Jedes Jahr erkranken in Deutschland durchschnittlich rund 2.330 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an Krebs. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Deutschen Kinderkrebsregisters hervor. Allein 2024 wurden 2.346 Neuerkrankungen registriert. Damit erhält statistisch etwa eines von 323 Kindern vor seinem 18. Geburtstag eine Krebsdiagnose. Am häufigsten sind Leukämien, also Blutkrebs, gefolgt von Hirntumoren und Krebserkrankungen des Lymphsystems.

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Obwohl Krebs im Kindesalter selten ist, gestaltet sich seine Früherkennung schwierig. Denn die ersten Anzeichen wirken oft harmlos: Müdigkeit, Fieber oder auffallende Blässe lassen zunächst kaum an eine schwere Erkrankung denken. Doch wann werden alltägliche Beschwerden zum Warnsignal? Welche Symptome Eltern ernst nehmen sollten und worauf es bei der Früherkennung ankommt, erklären Fachleute aus der Kinderkrebsmedizin.

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Krebs bei Kindern erkennen: Auf diese Warnzeichen sollten Eltern achten

Der britische Kinderonkologe Professor Bob Phillips erklärt gegenüber der BBC, dass vor allem das Zusammenspiel mehrerer Beschwerden aufschlussreich sein könne. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn Symptome über längere Zeit bestehen, sich verstärken oder weitere hinzukommen. Auch die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) nennt auf ihrem Informationsportal Kinderkrebsinfo eine Reihe möglicher Warnzeichen. Dazu gehören:

  • Anhaltende Müdigkeit und auffallende Blässe: Das Kind wirkt ungewöhnlich erschöpft, ist weniger belastbar oder gerät schon bei geringer Anstrengung außer Atem.
  • Wiederkehrendes Fieber und häufige Infektionen: Das Kind erkrankt auffallend oft oder wird über längere Zeit nicht richtig gesund.
  • Unerklärliche blaue Flecken und Blutungen: Blutergüsse entstehen ohne erkennbare Verletzung. Auch häufiges Nasenbluten oder kleine, punktförmige rote Flecken auf der Haut können auf Leukämie hindeuten.
  • Anhaltende Knochen- und Gelenkschmerzen: Schmerzen treten ohne erkennbare Ursache auf, halten länger an oder nehmen zu.
  • Knoten und Schwellungen: Vergrößerte Lymphknoten, etwa am Hals oder in den Achselhöhlen, bilden sich nicht zurück oder wachsen weiter.
  • Wiederkehrende Kopfschmerzen und Erbrechen: Besonders auffällig sind Kopfschmerzen, die mit morgendlichem Erbrechen, Sehstörungen oder Gleichgewichtsproblemen einhergehen.
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust: Das Kind verliert ohne ersichtlichen Grund an Gewicht oder hat über längere Zeit ungewöhnlich wenig Appetit.

Hinter solchen Beschwerden steckt in den meisten Fällen keine Krebserkrankung, wie die GPOH betont. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelnes Symptom, sondern dessen Verlauf. Bleiben Beschwerden ohne erkennbare Ursache bestehen, verschlimmern sie sich oder treten mehrere gleichzeitig auf, sollten Eltern sie ärztlich abklären lassen.

Schockdiagnose für eine Familie

Krebsfrüherkennung bei Kindern: Warum eine frühe Diagnose oft schwierig ist

Dass Eltern und Ärzte solche Warnzeichen rechtzeitig erkennen, ist besonders wichtig. Denn viele Krebserkrankungen bei Kindern entwickeln sich vergleichsweise schnell, wie der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erklärt. Manche Tumoren entstehen aus unreifen Zellen, die sich besonders rasch teilen und innerhalb kurzer Zeit wachsen können.

Dieses schnelle Wachstum erschwert auch die Früherkennung. Anders als bei Erwachsenen, für die es etwa bei Brust- oder Darmkrebs regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen gibt, existiert für Kinder kein vergleichbares Programm. Laut DKFZ haben sich bislang keine Untersuchungsmethoden bewährt, mit denen sich kindliche Krebserkrankungen zuverlässig frühzeitig aufspüren lassen. Denn bei vielen Tumoren würde selbst ein Untersuchungsabstand von einem Jahr nicht ausreichen, um sie rechtzeitig zu entdecken. Hinzu kommt, dass die einzelnen Krebsarten zu selten und zu unterschiedlich sind, um sie mit einem einheitlichen Verfahren zu erfassen.

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Krebsverdacht bei Kindern: Die Dreierregel soll Diagnosen beschleunigen

Wie unterschiedlich schnell Krebserkrankungen erkannt werden, zeigen die Erfahrungen aus Großbritannien. Laut dem Kinderonkologen Bob Phillips erhält dort etwa die Hälfte der betroffenen Kinder innerhalb von zwei Wochen ihre Diagnose. Bei anderen zieht sich die Suche nach der Ursache dagegen über Monate hin. „Das geht ziemlich schnell. Aber wir wollen verhindern, dass die andere Hälfte 16, 18, 20 oder sogar 25 Wochen warten muss, bis sie nach den ersten Symptomen endlich eine Diagnose erhält“, sagte Phillips gegenüber der BBC.

Solche Verzögerungen will die britische Krebsorganisation CCLG mit ihrer Kampagne „Child Cancer Smart“ verringern. Sie soll Eltern und medizinisches Personal dafür sensibilisieren, mögliche Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.

Dafür setzt die Kampagne auf eine sogenannte Dreierregel, die sich an Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal richtet: Zeigt ein Kind drei anhaltende Symptome, wurde es wegen seiner Beschwerden bereits dreimal ärztlich untersucht oder leidet es seit drei Wochen unter ungeklärten Symptomen, sollte eine Überweisung zur weiteren Abklärung in Betracht gezogen werden. Die Regel dient allerdings nur als Orientierung. Bei ernsthaften Warnzeichen muss die Abklärung früher erfolgen.

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Krebs bei Kindern: Überlebenschancen in Deutschland deutlich gestiegen

Dennoch hat die Behandlung von Krebs im Kindesalter in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Während in den 1950er- und 1960er-Jahren nur etwa zehn bis 20 Prozent der betroffenen Kinder ihre Erkrankung länger als fünf Jahre überlebten, sind die Aussichten heute deutlich besser, wie die Deutsche Kinderkrebsstiftung berichtet.

Laut dem Deutschen Kinderkrebsregister überleben heute rund 85 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen mindestens 15 Jahre nach ihrer Diagnose. Bei lymphatischer Leukämie, einer häufigen Form von Blutkrebs, sind es sogar 91 Prozent. Wie gut die Behandlung anschlägt, hängt allerdings wesentlich von der jeweiligen Krebsart ab. Besonders bestimmte Hirntumore bleiben schwer behandelbar.

Eine möglichst frühe Diagnose kann bei manchen Krebsarten dazu beitragen, dass die Erkrankung in einem weniger fortgeschrittenen Stadium behandelt werden kann. Unter Umständen sind dadurch weniger belastende Therapien notwendig.