Das warnende Beispiel saß auf der Tribüne und musste mit ansehen, wie Johannes Golla und die deutschen Handballer seinem Team einen ordentlichen Dämpfer für die Halbfinal-Ambitionen verpasst hatten. Victor Iturriza ist Portugals wichtigster Deckungsspieler, wurde für das erste Hauptrundenspiel bei der Europameisterschaft in Dänemark aber einen Tag vor dem Anwurf gegen Deutschland durch eine Sperre aus dem Verkehr gezogen. Nun drohte der DHB-Delegation um Bundestrainer Alfred Gislason ein ähnliches Schicksal. Denn Iturriza war vom sensationellen 31:29 über Dänemark ausgeschlossen worden, weil er Mathias Gidsel übel im Gesicht erwischt hatte. Die Sperre wurde aber erst einen Tag später nach erneuter Untersuchung der Videoaufnahmen verkündet. Für kurze Zeit drohte am Donnerstagabend dem deutschen Kreisläufer Johannes Golla das gleiche Schicksal.

Handball-EM: Golla: „Habe Costa gar nicht extrem hart getroffen“

Auch interessant

„Das wäre sehr bitter für uns, ihn im nächsten Spiel zu verlieren“, hatte Alfred Gislason nach dem 32:30 (11:11) über den WM-Vierten Portugal gesagt. Im Handball zieht nur die Blaue Karte eine automatische Sperre nach sich. Iturriza hatte den zweimaligen Welthandballer Gidsel mit ausgestrecktem Arm im Hals- und Gesichtsbereich getroffen. „Nach sorgfältiger Prüfung des Vorfalls kam die Disziplinarkommission zu dem Schluss, dass die Handlung rücksichtslos und gefährlich war“, begründete der europäische Handballverband EHF die nachträgliche Disqualifikation. Wenige Stunden nach Rot gegen Golla sorgte die EHF für Aufatmen: Golla wird nicht gesperrt.

Deutschland - Portugal
Auch von drei Portugiesen nicht zu halten: Deutschlands Kreisläufer Johannes Golla (rechts) setzt sich gegen Portugal durch.© Sina Schuldt/dpa | Sina Schuldt

„Ich hoffe, dass sie sich das noch mal angucken“, sagte der Bundestrainer in Richtung der EHF. „Aus meiner Sicht war das nicht mal eine Rote Karte, maximal zwei Minuten kann man dafür geben. Golli greift ihm an die Brust, und der Costa schmeißt sich nach unten.“ Der Ansicht waren offenbar nun auch die Regelhüter. DHB-Kapitän Johannes Golla hatte Portugals Superstar, den zehnmaligen Torschützen Francisco Costa, erwischt. „Es ist extrem ärgerlich, weil man nie die Absicht hat, den Gegner im Gesicht zu treffen. Aber es war kein extrem harter Kontakt“, sagte der Flensburger zu seiner Entschuldigung. Der 28 Jahre alte Golla hatte aber auch Verständnis für die vorläufige Konsequenz: „Beim Videobeweis kommt diese Entscheidung heraus. Es bringt nichts, sich den Kopf zu zerbrechen. Ich hatte ja auch das Vertrauen in die anderen, das Ergebnis über die Zeit zu bringen.“

Bundestrainer Gislason hätte kein Verständnis für nachträgliche Sperre

Auch interessant

Alfred Gislason hätte gar kein Verständnis gehabt, falls Golla für die zweite Aufgabe gegen Norwegen (Samstag, 20.30 Uhr/ZDF) aus dem Verkehr gezogen worden wäre. „Wenn das eine Rote Karte ist, verstehe ich nichts mehr“, sagte der 66 Jahre alte Isländer. Deutschlands Matchwinner, der siebenmalige Torschütze Miro Schluroff, klagte beim dreckigen Sieg über gut austeilende Portugiesen: „Es war ein Riesenfight“, so der Gummersbacher. „Viele Zweiminutenstrafen, viel Video, viel Kontakt. Dass da das Temperament der Portugiesen durchkommt, war uns vorher bewusst.“

Deutschland gab mit dem Sieg die passende Antwort und kann nun gegen Norwegen den nächsten Schritt in Richtung Halbfinale machen. Mit Johannes Golla.

Auch interessant

Auch interessant

Auch interessant

Auch interessant