Handball

Heinevetter hält Füchsen Berlin den Sieg fest

Ein wichtiger Erfolg für die Füchse Berlin: Sie siegten über den SC Magdeburg mit 29:26. Damit klettern sie auf den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigt.

Foto: Joern Pollex / Bongarts/Getty Images

Drei kräftige Schläge mit der rechten Hand auf die Brust, dazu ein lauter Schrei. Dann wieder schüttelt Silvio Heinevetter gern auch den Zeigefinger in Richtung des Werfers, als wolle er sagen: ‚Bürschchen, nicht mit mir’. Und natürlich darf die Verfolgung des Gegenspielers bis zur Mittellinie nicht fehlen. Das Repertoire des Berliner Torhüters nach gehaltenen Bällen ist groß. Gegen Magdeburg hatte Heinevetter gestern Abend viele Möglichkeiten, vor den 8411 Zuschauern zu posieren. Beim 29:26 (16:11) der Berliner im Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg ebnete Heinevetter mit 20 Paraden den Weg zum Erfolg.

Mit diesem Sieg haben die Berliner das Tor zur Champions League weit aufgestoßen, sie liegen derzeit auf dem dritten Platz, der zur direkten Teilnahme an der Königsklasse berechtigt. Ein vierter Platz würde den Füchsen den Start im EHF-Pokal garantieren. „Unser Ziel ist Europa, und wenn wir das jetzt zum dritten Mal in Serie schaffen sollten, dann wäre das ein riesiger Erfolg“, freute sich Geschäftsführer Bob Hanning. Mit drei Punkten Vorsprung fahre man nun am nächsten Dienstag zum Spiel nach Hamburg. „Wir haben alle Möglichkeiten selbst in der Hand“, so Hanning.

Die Voraussetzung dafür war freilich der Sieg über Magdeburg, der kurz vor Schluss noch einmal in Gefahr geriet. „Wir haben das Spiel eigentlich super kontrolliert und alles im Griff gehabt“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson und hatte nur einen Kritikpunkt: „Nur zum Schluss haben wir die Magdeburger komplett noch einmal eingeladen zum Derby-Tanz. Da bestand die Gefahr, dass die Partie noch kippt. Aber wir haben einen Riesenkampf gezeigt und letztlich auch verdient gewonnen.“

Christophersen macht den Anfang

Mit einem wuchtigen Wurf aus dem Rückraum eröffnete Berlins Nationalspieler Sven-Sören Christophersen das Torfestival im Derby. Gleich von Beginn an hielten beiden Mannschaften das Tempo hoch. Mit aggressiver Körpersprache und vehementem Einsatz zeigten die Berliner Spieler ihren Kontrahenten, dass sie die Hausherren waren. In der sechsten Minute hielten die Zuschauer den Atem an, als Ivan Nincevic mit einem lauten Schrei zu Boden fiel. Ein Tritt auf das linke Sprunggelenk bereitete dem Kroaten starke Schmerzen. So sehr, dass er am Rand behandelt werden musste. Dagur Sigurdsson stellte um, ließ jetzt mit zwei Kreisläufern spielen. Mit Erfolg, denn die Berliner konnten sich nun absetzen, führten durch einen gewaltigen Wurf des Spaniers Iker Romero mit 7:5 (15.).

Aber nicht nur der Spanier zeigte sich gestern ausgesprochen kraftvoll, auch Konstantin Igropulo hatte Lust auf Wucht und hämmerte gleich mehrere Würfe unhaltbar ins Netz. Zudem ermöglichte Heinevetter mit seinen Glanzparaden seinen Vorderleuten die Möglichkeit zu Tempogegenstößen. Zwischendurch wand sich dann immer wieder Bartlomiej Jaszka durch die Abwehr der Magdeburger. Der Spielmacher der Füchse versteht es wie kaum ein anderer, seinen Oberkörper zu verdrehen. Magdeburg versuchte es mit Manndeckung. Doch der Pole war trotzdem mit sieben Toren der beste Berliner Werfer.

Kurz vor der Pause gab es noch einen Aufreger, als Bennet Wiegert dem Berliner Christophersen mitten ins Gesicht schlug. Während der Nationalspieler mit einem Eisbeutel behandelt wurde, berieten sich die beiden Schiedsrichter. Die Entscheidung stand wenig später fest: Rot für Wiegert.

Ein Fünf-Tore-Polster hatten sich die Füchse zur Halbzeit herausgespielt. Individuell waren sie den Magdeburgern klar überlegen, und als Mannschaft zeigten sie große Spielfreude. Kein Wunder, wenn auch gewagte Kombinationen klappen. Dabei ließen sie sich auch von den zahlreichen derbytypischen Nickeligkeiten nicht aufhalten. Im zweiten Durchgang hielten die Berliner ihren Vorsprung. Dann grätschte Heinevetter einen Magdeburger Spieler um und wurde dafür für zwei Minuten auf die Strafbank verbannt. So kam Petr Stochl zu seinem ersten Einsatz in dem Spiel - und der Tscheche wehrte gleich den ersten Wurf der Gäste ab. Das starke Torhüter-Duo ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Berliner. Wenn der Eine nicht kann, dann springt halt der andere ein. Der extrovertierte Heinevetter und der zurückhaltende Stochl ergänzen sich perfekt und bilden so auch das beste Torwart-Duo der Liga.

Trotz ihres Rückhalts wurde es im Ost-Duell am Ende noch einmal spannend. Der Vorsprung von sechs Toren (22:16) aus der 42. Minute war acht Minuten vor Schluss auf zwei magere Törchen geschmolzen. Der SCM witterte noch einmal seine Chance, und die Füchse büßten mit einem Mal ihre Souveränität ein. Das Spiel stand plötzlich auf der Kippe. Doch mit den Fans im Rücken und Heinevetter im Tor war der wichtige Heimsieg schließlich perfekt.