleys verbindet uns ja auch eine innige Freundschaft.“ Er lacht: „Die Schmeling-Halle ist jetzt ein Erfolgstempel.“