Es ist schwierig, Juri Knorr aus einer Menschenmenge heraus zu verstehen, sobald auch nur eine weitere Person sich im unmittelbaren Umfeld des 25-Jährigen befindet. Der Handball-Nationalspieler mag die leiseren Töne. Doch nach dem 27:30 (17:13)-Schock gegen Serbien und dem drohenden Aus für die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Dänemark brach es aus Knorr heraus – nicht von der Lautstärke her, sehr wohl aber vom Inhalt. „Ich stand nicht so viel auf der Platte in der zweiten Halbzeit“, sagte er in der Mixed-Zone, angesprochen auf den Zusammenbruch der DHB-Offensive nach dem Seitenwechsel. „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“
Knorr über Handball-Desaster: „Natürlich brodelt es in einem“
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Das sprach Juri Knorr mit dem Mund. Mit den Augen sagte er: Fragt doch mal den Bundestrainer. Deutschlands Mittelmann im Rückraum war sauer, nachdem er in der ersten Halbzeit einen richtigen Lauf gefunden, vier seiner fünf Tore vor dem Seitenwechsel erzielt hatte – um dann in den zweiten 30 Minuten weitgehend außen vor zu sein auf der Auswechselbank. „Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann“, sagte Knorr deshalb und ließ ordentlich Dampf in Richtung Alfred Gislason ab.

Verständnis hatte der Rechtshänder, der seit dieser Saison bei Aalborg HB spielt und erstmals in seiner Karriere in der Champions League Erfahrungen sammelt, für die Marschrichtung des Bundestrainers nicht. „Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit niedergerannt – und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht”, sagte Knorr. Nicht mal 29 Minuten Einsatzzeit hatte ihm Gislason gegönnt. Der 66 Jahre alte Isländer ließ stattdessen Julian Köster, der wie Knorr hauptsächlich in der Rückraummitte zum Einsatz kommt, mehr als 48 Minuten agieren. Dessen Wurfausbeute (zwei von fünf) war dürftig, dazu gesellten sich viele individuelle Fehler. Renars Uscins traf von rechts zwar sechsmal, lange genauso häufig aber auch daneben.
Knorr: Gislasons Torklau durch das Timeout war „die Kirsche auf der Torte“
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Mit Blick auf das entscheidende Gruppenspiel am Montag (20.30 Uhr/ZDF) gegen Spanien, bei dem die deutsche Mannschaft mit drei Toren Unterschied gewinnen muss, sollte Serbien vorher Österreich besiegt haben, sagte Knorr: „Wir werden es jetzt nicht alleine schaffen, wir werden es nicht schaffen, wenn Leute 60 Minuten durchspielen.“ Noch mal ein Seitenhieb in Richtung Gislason. „Ich werde immer alles reinhauen und will natürlich helfen, und ich habe das Gefühl, dass ich gut helfen konnte. Ja, ich verstehe es nicht ganz.“

Krönung des Zweite-Halbzeit-Desasters war dann noch Gislasons unglücklicher Griff zum Timeout-Buzzer, als die Sirene Sekundenbruchteile vor Knorrs 26:26-Ausgleichstreffer (58. Minute) ertönt war und die Schiedsrichter nach Überprüfung der Videobilder den Treffer zurücknahmen. „Das passiert“, sagte der um seinen sechsten Treffer gebrachte Knorr. „Das war die Kirsche auf der Torte. Das passt ein bisschen zur Situation in der zweiten Halbzeit.“
Handballer stemmen sich gegen EM-Aus: „Können Spanien kaputtrennen“
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Auch wenn die deutschen Handballer nun „mit dem Rücken zu Wand stehen“, sieht Knorr noch eine Chance aufs Erreichen der EM-Hauptrunde: „Ich bin optimistisch, dass wir so eine Mannschaft haben und dass wir die Spanier kaputtrennen können, dass wir sie kaputtmachen. Die haben natürlich einen Flow und das Momentum auf ihrer Seite. Aber ich glaube an diese Mannschaft, ich glaube an die Energie, die wir haben. Wir haben die Spanier häufig geschlagen.“








