Der spielfreie Dienstag hält den deutschen Handballern eine ausgezeichnete Wettkampfvorbereitung am Fernseher parat. In der Gruppe B treffen am Abend Dänemark und Portugal aufeinander, beide Teams sind Gegner der DHB-Auswahl in der mit viel Kampf und viel Getöse erreichten Europameisterschafts-Hauptrunde. Renars Uscins mag sich schon in das Duell mit den Hausherren hineinversetzen, wenn am Montag unter den 15.000 Zuschauern in Herning das dänische Rot das deutsche Schwarz und Weiß dominieren wird. „Ich fühle mich besonders wohl bei Auswärtsspielen“, sagte der 23 Jahre alte Rückraumspieler, „das gibt mir viel. Ich genieße dieses Pfeifen, den Druck, das Jubeln der dänischen Fans nach positiven Szenen ihrer Jungs. Mich pusht so etwas richtig.“ Auftaktgegner sind am Donnerstag aber die Portugiesen, die das Super-Team der Dänen sensationell mit 31:29 bezwangen.
Handball-EM: Wolff schickt ein „Küss‘ die Hand“ nach Österreich
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Es sollte Renars Uscins und seine Teamkollegen, sofern sie ähnlich empfinden wie der Hannoveraner, nicht irritieren, wenn sie in den nächsten Tagen allerdings vermehrt eine Heimspiel-Atmosphäre in der Jyske Bank Boxen genießen werden. Wie beim 34:32 über Spanien, vor dem erst gezittert und nach dem erlöst gefeiert wurde, dürfte die größte Sportarena Dänemarks in den drei übrigen Partien der nächsten Turnierphase – zudem noch gegen Norwegen (Samstag) und Titelverteidiger Frankreich (nächsten Mittwoch) – in deutscher Hand sein.

„Von uns allen fällt eine Riesenlast ab“, gab der achtmalige Torschütze Uscins zu, nachdem das historische Vorrundenscheitern noch abgewendet werden konnte. DHB-Kapitän Johannes Golla bestätigte: „Wir haben an uns geglaubt.“ Torhüter Andreas Wolff schickte noch ein „Küss‘ die Hand“ über die Alpen: „Vielen Dank an die Österreicher, die absolut Charakter gezeigt und uns wirklich geholfen haben.“ Deren 26:25 über Serbien sei „aller Ehren wert“ gewesen und trug dazu bei, dass Deutschland am Donnerstag mit 2:0 Punkten in die Hauptrunde startet und weiter vom Halbfinale träumen darf. An die vorher von ihm als „Anti-Handballer“ titulierten Österreicher richtete er als letzten Gruß: „Ich nehme alles zurück.“
Nach EM-Kritik: Alfred Gislason revanchiert sich bei Bob Hanning
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Sich zunächst reiben und anschließend verzeihen war das Motto für die 48 Stunden, die dem Weiterkommen vorangegangen waren. Für die Spielweise, Einwechslungen und Auszeit-Pannen hatte Gislason Kritik einstecken müssen. Von Juri Knorr, von Italien-Trainer und Füchse-Berlin-Chef Bob Hanning, von den Medien. Nun, bei Hanning machte der Bundestrainer eine Ausnahme und stichelte genüsslich zurück: Er hätte sich doch lieber um seine Squadra Azzurra gekümmert, für die das Turnier-Aus bereits beschlossene Sache ist.

Mit allen anderen konnte Gislason sich aber wieder grün sein. Mit den Fehlentscheidungen gegen Serbien „habe ich es ja sehr gut geschafft, den Druck von der Mannschaft zu nehmen“, sagte der 66 Jahre alte Isländer mit einem Augenzwinkern. Wichtig war ihm aber, keine bleibenden Differenzen mit Mittelmann Knorr zu haben. „Wir sprechen uns regelmäßig aus. Alle sind gefordert, ihre Meinung zu sagen.“ Auskunftsfreudiger war der 25-Jährige, was die gemeinsame Aufarbeitung der Meinungsverschiedenheit betraf. „Das Beste ist das Gefühl, dass man am nächsten Tag mit seinem Trainer spricht und dem das völlig egal ist“, sagte Knorr. Gislasons Lockerheit im Umgang mit der sachlich berechtigten Schelte habe ihm daher imponiert: „Ich finde es hervorragend, dass er nichts persönlich nimmt, kein großes Ego in der Hinsicht hat. Für ihn steht der Erfolg über allem.“
Deutschland mit der „besten Angriffsleistung seit Olympia“
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Der Übergang vom Serbien- zum Spanien-Spiel soll daher als Reifeprozess verstanden werden. „Unter diesen Umständen so zu spielen, ist ein Riesenschritt für eine junge Mannschaft und müsste ihr ein riesengroßes Selbstvertrauen geben.“ Das war die Anerkennung in Worte gefasst, die Gislason direkt nach Spielende auf dem Feld seinen Spielern in Form von doch recht seltenen Umarmungen hatte zukommen lassen.

Donnerstag
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Auch der Bundestrainer hatte gelernt, er ließ den „phänomenalen Justus Fischer“ beispielsweise länger als gedacht für fünf Tore am Kreis wirbeln. Bei ebenso vielen Treffern bewies Linksaußen Lukas Mertens, endlich dort mal in Szene gesetzt, beispielhafte Wurfeffizienz. Anführer Knorr, die Torhüter Andreas Wolff und David Späth, ein verbesserter Julian Köster – der Bundestrainer spekulierte darauf, dass die Trotzreaktion Eindruck bei der Konkurrenz hinterlassen hat: „Das war ein bisschen wie Olympia. Es war die beste Angriffsleistung seit dem Frankreich-Spiel im Halbfinale.“
Das Turnier kann noch eine richtig schöne Geschichte werden.“
Juri Knorr , nach dem Einzug in die EM-Hauptrunde
Gislason betrachtet sein Team als unbedingt angriffsbereit, auch wenn alles Folgende aus Sicht von Johannes Golla nun „hammerhart“ sein werde. Die Qualität der deutschen Mannschaft mit dem Ball in den Händen ist unbestritten. Nur ihre Wankelmütigkeit darf sie nun in keiner Sekunde der vier bevorstehenden Hauptrunden-Herausforderungen mehr wiederholen, um vom Halbfinale und am Ende gar von der ersten EM-Medaille seit dem Triumph 2016 zu träumen.
Handballer sprechen sich aus: offener und ehrlicher Umgang
Ein entscheidender Faktor könnte dabei das Zusammenrücken nach der ersten bedrohlichen Situation sein. Im Physio-Raum der Teamunterkunft in Silkeborg „haben wir Tacheles geredet“ nach dem Serbien-Schock, berichtete Lukas Mertens. „Einige sind erst gegen 3 Uhr ins Bett gegangen.“ Die Aussprache habe gefruchtet, das Ergebnis gegen Spanien sei ein Signal. „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir offen und ehrlich sein“, erzählte Julian Köster. „Ich glaube, wir haben nun eine gute Reaktion gezeigt.“ Oder wie es Juri Knorr auch verführerisch sagte: „Wir sind nicht mehr die kleinen Jungs. Das Turnier kann noch eine richtig schöne Geschichte werden.“










